Samstag, 26. Dezember 2009

Weihnachten in Salone



Hallo ihr Lieben! 
Bevor das alte Jahr vorbei ist, möchte ich mich doch noch unbedingt auf unserem Blog melden. Ich habe ihn schon eine Weile schleifen lassen und die neue Vereinbarung (oder ist es schon ein Neujahrsvorsatz?) mit Zwitschi ist, dass jeder von uns einmal pro Woche reinschreibt (mit Ausnahmen natürlich). Da könnt ihr euch ja freuen! 
Weihnachten ist vorüber, das neue Jahr steht vor der Tür! Meine Eltern sind nun zwei Wochen hier und teilen unsere Erlebnisse im sweet salone (süssen Sierra Leone). 
Unser Weihnachtsbaum (besser: Weihnachtsfrau), die Kerzen, Girlanden, feines Essen und familiäres Beisammensein haben eine schöne Stimmung in unsere Wohnung gezaubert. Es gab gefüllte Auberginen (selbstgemacht), Salat mit Crevetten, Lachs und eine Grillmischung mit Sauce (Take Away).
Wir waren auch schon gemeinsam an den schönen Stränden, und Papi hat seinen allerersten Lobster gegessen! Wirklich, wir können uns nicht beklagen, das Leben hat hier wunderschöne Seiten. Es ist wirklich Ferienstimmung, gerade sind meine Eltern im Swimming Pool in einem Hotel am Schwimmen (nach 6-7Monaten ohne Wasser scheint der Pool gerade rechtzeitig wieder in Ordnung zu sein), Zwitschi liest im Buch und wird müde und ich schreibe Blog (und freue mich gleich aufs Buch-Lesen).
Ich umarme euch herzlich, liebe Freunde und Familie von nah und fern, wie schön euch als Begleitung während unserer Abenteuer zu wissen.
Annick

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Frohe kalte Weihnachten!


Liebe Freunde und Familie, das Jahr neigt sich langsam dem Ende. Wir wünschen Euch allen frohe Weihnachten und gemütliche Tage mit Euren Nächsten.

Das Jahr 2009 war sehr ereignisreich und spannend für uns. Den Entschluss, nach Sierra Leone zu gehen, dort zu leben und zu arbeiten, haben wir bislang keine Sekunde bereut. Es ist diese Unmittelbarkeit mit den Mitmenschen, welche wir hier so schätzen. Grüsst man beispielsweise jemandem vom Auto aus mit der Hand, dann erhält man ein herzhaftes Lächeln zurück. Wo auch immer Menschen sind, ob in einem Geschäft, in einem Restaurant, auf dem Basketballplatz: sie freuen sich, wenn man sie anspricht, mit ihnen spricht, so belanglos es auch sein mag. Es sind diese kurzen Begegnungen, die uns bereichern und erfreuen.
Gleichzeitig erfahren wir auch die andere Kehrseite der Medaillie, so z.B. dass eine gewisse Zielstrebigkeit - wie wir sie kennen - wenig vorhanden ist. Dies ist eine riesige Herausforderung für uns, da wir beide gerne dynamisch arbeiten. Wie reagieren, wenn Mitarbeiter bzw. Bandmitglieder nicht wie vereinbart zu Meetings kommen, sich nicht abmelden obschon dies vereinbart wurde. Was unternehmen, wenn die Arbeit so vor sich hin "dümpelt"? Wenn gehandelt wird, als ob es nur ein Heute und nicht ein Morgen oder ein Übermorgen gebe? Das ist manchmal zum Haare raufen (da muss ich aufpassen, damit ich nicht ohne Haare zurück komme). Eine Pauschallösung gibt es nicht und diejenigen, die es behaupten, sind jenseits der Realität.
Bei mir ist es ein Pendeln zwischen laufen lassen und strikt sein. Jetzt, nach 4 "gemütlichen" Monaten bei der Arbeit, habe ich mich entschieden, gewisse Unzulänglichkeiten meinem Chef und meinen Mitarbeitgern gegenüber zu kommunzieren (so diplomatisch wie es natürlich ging), was mit einer Mitarbeiterin sofort zu Spannungen führte. Wenn auch mein Chef mich darin bestärkt, Mechanismen und Strukturen in meinem Team zu verändern, so stosse ich dabei relativ rasch an Widerstand. Es wird mir dann bewusst, dass gewisse Verhaltensmuster so tief in den Menschen und der ganzen Kultur verwurzelt sind. Ich bin darin vollkommen gefordert, was mich befriedigt, auch wenn es sehr nervenzehrend ist. Aber das Pendel wird ja wieder mal auf die andere Seite schlagen, wenn es Zeit dafür ist....
Jetzt geniessen wir zuerst einmal die Ferien mit Annicks Eltern, die 3 Wochen mit uns verbringen. Wir senden Euch aus dem warmen Sierra Leone ganz herzliche Grüsse und freuen uns auf weiteren Austausch mit Euch auch im nächsten Jahr!
Annick und Philipp (oder Ann and Philu, wie wir hier manchmal genannt werden)

Freitag, 4. Dezember 2009

....der letzte Bintumani Bericht


Am 2. Tag ging es durch den Dschungel, zuerst war die Landschaft noch etwas offener, später liefen wir nur noch in ganz dichtem Wald. Sehr eindrücklich waren die Geräusche, besonders die der Vögel. Affen sahen wir leider nicht. Dafür eine Kobra, nach ca. 5 minütiger Beschreibung unseres Führers (dieser hat die ca. 20 Meter auf einem Baum liegend entfernte Kobra während des Laufens entdeckt, wie blind wir doch sind....)

Unser Führer: ausgestattet mit einer Machette, stets mit wachem Auge, ein sehr sympathischer und ruhiger Mensch.












Danach ging es über eine Fähre, ich müsste wohl eher sagen, selbstgebautes Floss, über einen Fluss, nicht ganz unspannend...

Nach 6 Stunden teilweise steilem Aufstieg im Wald endlich wieder eine andere Landschaft! Und dann machten wir Halt bei einem Camp, das mit 2 löchrigen Strohhütten ausgestattet war. Dies realisierten wir erst, als es am nächsten Tag fürchterlich zu regnen begann. Unser Zelt, unsere Decke sowie ein Schlafsack wurden nass und selbst unter der Hütte war es nicht trocken.
Vor dem Sonnenuntergangen setzten wir uns auf einen Grossen Stein auf einer Wiese und bestaunten den Sonnenuntergang über den Hügeln vor uns. Wir übernachteten in unserem Zelt und unsere Träger bereiteten Reis mit Grunut (Erdnuss) Sauce vor, dies gab es für die nächsten 3 Tage.
Und schliesslich der Aufstieg auf den Gipfel durch mannhohes Grass, wobei wir aus der Ferne einen Büffel und eine Gazelle erblicken konnten. Oben angekommen hatte es leider Nebel, weshalb die Aussicht nicht ganz so spektakulär war. Nach der Reise waren wir uns alle einig, dass der Höhepunkt nicht der Gipfel, sondern das ganze Drum und Dran war: der Weg ist das Ziel (wie kitschig, aber wahr).

Sonntag, 29. November 2009

...und weiter ging es...


Am Abend in Yfin angekommen, ging es zum village chief (links) und zum regional chief. Hier wurden wir von einem Lehrer, der uns als erster begrüsst hatte, vorgestellt. Man muss sich das so vorstellen, dass dieser Lehrer zwischen den chiefs und uns vermittelte. Wir mussten einen Sprecher für die Gruppe bestimmen und dann darlegen, was unser Anliegen ist. Rund um uns herum hatte sich inzwischen das halbe Dorf versammelt. Schliesslich überreichten wir den chiefs (direkt) Zucker, Seife und anderes, was uns von Kollegen geraten wurde. Unglücklicherweise übergingen wir dabei den vermittelnden Lehrer, was dieser uns umgehend kund tat. Am nächsten Morgen, umringt von Kindern, packten wir unsere Siebensachen in 4 grosse Rucksäcke, welche von den uns angeheuerten Trägern getragen wurden. In afrikanischer Manier landeten die Rucksäcke bald auf den Köpfen der Träger. Obschon sie lediglich Flip Flops trugen, waren sie von uns bald nicht mehr gesehen. Wir mussten darauf bestehen, dass mindestens einer von ihnen hinter uns läuft, zumal es immer wieder Weggabelungen gab.



..........Mt. Bintumani

So sah die "Strasse" bei Nacht aus. Weit und breit kein Licht zu sehen, dafür gab es einen sternenklaren Himmel zu bewundern.
Damit ihr euch ein bisschen mehr ein Bild machen könnt, wie ein Teil unseres Weges zum Dorf Yfin ausgesehen hat: Holz/Erd/Steinbrücke mit mehr Löchern als Füllmaterial! Wir habens nach eingehendem studieren rübergeschafft oder besser: Ray ist profimässig durchgefahren und wir anderen drei sind sicherheitshalber ausgestiegen, grins!
Eigentlich wollten wir vor der Abenddämmerung im Dorf sein, doch nachdem uns drei Dörfer, die ca.20-30min auseinanderliegen, immer wieder gesagt haben, dass Yfin "9 miles" entfernt liegt, haben wirs aufgegeben nach der Distanz zu fragen, und sind einfach vorsichtig im Dunkeln durchs Gebüsch gefahren!


Mount Bintumani

Zusammen mit unseren Freunden/Verwandten Theresa und Raymond machten wir uns vor gut 2 Wochen auf, den Mt. Bintumani zu besteigen, Westafrikas höchster Berg. Die Anfahrt von Freetown (Western Area) nach Yfin, am Fusse des Mt. Bintumani gelegen (im Norden des Landes) war schon ein Abenteuer für sich. Was für eine Wohltatf: von der lauten und intensiven Atmosphäre der Hauptstadt zu entlegenen Dörfern und einsamen Landschaften. Je weiter wir ins Land hineinfuhren, desto öfter geschah es, dass uns die Bewohner der jeweiligen Dörfer zuwinkten und uns mit einem Lachen in ihrer Landessprache "weisser Mensch" zuriefen.

Freitag, 13. November 2009

House warming party

Endlich nach acht Monaten konnten wir zur house warming party einladen. Insgesamt waren es ca. 40 Leute von meiner Arbeit, der GTZ, der Balanta Academy, dem Guesthouse in dem wir gewohnt hatten und persönlichen Freunden. Höhepunkt der Party war eindeutig, als unser Trommellehrer mit seinem Bruder eine halbe Stunde lang ohne Unterbrechung unsere Gäste begeisterten. Vor allem einige unserer afrikanischen Freunde wachten förmlich auf und begannen dazu zu tanzen (auch Stammestänze). Dies gab uns allen einen kleinen Einblick in die Kultur, in welcher sie aufwachsen.
Neben diesem Highlight gab es auch eine andere Erfahrung, welche wir zusammen mit Freunden diskutierten: Am Ende der Party haben sich einige der Sierra Leonischen Gäste - unbemerkt von Annick und mir - daran gemacht, Getränke und essen in Säcke zu verstauen. Wir fanden es erst heraus, als mich einer von ihnen nach einer Wasserflasche fragte, Annick ihm aber bereits vor wenigen Minuten eine gegeben hatte. Er beteuerte, dass die Flasche schon leer sei, was sich als unwahr herausstellte. Etwas später gingen Annick und ich mit einem Teller Pfandkuchen (kleine Rollen) umher und servierten diese unseren Gästen. Zuerst nahmen die besagten Gäste (dies waren die Angestellten des Guesthouses) eine Rolle. Als wir noch einmal vorbei gingen, griffen sie sich je vier bis fünf Rollen und drückten sich diese in den Mund bzw. - wieder unbemerkt von Annick und mir - legten diese beseite in einen Sack. Ganz ehrlich, die Situation war schon ein wenig unangenehm. Ich fands ziemlich unverschämt, schliesslich gab es genug zu essen und trinken für alle. Dies ist/war einer dieser Momente, in denen mir klar wird, dass mir diese Kultur fremd ist. Die Erfahrung, dass es hier nie genug von etwas gibt, habe ich schon öfters gemacht. Und wenn es dann mal etwas gibt, dann wird versucht, so viel wie möglich davon zu profitieren. Dies ist vielleicht gar nicht mal so unähnlich wie wenn ich in ein all you can eat Restaurant gehe und mehr esse, als ich Hunger habe, nur weil ich das Angebot auschlagen will. Der Unterschied liegt vielleicht darin, dass hier viele Leute darum besorgt sind, sich das tägliche Essen zu beschaffen.

Annick und ich werden morgen zu einer Tour aufbrechen, gemeinsam mit unseren Freunden/Verwandten Theresa und Ray aus Deutschland. Wir wollen den höchsten Berg Westafrikas besteigen, 1950 Meter! Dennoch wirds nicht ganz so leicht wie es scheint, da dieser Berg vollkommen im Dschungel liegt, es keine Wege gibt und man sich Essen für mehrere Tage mitnehmen muss. Natürlich werden wir einen lokalen Führer mitnehmen und auch Träger anstellen. Es soll dort viele Affen, Vögel, Büffel und andere Tiere geben; die Natur dort soll ziemlich unberührt sein. Wir werden spätestens am 22. November wieder zurück sein.
Wir senden Euch warme Grüsse in das kalte Europa

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Auf Fact Finding Mission

Heute war ich den ganzen Tag auf dem "Feld". Mit meinem Kollegen Lansana (Field Officer) habe ich eine Gemeinde (Waterloo) besucht, die ca. eine Autostunde von Freetown entfernt liegt. Die Justice and Peace Commission, für welche ich arbeite, hat sich zum Ziel gesetzt, in jeder Gemeinde ein Justice and Peace Committee zu gründen, welches sich der alltäglichen Probleme im Bereich Konflikte, Zugang zum Rechtssystem, Korruption etc. annehmen soll. Unsere Aufgabe als Commission besteht darin, diesen Prozess zu initiieren, zu begleiten und bei Bedarf Trainings anzubieten. In jeder Gemeinde bestimmen die Mitglieder des Committees, mit welchen Themen sie arbeiten wollen. Das Committee in Waterloo haben wir vor 2 Wochen geformt, das Thema das sie angehen wollen lautet: Konflikte in den Familien. Der heutige Tag diente dazu, mehr über dieses Thema herauszufinden. Wir interviewten insgesamt 4 Gruppen (Jugendliche, Frauen, Lehrer, Kinder) und bei den meisten kam heraus, dass das Vertrauen zwischen den Familienmitgliedern seit dem Krieg sehr klein ist. Hinzu kommt die Polygamie bei den Muslims und die verbreitete eheliche Untreue bei den Christen. Keine einfach Aufgabe, das Vertrauen wieder neu zu bilden!

Solche"Field visits" sind meistens sehr eindrücklich. Als wir zu einer katholischen Schule kamen, schrien alle Kinder: Father (Priester). Weiss gleich Priester. Gott sei dank ist es noch nicht so weit bei mir. Es fällt sehr schnell auf, dass die Kinder in der ländlichen Gegend keine Berührungsängste haben. Sie kommen sofort auf uns zu, nehmen uns an den Händen etc. Interessant war heute auch wieder zu beobachten, dass es so etwas wie Mittagspause, Mittagessen nicht gibt. Wir gingen von einem Interview zum nächsten. Lansana und unser Fahrer Kalon tranken nichts und hätten auch nichts gegessen, wenn ich ihnen nicht eine Banane und ein paar Guätzlis gegeben hätte. Es ist hier nicht ungewöhnlich, nur einmal pro Tag zu essen.

Heute wurde den ganzen Tag nur Krio gesprochen und da ich meistens nur Fragen zu stellen hatte, habe ich mein Bestes gegeben und auch versucht Krio zu sprechen. Ihr könnt Euch etwa vorstellen, wie es klingt, wenn ein Deutscher in einem Tal wie dem Glarnerland zu Bauern spricht und dies alles auf Schweizerdeutsch. I no easy oh (it is not easy).

Samstag, 17. Oktober 2009

Afrikanisch Kochen

Vor gut zwei Wochen haben wir unsere 3 Guards angefragt, ob Sie Lust haben, mit uns am Samstagnachmittag gemeinsam zu kochen. Sie haben zuerst gemeint das sei ein Witz! Unsere Vorstellung war, dass wir die Zutaten einkaufen gehen und sie uns dann anschliessend zeigen, wie man ein Sierra Leonisches Gericht zubereitet, zumal sich unserer ältester Guard Alimamy (ca. 22 Jahre) als guter Koch ausgab. Nur schon das Einkaufen mit Alimamy war ein Erlebnis. Wir sind zuerst an den Strand gefahren, um frischen Fisch zu kaufen. Da die Preise zu hoch waren, sind wir zum lokalen Markt gegangen. Dieser Markt ist überdacht und man fühlt sich teilweise wie in Marokka in einer Altstadt: ein Stand nach dem nächsten; Kinder die auf der Erde unter den Tischen schlafen; alles ist so eng, so dass man sich ständig berührt; Gerüche, die einen fast ohnmächtig werden lassen. Hier gibt es alles und zwar zu sehr tiefen Preisen. Zuhause wieder angekommen, haben wir die Schuppen der Fisch mit einem Messer weggekratzt. Interessant war, dass nicht unsere Guards, sondern die Köchin unserer Vermieter sofort die Führung beim Kochen übernahm und unsere Guards nur noch daneben standen. Gekocht wird in Sierra Leone übrigens nicht im Haus, sondern draussen bei offenem Feuer. Wir haben über die Einfachheit gestaunt, wie gekocht wurde. So werden hier beim Kochen die Hände viel mehr direkt gebraucht und es wird nicht wie bei uns mit Geräten gearbeitet (um nicht die Hände dreckig zu machen). Nach ca. 3 Stunden! war das Essen (2 1/2 Kg Reis sowie 4 Fische und Cassava) fertig. Gekocht wurde das ganze nicht von unseren Guards, sondern von der Köchin und der Vermieterin selbst, die in der Hälfte einfach die Führung übernahm. Eigenartigerweise nahmen alle an, dass das Essen nur für uns zwei gedacht sei. Deshalb waren alle umso überraschter, als wir ihnen mitteilten, dass wir das Essen gemeinsam teilen möchten. Die Augen unserer Guards leuteten und sie sprangen vor Freude wie kleine Kinder umher.............Es ist schon unglaublich, wie "einfach" man hier Leuten eine Freude bereiten kann; man muss sich darauf einfach nichts einbilden! Wir haben dann alle (ca. 10 Leute) zusammen aus einem Topf gegessen, das Essen war köstlich. Danach mussten sich Annick und ich von dem ganzen Event zuerst einmal erholen..........Es war ein höchst spannender Einblick ins afrikanische Leben hier.

Ein Novum......und endlich Ruhe

Als wir letzten Mittwochabend nach Hause fuhren, waren wir erstaunt, dass es in unserem Quartier überall Licht hatte, sogar bei unseren Vermietern, die ein Stockwerk über uns wohnen. Nach über 6 Monaten! funktioniert die Stromzufuhr in unserem Quartier wieder, nachdem der Transformator anscheinend defekt war und nicht repariert werden konnte. Bisher hatten wir uns mit einem Generator ausgeholfen, wenn wir Licht oder unsere Laptops aufladen wollten. Meistens haben wir den Generator um 19.00 angestellt, weil es dann schon dunkel wird und ihn ca. 2 Stunden laufen lassen. Danach haben wir meistens Kerzen angezündet, um nicht zu viel Benzin zu brauchen und auch deshalb, weil der Generator sehr laut ist.
Es ist wie Weihnachten, einfach Strom zu haben! Das schönste am ganzen ist, dass unser Generator sowie diejenigen der Nachbarn nicht mehr so drönen. Man hört den Laut der Grillen und die Vögel zwitschern, einfach friedlich. Einmal Strom heisst aber nicht immer Strom, obschon dies vom Präsident versprochen wurde. Einmal wird dieses Quartier mit Strom bedient, dann wieder ein anderes.

Heute regnet es zum ersten Mal seit Wochen wieder am Tag. Wir befinden uns in der Übergangsphase von Regen-zur Trockenzeit. So richtig ununterbrochen geregnet hat es nur in der Zeit im August, als wir in Nimes waren. Danach hat es zwar teilweise auch noch heftig geregnet, aber immer mit Umbrüchen. Und seit ca. dem 20. September regnet es nur noch in der Nacht. Jeden Abend entladen sich die Wolken, es blitzt und donnert und die Luft kühlt ab. Wir können dieses Naturspektakel jeden Abend von unserem Wohnzimmer betrachten. Wir geniessen dieses Klima, gerade auch deshalb, weil es in der Nacht nicht so heiss ist und das Geräusch des Regens auf den Blechdächern eine gemütliche Atmosphäre schafft.
Wir werden trotz des Regens heute an einen der traumhaften Strände fahren und boogie-boarden gehen. Das Wasser wird ca. 26 Grad sein und meistens gibt es irgendwelche Strohhüttchen, unter denen man mehr oder weniger vom Regen geschützt ist. Es wird auf jeden Fall viel Spass geben und wir werden an Euch denken!

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Ausblick und Entspannung



Ausblick von unserer Wohnung aus (Regenzeit) und Annick in der Hängematte am Entspannen... hihi, ich sags Euch, da drin kann man wunderbar dösen!

Wohung in Freetown!



Gerade eingezogen, noch nichts ausgepackt, abend mit Licht und Generator! Erste Eindrücke unserer noch "nackten" Wohnung.

wieder ein Lebeszeichen... diesmal mit Photos!!


Hallo ihr Lieben!!
Zeit für neue Infos und Photos. Ich muss zugeben, wir vernachlässigen unseren Blog im Moment... wie auch immer, es kann nur wieder besser werden. Hier die ersten "proves" (man oh man, manchmal hab ich schon ein wenig ein Sprachen-Durcheinander...  ich meine "Beweis")

Das Foto hier zeigt den Fussballplatz vor dem Guesthouse (wo wir 4.5 Monate in einem Zimmer gewohnt haben) in der Regenzeit!! Kein Grund um nicht Fussball zu spielen, wie ihr seht!

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Lebenszeichen aus sweet SaLone

Ein Lebenszeichen aus sweet SaLone

Einen Monat ohne Eintrag! Ein gutes oder schlechtes Zeichen? Nein, wir haben unserer Heimat und unseren Freunden/Familie nicht den Rücken gekehrt. Es liegt wohl eher daran, dass seit unserer Rückkehr in Freetown einiges los war und wir uns (oder ich mich) sehr wohl fühle. Wir geniessen es, eine eigene Wohnung zu haben, mit Blick aufs Meer. Jetzt sind wir erstmals in der Lage, selber zu kochen und zu backen; wir haben schon mehrere Male selbstgemachten Zopf oder Brot gegessen. Einfach herrlich. Bei der Arbeit nehme ich es inzwischen meistens auch gelassener, wenn nicht alles (oder annähernd alles) so funktioniert, wie ich mir das vorgestellt habe. Ich habe das Gefühl, dass ich mich langsam an das Tempo meiner Kollegen gewöhne.

Über unseren ersten Schweizer-Besuch haben wir uns sehr gefreut. An einem Wochenende sind wir zu den schönen Stränden gefahren und haben 2 Nächte in einem gemütlichen Hotel, direkt am Meer, zwischen Palmen, verbracht. Ines und Pavlo waren positiv überrascht vom friedlichen Klima unter den Menschen. Sie haben sogar gemeint, dass sie sich in anderen Ländern wie z.B. in Marokko viel mehr von den Menschen bedrängt gefühlt hätten. Diese Aussagen haben mich daran erinnert, dass es für die meisten von Euch wohl sehr schwierig ist, sich eine Vorstellung über die hier herrschende Atmosphäre zu machen.

Seid von Herzen gegrüsst, Annick und Zwitschi

Montag, 31. August 2009

Fortsetzung... und neues Abenteuer!

So, es ist Montag und die Temperaturen sind feucht-warm.... so dass die Kleider grad so schön kleben!!!
Also Fortsetzung vom Konzert am Sonntag: Ich bin dann am Sonntag noch zu einem Gesangswettberwerb-Finale à la "Wer wird Superstar?" gegangen, wo ich Ernest (den "vermissten" Pianisten) getroffen habe (er war ganz cool, konnte mich nicht anrufen, weil sein Natel keine Batterie hatte und meine Nummer nicht auf seiner Pinkarte gespeichert war, und zur Probe kam er nicht, weil sein Schneider seine Kleider für eine Hochzeit nicht bereit hatte und er dort wartete, aber no problem und sorry sorry). Ach ja, am Morgen schrieb mir David, der Percussionist noch, dass er Ernest am Telefon hatte und dieser am Sonntag Abend zum Konzert kommen würde. Er schrieb auch: "Stay calm"..... Waaaahhhh, wie soll man da bloss noch cool bleiben?
Wie auch immer, es geht immer, und so waren wir letztlich auch im Seminarzentrum, halbe Stunde zu spät (wobei das egal war, da die Teilnehmer auch zu spät kamen, so no stress), zusätzlich mit einem Saxophonisten, der in der Balanta auch für das Equipment zuständig ist und viel Verantwortung trägt. Wir haben unser erstes Set gespielt, war ok, etwas unsicher, mit Fehlern da wir ja quasi nicht geprobt hatten.
Bei zweiten Set bin ich dann schon mehr in Fahrt gekommen, ich dachte, nach dieser ganzen Geschichte möchte ich jetzt meinen Spass haben und mit austoben. Die Band liess sich mitreissen und so war unsere Performance letztlich nicht schlecht und hat auch Spass gemacht.

Noch kurz mein neues Abenteuer: Heute bin ich von unserer neuen Wohnung los, um zum Seminarzentrum zu gelangen. Ich habe zum ersten Mal fast alle hier in Freetown Stadt möglichen Fortbewegungsmittel für einen Weg benutzt:
1. Zuerst zu Fuss, da heute irgendwie viel zu wenig Taxis unterwegs waren und ganz viele Leute am Strassenrand auf Verkehrsmittel warteten.
2. Auf dem Weg (d.h. ich habe sogar Autos überholt, da Stau war), gabs dann grad ein freies Plätzchen für mich in einem Taxi.
3. Unterwegs machte es "KLACK" und das Taxi fing an zu stottern. Kabel kaputt, alles aussteigen!
4. Ok, wieder zu Fuss unterwegs. Dabei habe ich immer wieder Gesellschaft, man spricht zusammen, sagt hallo, etc..
5. Ein freiwilliger Begleiter hat mich dann in ein Pota-Pota hineinmanövriert, d.h. ein kleines Büsschen, dass mit Personen vollgestopft ist (ca.vier Bänke mit vier bis fünf Personen...)
6. Dieses liess mich an einer Kreuzung raus, da es nicht bis zu meiner Destination fuhr. Ok, on the road again.
7. Ich versuchte es noch mit  Taxis, doch heute sollte es einfach nicht klappen, darum...habe ich ein Okada (Motorradfahrer) gestoppt und mich noch das letzte Stück fahren lassen...

What a day! Eine gute Stunde unterwegs und viele Erfahrungen reicher!!
Seid von Herzen umarmt, Annick

Sonntag, 30. August 2009

Vorbereitung zum ersten Konzert in Sierra Leone...

Guten Morgen allerseits, ist schon eine Weile her, dass ich im Blog geschrieben habe. Heute mache ich es aus reinem Selbstzweck, da ich grad ein wenig Frust ablassen will, und Philipp grad nicht zur Verfügung steht, grins! Es ist 8.45 und ich kann seit einer Stunde nicht mehr schlafen, mein Allerliebster liegt noch gemütlich im Bett (ist auch gemütlich, denn draussen regnet es unablässig). Also meine kleine Geschichte:
Drei oder vier Wochen vor meinen Ferien, haben wir in einem Trio angefangen, Jazz, Swing, Soul etc. zu spielen/üben. Zwei Sierra Leoner und ich. Motiviert wie ich war (bins grad im Moment nicht, aber wird schon wieder kommen), habe ich beim Koordinator von Philipps Organisation unser Trio angepriesen und der hat uns dann gleich für eine Willkommensparty bei eine Seminar eingestellt. Heute wird dies sein!!!! Und wie haben wir uns vorbereitet??? Nachdem ich das wusste, habe ich bei den Proben gepusht, dann ging ich in die Ferien (ich fragte sie, ob sie selbständig zu zweit weiterüben könnten, Antwort: "No Problem", Resultat: Es wurde nix gemacht), hatte dieses Abenteuer mit den Flügen und bin am Dienstag Abend angekommen. Am Donnerstag nachmittag wollten wir (oder vielleicht nur ich, die Kommunikation ist nicht grad einfach) lange üben, um 16.00 haben wir abgemacht, da waren die zwei letztlich um 16.45 und der Pianist Ernest erzählte mir dann, dass er in 15min mit einem anderen Projekt unbedingt üben müsste (heute ist das Finale von einem Gesangswettbewerb). Aha! Schön, am Telefon konnte er mir das ja nicht sagen!
Ok, zweiter Versuch: Freitag um 11.00. Dann konnten wir grad mal dreissig Minuten üben, und dann waren wieder die Wettbewerbler dran.
Ok, letztmöglicher Versuch für eine Probe: Samstag um 10.00. Ich bin um 10.20 dort, David, der Percussionist, ist um 10.30 da. Wir warten auf den Pianist Ernest. Wir rufen ihn an. Sein Telefon geht nicht. Wir warten. Wir gehen kurz die verschiedenen Stücke durch, damit David ungefähr weiss, wie sie sich anhören (einen kleinen Teil haben wir schon vor den Ferien gemacht, aber viele noch gar nicht). Wir warten. Versuchen Ernest zu erreichen. Nichts. Zwei Stunden später gehe ich frustriert nach Hause. Ich habe Ernest bis jetzt nicht erreicht. Irgendwie wird es wohl gehen, es geht immer irgendwie, aber es ist ziemlich ziemlich anstrengend....
Eine regnerische Umarmung aus Freetown und Fortsetzung folgt....

Donnerstag, 27. August 2009

Am Ende einer Odyssee.....

die uns über Lyon, Casablanca (mit Übernachtung), Accra (Ghana, ebenfalls mit Übernachtung) und schliesslich nach Freetown geführt hat, sind wir mit 1 1/2 Tagen Verspätung in der neuen alten Heimat angekommen. Die Verzögerung wurde durch einen Streik von Air Maroc ausgelöst, wodurch unser ursprünglicher Flug nach Casablanca gestrichen wurde und wir erst am Sonntagabend Lyon verlassen konnten. Irgendwie haben wir es gelassen genommen, da es nichts zu verpassen gab (wir sind ja noch 2 1/2 Jahre hier) und wir an solche Verzögerungen in Sierra Leone langsam gewohnt sind. Es war interessant zu sehen, dass Accra viel entwickelter ist als Freetown. So gibt es dort 3 spurige Strassen, besser gebaute Häuser, an vielen Orten Verkehrstafeln, Strassenbeleuchtung usw.
Bei unserem "alten" Hotel angekommen, wurden wir äusserst herzlich vom Hotelpersonal und meinem Team begrüsst. Es war wie ein Heim-Kommen. All die Dinge, die vor gut 6 Monaten noch fremd waren, hatten einen vertrauten Charakter.Einer freute sich besonders, unser Freund Valentine, der jeweils unsere Wäsche besorgte. Er meinte, er habe dies und uns so vermisst und fragte dann auch gleich, ob wir Wäsche zu waschen haben (um auch ein wenig Geld zu verdienen).

In den letzten 3 Wochen muss es anscheinend so stark geregnet haben wie schon lange nicht mehr. Leider wurden ganze Häuser und Mauern weggeschwemmt und es gab einige Tote. Zum Regen noch folgende Anekdote: Sierra Leone arbeitet schon seit den 70er Jahren an einem Wasserdamm, mit Hilfe dessen das ganze Land mit Strom versorgt werden soll. Nach dem Krieg hat die Regierung - mit finanzieller Unterstützung der Weltbank - dieses wichtige Projekt erneut in Angriff genommen. Als wir im März ankamen, hiess es, dass der Damm Ende April fertig gestellt werden sollte. Als dieses Datum verstrich, liess die Regierung verlauten, dass man nun auf den Regen warten müsse, damit der Damm gefüllt werde, also Juli, August. Nun wärend der heftigen Regenfälle teilte die Regierung mit, dass es nicht genügend Wasser habe und der Damm daher erst im Dezember in Betrieb genommen werde..........

Heute werden wir den Schlüssel unseres Appartements abholen und am Samstag dann einziehen.

Wir haben die 3 Wochen Ferien in Nimes sehr genossen, insbesondere die reiche Zeit mit Familie und Freunden. Danke fürs Kommen!!!

Und für meine liebe Schwester Ena: Pieps!

Dienstag, 28. Juli 2009

Endlich........

Nach 4 langen Monaten in einem Zimmer haben wir eine Wohnung gefunden und gestern den Mietvertrag unterzeichnet. Es handelt sich um eine 3-Zimmerwohnung mit Blick auf das Meer! Das grosse offene Wohnzimmer und der Balkon bilden das Prunkstück dieser Wohnung. Die Küche, die Zimmer und die WC´s sind einfach und gemacht. Wir leben zusammen mit dem sierra leonischen Landlord und dessen Familie in einem Compound. Es hat sogar einen kleinen Garten, falls wir etwas anpflanzen wollen. Wir können ab Mitte August in unser neues Heim einziehen, worauf wir uns sehr freuen. Jetzt müssen wir die notwendigen Möbel beschaffen, damit sich unsere ersten Besucher (ab September) auch schön wohl fühlen.
Was lange währt, wird gut; das hoffen wir auf jeden Fall!

Samstag, 25. Juli 2009

"Alles genommen"

Ein Arbeitskollege von mir, unser Fahrer, hatte in der Vergangenheit jeden Penny gespart, um sich mal ein Flecken Land zu kaufen und ein Haus darauf zu bauen. Wenn man bedenkt, dass ein Fahrer so wenig verdient, dass er damit nicht mal seine Familie ernähren kann, ist das ein fast unmögliches Unterfangen. Wie dem auch immer, unser Fahrer sparte so viel Geld, dass er sich vor einigen Jahren ein kleines Stück Land kaufen konnte (am äusseren Ende Freetowns) und ein einfaches Haus darauf baute. Nun ergab es sich, dass irgendein reicher Sierra Leoner Anspruch auf dieses Land erhob. Anstatt das laufende Gerichtsverfahren abzuwarten, welches von diesem eingeleitet worden war, demolierte er nun letzte Woche das Haus und brannte es zum Teil nieder. Die Polizei vor Ort bezahlte er, damit diese den Fahrer (illegal) verhafteteten, was diese auch taten. Leider geschah dies auf ziemlich brutale Art, sodass der Fahrer heute eine grosse Wunde am Unterarm hat. Ich bot ihm an, seinen einfachen Verband durch einen richtigen zu ersetzen und musste mit Erschrecken feststellen, dass man teils den Knochen sehen kann. Er und seine Familie wohnen nun verstreut bei Leuten, die sie aufgenommen haben. Er ist psychisch vollkommen am Boden und weiss nicht weiter. Das Vertrauen in das Gerichtssystem ist alles andere als gross. Mit einem Freund von ihm, ein anderer Arbeitskollege, haben wir Schritte in die Wege geleitet, dass er zusammen mit seiner Frau zu einer Traumaberatung gehen kann. Hoffentlich gibt ihm dies ein wenig vom Vertrauen ins Leben zurück.

Mittwoch, 15. Juli 2009

alter Laptop im Schrank?

Liebe Freunde, dies ist mal ein etwas anderer Beitrag. Ich will Euch anfragen, ob jemand von Euch im Besitze eines Laptops ist, der verstaubt oder seit Monaten/Jahren in der hintersten Ecke eines Schrankes liegt und nur darauf wartet, wieder gebraucht zu werden. Ich kenne da ein paar Leute, die von diesem Laptop Gebrauch machen könnten. Konkret: Mein Team der Justice and Peace Commission, bestehend aus momentan 6 Personen, verfügt über 2 Laptops (darunter einer für mich). Daneben gibt es vereinzelt die Möglichkeit, einen anderen Computer zu benutzen. Diese Arbeitsbedingungen erschweren natürlich ein effizientes Arbeiten, wie ihr Euch vorstellen könnt. Deshalb auch meine Anfrage an Euch. Über Rückmeldungen freue ich mich!

Dienstag, 7. Juli 2009

Beten in Sierra Leone

Der Glaube im alltäglichen Leben spielt in Sierra Leone eine ganz wichtige Rolle, wie auch in anderen afrikanischen Ländern. Ich habe schnell gelernt, dass in meiner Organisation jedes Meeting mit einem Gebet beginnt, in welchem um ein gutes Gelingen des Meetings gebeten wird. Und zum Schluss gibt es ebenfalls ein Gebet, als Dank für das Gelingen des Meetings. Dies gilt aber nicht nur für unsere Organisation, sondern auch für die meisten öffentlichen Events. Nur mit dem Unterschied, dass dann sowohl ein christliches wie auch ein muslimisches Gebet aufgesagt wird. Ich musste dann aber doch ganz schön staunen, als ich ein offzielles Basketballspiel bestritt. Zu Beginn des Spieles kamen die Spieler meines Teams zusammen. Anstatt eines "Schlachtrufes" wie "Team" oder "Defense" (wie in der Schweiz üblich) senkten die Spieler den Kopf und ein Spieler betete für das Team. Es wurde für ein gutes Spiel gebetet und auch dafür, dass mein Team den Sieg davon tragen werde. Über letzteres musste ich schmunzeln.

Was mich an dieser "Kultur des Gebets" besonders anspricht, ist die Tatsache, dass der Lärmpegel gesenkt und der hier vorherrschende Aktionismus für einmal der Ruhe Platz macht. Denn Ruhe oder Reflexion (über das eigene Handeln) stehen hier nicht hoch im Kurs. Ein hoher Würdenträger der Kirche sagte mir kürzlich, dass die Menschen in Sierra Leone die Stille kaum aushalten können und dies doch so wichtig sei, wenn es um Frieden mit sich selbst und damit auch um Frieden in ganz Sierra Leone gehe.

Montag, 6. Juli 2009

Malaria überstanden

Heute habe ich mich zum ersten Mal seit meiner Malaria-Erkrankung wieder richtig fit gefühlt. Sogar so gut, dass ich Basketball spielen gegangen bin und immer noch ganz ok bin. Angefangen hat das Ganze am Freitag vor einer Woche. Auf einmal habe ich gespürt, wie ein Schauer durch meinen Körpern insbesondere unter meine Haut hindurch, ging. Ich habe dann meinen Mitarbeitern mitgeteilt, dass ich mich kurz hinlegen werde (da wir noch immer keine Wohnung haben, konnte ich einfach einen Stock höher gehen und mich aufs Bett legen). Innerhalb einer Stunde stieg das Fieber von 37 auf 39,5. Schüttelfrost überkam mich und danach begann ich ganz schön zu schwitzen. Da auch die anderen Symptome von Malaria wie Kopfschmerzen sowie Gliederschmerzen spürbar waren, entschied ich mich, ohne Malaria-Test mit der Tabletteneinnahme (eine vorgeschriebene Malariabehandlung) zu beginnen. Das Fieber ging dann etwas zurück, meldete sich in der Nacht aber erbarmungslos zurück. Die Nacht war ein einziger Kampf und ich habe wohl nur dank Annicks Unterstützung wenigstens ein oder zwei Stunden geschlafen. Samstags hatte ich dann noch ein wenig Fieber und Sonntag fühlte ich mich schon wieder viel besser. Da habe ich mir natürlich gedacht, wie toll, dass alles so schnell vorüber gegangen ist. Diese Freude hat dann am Dienstag und Mittwoch der Ernüchterung Platz machen müssen, da ich wieder Fieber und Kopfschmerzen bekam. Zu diesem Zeitpunkt wurde es mir zu bunt und ich suchte den Vertrauensarzt der Deutschen Botschaft aus, der mich sehr gut beriet. Er erklärte mir, dass es verschiedene Malariamücken gibt und es sich in den letzten Jahren Resistenzen gegen die Malaria-Tabletten gebildet haben. Deshalb verschrieb er mir nochmals andere Tabletten, um die Malaria vollkommen zu heilen. Dies habe ich dann auch gemacht und freute mich bereits, als es mir besser ging. Nichts da. In der Nacht auf Freitag hatte ich dann ununterbrochen Durchfall, sodass ich mich am darauffolgenden Tag vollkommen kraftlos und müde fühlte. Diese Müdigkeit dauerte bis gestern an. 

Zur Info: Wir haben Malariaprophylaxe eingenommen, doch kann man dadurch eine Malariaerkrankung nicht ausschliessen, wie ich erleben durfte. Sie hat aber den Effekt, dass der ganze Leidensweg ein wenig "angenehmer" gestaltet wird. Ich habe die Malaria an und für sich gar nicht als so schlimm erlebt (wie eine starke Grippe), doch dauert es relativ lange, bis man wieder ganz fit ist. Es wirkt subtil weiter. Wir haben uns nun entschieden, die Prophylaxe auszusetzen, da erstens die Malaria für uns nicht mehr ein ungreifbare Schreckensgespenst ist und zweitens, weil es sich bei dieser Prophylaxe um ein Antibiotika handelt.

Ena, tenke tenke, this was more!

Samstag, 27. Juni 2009

Malaria und Taxi-Streik

Hallo ihr Lieben!
Es ist doch schon einige Zeit her, dass ich im Blog geschrieben habe. War ziemlich beschäftigt mit dem GTZ-Job, der Musikschule, Basketball und alltäglichen Kleinigkeiten, sodass ich am Wochenende grad mal ein paar Mails beantworten konnte und sonst mich mit Film, Sequence-Spielen mit Zwitschi, lesen, gemütlich essen etc... entspannt habe.
Nun ist es leider soweit, dass seit gestern bei Zwitschi die Malaria ausgebrochen ist. Nicht erschrecken, halb so schlimm, die Behandlungsmedikamente sind bei uns, jetzt braucht es einfach Ruhe und aushalten. Die Symptome sind klar: Fieber, Gelenkschmerzen, Kopfweh und Schüttelfrost, und das alles in Schüben. Zwischendurch fühlt Zwitschi sich dann gut, bis der nächste Schub kommt. Doch in drei Tage sollte das Ganze hoffentlich vorbei sein.

Vor einigen Tagen haben die Taxis am Morgen gestreikt. Ich gehe jeweils zweieinhalb Tage pro Woche bei der GTZ arbeiten, wobei ich für die Fahrt zum Büro die öffentlichen Taxis benutze (hab ja schon mal was zum Taxi-Fahren geschrieben:-)). Nun, dieses Mal musste ich mir was einfallen lassen, wie ich zur arbeit komme, denn Zwitschi war schon mit dem Auto zu einem Workshop unterwegs. Hier gibt es verschiedene Transportmöglichkeiten: die Taxis, die Pota-Pota (Kleinbusse, die vollgestopft sind und den Hauptrouten entlang fahren) und Okadas (Motorradfahrer). Einige von Euch wissen ja, wie es mit meinen Erfahrungen mit Motorradfahren steht (hehe, Mallorca mit 16, kleiner Unfall mit Schlüsselbeinbruch). Ich glaube seither war ich nicht mehr auf einem Motorrad. Doch irgendwann darf man wohl seine Erfahrungen bereichern, d.h. ich habe dann ein Motorrad angehalten und der hat mich zur Arbeit gefahren. Ein Erlebnis! Ich habe ich am Anfang ganz ganz klar gesagt, dass ich Zeit habe und möchte, dass er vorsichtig fährt!! (Denn hier gibt es Kamikaze-Motorrad Fahrer. Vielen von den Fahrern sind ehemalige Kämpfer aus dem Krieg, die nach dem Krieg von statt ein Motorrad von Organisationen bekommen haben).  Mein bikerider war dann auch wirklich vorsichtig, dass war gut! Es hat sich dann herausgestellt, dass er nur heute fahren würde (wahrscheinlich wusste er, dass die Taxis streiken und er heute Geld machen kann, grins) und sonst als Bestatter (Begräbnisse) arbeiten würde. Manche Begegnugen sind schon lustig und erstaunlich! Immer wieder entdecke ich ganze Geschichten hinter den einzelnen Menschen, die vielfältig und reich sind!

So, das wars für jetzt, eine kleine Episode aus unserem Leben hier!!
Seid von Herzen gegrüsst, Annick

Samstag, 20. Juni 2009

Father Peter Konteh, mein Chef

Er arbeitet bestimmt 18 Stunden am Tag. Er engagiert sich mit Leib und Seele für die ärmeren Leute in Sierra Leone. Während des Krieges setzte er sich mit allen Mitteln für den Frieden ein und überzeugte - mit anderen Geistlichen (christliche und muslimische) - die UN in New York, Friedenstruppen nach Sierra Leone zu senden. Er wird in weiten Kreisen als integre Persönlichkeit(davon gibt es hier nicht viele) geschätzt, was sich soweit mit unserer Erfahrung und Wahrnehmung deckt. Innerhalb der Kirche nimmt er die Rolle als Präsident aller Priester in Sierra Leone war und ist gleichzeitig der wichtigste Berater der Erzbischofs. Klar, dass ob all diesen Tätigkeiten manchmal die Zeit fehlt, mir in meiner Arbeit als Chef beizustehen.
Stolz präsentiere ich Euch Annick sowie unseren Nissan Patrol. Streng genommen gehört er nicht uns, wir dürfen ihn aber für die Arbeit und auch privat gebrauchen. Da die Strasse in Sierra Leone (teilweise auch in Freetown) sehr schlecht sind, braucht man einen 4WD. Ist schon wahnsinnig: Wir hatten noch nie ein Auto und jetzt steht und dieser Nissan zur Verfügung

Sonntag, 14. Juni 2009

Meine Arbeit

Nachdem ich in den ersten Wochen nur sehr sporadisch in unserem Office war - Annick und ich haben diese Zeit genutzt, um uns an all das Neue zu gewöhnen, inklusive Wohnungssuche – hat mich meine Arbeit inzwischen richtig gefangen genommen. Ich arbeite für Caritas Freetown and Bo; das ist die NGO der katholischen Kirche, die sich um Entwicklungsprojekte innerhalb der Diözese Freetown und Bo kümmert. Diese Caritas hat verschiedene Departemente und ich bin Berater der Justice and Peace Commission, welche seit März offiziell besteht. Diese Commission/Departement hat sich zur Aufgabe gesetzt, in allen Kirchgemeinden der Diözese (etwa ¾ der Fläche von der Schweiz) jeweils eine Subcommission einzusetzen. Diese sollen aus wichtigen Personen unterschiedlicher Religionen zusammengesetzt werden (in Sierra Leone leben ca. 50% Muslime, 30% Christen und 20% Andere). So sollen dort z.B. ein local chief, ein Repräsentant der dortigen Frauenorganisation, ein Priester, eine muslimische Autorität etc. präsent sein. Nach der Formation dieser Gruppen, bei welcher die Commission behilflich sein wird, werden wir die Leute fragen, welche Probleme sie in Bezug auf Justice, Peace und Human Rights haben. Meistens sind dies – wie ich bisher wahrgenommen haben – Probleme wie der Umgang mit Konflikten (besonders innerhalb von Familien), häusliche Gewalt, rechtliche Unterstützung bei legalen Konflikten. Es ist der Commission ein Anliegen, dass die Leute vor Ort selber entscheiden, an welchen Problemen sie arbeiten wollen. Denn in der Entwicklungszusammenarbeit ist es leider überwiegend so, dass die Geldgeber in Europa oder Amerika entscheiden, welche Projekte lanciert werden sollen, ohne eine genauere Abklärung vor Ort getätigt zu haben. Da wir bislang über nur wenig Mittel verfügen (die Finanzkrise zeigt sich in diesem Bereich sehr stark) werden wir vor allem die Rolle übernehmen, den ganzen Prozess vor Ort zu facilitaten. Indem wir mit Ihnen Ihren Plan erarbeiten, wie sie Ihre Probleme lösen wollen und indem wir regelmässig vorbei kommen, um zu schauen, wo sie stehen.
Da wir aber nur über ein kleines Budget verfügen, ist es bereits schon schwierig, regelmässig weitere Strecken mit dem Auto zurückzulegen, da die Benzinkosten hoch sind. Dies wiederum hat zur Folge, dass eine ständige Begleitung sehr erschwert wird und dies wiederum den Erfolg des ganzen Projektes gefährdet. Dies ist nur ein Beispiel der schwierigen Arbeitsbedingungen, die hier in Sierra Leone herrschen.

In den letzten Wochen hat sich immer stärker herauskristallisiert, was meine Aufgabe sein wird. Es wird wohl aber noch einige Zeit brauchen, bis wirklich alles geklärt wird (was wohl nie der Fall sein wird, anderes Land, andere Sitten…). Ich werde hauptsächlich mit dem Programm-Manager (dem Hauptverantwortlichen für das tägliche Geschäft) der Justice and Peace zusammen arbeiten und diesen unterstützen. Meinem Chef, der Direktor von Caritas Freetown and Bo und somit auch von dieser Commission ist, habe ich vor 3 Wochen klar gemacht, dass nicht ich die Stelle als Programm-Manager übernehmen werde, auch faktisch nicht, da ich nach 3 Jahren wieder gehe und dann kein Loch entstehen sollte. Ich habe ihm dies so klar sagen müssen, da in den ersten niemand von den bereits angestellten Personen (eine 42-jährige Frau, ein 22-jähriger Uniabsolvent sowie ein engagierter Anwalt, der aber zu 120% anderswo engagiert ist; alle Sierra Leoner) die Hauptverantwortung übernommen hat. Es lag meistens an mir, zu schauen, dass wichtige Dinge erledigt werden. Glücklicherweise ist mein Chef auch der Meinung, dass ich grundsätzlich lediglich als Berater agieren soll und nicht derjenige bin, der die Hauptverantwortung für die Umsetzung trägt. Diese Klärung hat mich sehr erleichtert.

Bis zum jetzigen Zeitpunkt ist immer noch unklar, wer welche Position übernehmen wird und wer noch angestellt werden muss. Auch die Jobbeschreibungen der einzelnen Personen müssen noch erarbeitet werden. Dies liegt sicherlich daran, dass mein Chef meistens in Bo ist und Strukturierung nicht seine Stärke ist. Dafür hat er andere Stärken, besonders im menschlichen Bereich, worüber ich froh bin.

Als ich ankam, stand der Commission lediglich 1 Raum zur Verfügung, mit 3 kleinen, klapprigen Tischen! Dies hat sich bis heute kaum verbessert. Wir arbeiten entweder mit meinem Laptop oder einem anderen Computer, der leider aber meist besetzt ist. Ich habe mir das Ziel gesetzt, den Bürobetrieb um einiges effizienter und effektiver zu gestalten. Ich bin mir bewusst, dass dies ist ein ehrgeiziges Ziel in Sierra Leone ist. Und ich kann diesen Prozess nur in dem Tempo meines Teams gehen. Denn sobald ich versuche, meine Ideen auf sie zu übertragen, gibt es klaren Widerstand. Ich werde mich in den nächsten Wochen mit dem Team zusammensetzen und wir werden dann zusammen erarbeiten, unter welchen Umständen sie erfolgreich arbeiten können.

Neben dieser Managementarbeit werde ich viel mit den Subcommissions der Gemeinden arbeiten, sobald diese gebildet sind. Ich werde zusammen mit meinem Team Workshops zu Menschenrechtssensibilisierung, Mediation, Kommunikation und ähnlichem halten. Dies wird wohl erst Ende Jahr beginnen. Bis dahin werden wir uns zum einen mit wichtigen Personen in den Gemeinden bekannt machen und zum anderen werde ich die Zeit nutzen, um mit dem Team die Fähigkeiten zu arbeiten, welche die einzelnen Personen für die kommenden Arbeiten brauchen. Dieses capacity building ist eine weitere Aufgabe von mir. Es reicht von Computergrundkenntnissen, einen Bericht verfassen, Kommunikation und Mediation, ein Interview vorbereiten und führen, sich selber in der täglichen Arbeit organisieren; also von A-Z. Ich beanspruche nicht, dass ich in all diesen Bereichen ein Profi bin. Und doch realisiere ich, dass ich durch die eine oder andere Massnahme die einzelnen Personen unterstütze. Im Grossen und Ganzen ist meine Arbeit sehr abwechslungsreich und ich bin ständig mit Menschen im Kontakt, wie ich mir dies gewünscht habe. Deshalb befriedigt mich diese Stelle sehr. Nur hätte ich nicht gedacht, welche täglichen Herausforderungen damit verbunden sind, dass ich in einer anderen Kultur arbeite. Mehr dazu in einem anderen Beitrag.

Mittwoch, 10. Juni 2009

1. Hochzeitstag in Liberia!

Am letzten Sonntag, den 7. Juni haben wir unseren ersten Hochzeitstag gefeiert. Es kamen schöne Bilder auf; wie wir mit Euch gelacht und getanzt haben. Wir hätten vor gut einem Jahr niemals gedacht, dass wir uns ein Jahr später in Monrovia, der Hauptstadt von Liberia befinden würden. So spannend ist wohl das Leben. Grund für diesen 5-tägigen Trip war, dass wir die dortige Justice and Peace Commission studieren wollten, damit wir von Ihnen lernen können. Da mein Chef den Stellvertreter des Bischofs gut kennt, konnten wir bei diesem übernachten. Wir erwähnten dann am 6. Juni, dass wir am 7. Juni unseren ersten Hochzeitstag feiern werden. Am 7. Juni dann, gingen wir zusammen in die Kirche, da eine Frau von Rwuanda über ihre persönlichen Erfahrungen in Bezug auf den Völkermord in Rwuanda erzählten sollte. Nach Ihren Erzählungen, die Teil der Messe waren, bat der Stellvertreter des Bishofs (der die Messe leitete) ein Paar nach vorne zu kommen, welches in der letzten Woche auch seinen Hochzeitstag feierte. Und dann bat er auch uns, seine Gäste aus Sierra Leone nach vorne zu kommen, weil es ein Brauch sei, dass die Hochzeitspaare jedes Jahr ihren Segen für weitere glückliche Jahre von den Priestern erhalten. Jetzt kann also nichts mehr schief gehen! Es war eine schöne Zeremonie, ganz unerwartet und doch berührend. Ich schätze ich mich sehr glücklich, all die Erfahrungen hier mit meiner geliebten Annick teilen zu können. Ehrlich gesagt, hätte ich es nie gedacht, dass wir es so lange in einem so kleinen Zimmer aushalten können, ohne uns ständig auf den Geist zu gehen.
Danke Euch allen für die Gratulationen und Euer Anteil nehmen!

Dienstag, 26. Mai 2009

Luxus pur

Es scheint fast so zu sein, dass unser Hostel den Versuch unternimmt, uns für die nächsten 3 Jahre als Gäste zu behalten. Seit heute gibt es nämlich im ganzen Hostel fliessend Wasser. Wir müssen nun nicht mehr Wasser ins WC leeren, wenn wir dieses benutzt haben, welch Luxus! Und aus dem Wasserhahn beim Waschbecken kommt Wasser! Leider funktioniert aber gerade die Dusche in unserem Zimmer nicht, sodass wir weiterhin das Wasser aus einem Eimer nehmen müssen, um uns zu waschen. Das macht uns aber überhaupt nichts aus, es ist vielmehr schon lange zu einer Gewohnheit geworden, die wir vermutlich in Europa vermissen werden. Denn auch die Einfachheit hat ihre eigene Lebensqualität.

Entwarnung: Annick geht es schon seit Samstag wieder recht gut. So gut, dass sie in der Musicschool ihren ersten Workshop leiten konnte.

Mir geht es gut, ausser dass sich manchmal in meinem Gehirn die Balken biegen, da mir meine Arbeit sehr komplex scheint. So komplex, dass ich Euch ein ander Mal näher darüber berichte, was konkret ich genau mache. Aber um es vorweg zu nehmen, so anspruchsvoll die Arbeit ist, so spannend finde ich sie.

Mit lieben Grüssen aus dem Süden

Freitag, 22. Mai 2009

Falscher Malariaverdacht!

Bin grad im Bett und erhole mich... Die letzten zwei Tage waren körperlich anstrengend, denn ich habe plötzlich Gliederschmerzen, Kopfweh, Durchfall und auch ein wenig Fieber bekommen. Als es nicht besser wurde, sind wir zum Spital, um einen Bluttest für Malaria zu machen. Hier nehmen die meisten Ausländer bei Verdacht auf Malaria ihr Antibiotikum, ohne vorher einen Bluttest zu machen. Wahrscheinlich, weil die Spitäler zu überfüllt sind oder weil sie kein Vertrauen in die Ärzte haben. Wir waren in einem indischen Spital, und es war leer, da grundsätzlich um 14.00 geschlossen wird. Sie haben den Test aber für mich gemacht. Er fiel negativ aus. Irgendwie war ich froh darüber, und irgendwie nicht, da ich nicht wusste, was ich den jetzt erwischt habe. Ausserdem kann ich, auch bei negativem Test, trotzdem Malaria haben. 
Heute gehts mir besser, Gliederschmerzen und Kopfweh sind weg, dafür habe ich Schluckweh bekommen. Durchfall ist noch nicht ausgestanden. Falls ich in den nächsten Tage kein Fieber mehr bekomme, ist es keine Malaria sondern wahrscheinlich eine starke Magen-Darm-Grippe. Oder sonst etwas "gruusiges", dass sich in mir ein Plätzchen gesucht hat.
Im Moment ist es ein wenig eng in unserem Hotelzimmer, Zwitschi gibt gerade Basketballtraining, und ist froh, raus zu können. Es wäre schon langsam Zeit, ein Appartment zu finden. Morgen habe ich einen Musikworkshop, wo ich etwas über Komponieren (Musik und Texte) erzählen soll. Habe mich noch nicht vorbereitet, da ich bis jetzt noch zu platt dazu war. Aber ich hoffe, dass ich morgen einigermassen fit bin, denn ich möchte unbedingt dort sein. Ist sicher sehr spannend! Habe schon heute den ganzen Tag verpasst! 
So, dies mein erstes Krankheitserlebnis in Sierra Leone. Alles halb so schlimm.... (ausser man kein Wasser, um das WC zu spülen... hihi)
Seid von Herzen gegrüsst, Annick

Donnerstag, 14. Mai 2009

Dankeschön

Wir möchten uns bei Euch für die zahlreichen positiven Feedback für unseren Blog bedanken. Es ist schön für uns zu wissen, dass Ihr uns auf unserer Reise begleitet und gleichzeitig motiviert es uns, auch weiterhin unsere Erlebnisse in den Blog zu schreiben.
So jetzt gehen wir ausessen in unserem Lieblingsrestaurant namens Mamboo Point!

Montag, 11. Mai 2009

ein Tag in Freetown

Um 0720 weckt mich mein Mobile. Ich löse das Moskitonetz, welches über unser Bett gespannt ist und ziehe mich an. Heute gibt es Mangos sowie Brot mit Konfi zum Frühstück. Gegenüber von unserem Hotel gibt es einige kleine Läden, die Brot verkaufen. Ich ziehe meine "Latschen" an und trotte über die Strasse. Ein Mann in meinem Alter ruft mir zu, dass er Henry heisst. Ok. Annick und ich geniessen die Mangos und betrachten das Training der Fussballer auf dem Spielfeld vor unserem Balkon. Danch bittet mich Annick, eine mittelgrosse Spinne in unserem Zimmer zu entfernen. Das mache ich auch, nach kurzer Überwindung und werfe die Spinne über unseren Balkon. Leider ist die Spinne nicht dumm; sie fängt sich auf dem Dach unterhalb auf und schon ist sie wieder auf unserem Balkon!
Um 0830 habe ich mich mit einer Mitarbeiterin verabredet, weil wir um 0900 in der Innenstadt an einem Meeting teilnehmen wollen. Um 0830 erhalte ich eine SMS, dass sie erst um 0845 kommt. Ich denke mir schon, dass dies knapp wird, denn ich möchte pünklich sein, schliesslich werden der Justizminister, der Generalanwalt und andere wichtige Leute erwartet. Als es dann 0857 ist, verlässt mich meine Geduld und ich fahre alleine ab. Es ist manchmal echt schwierig damit umzugehen, wenn die Leute nicht zur Zeit da sind und dies auch nicht kommunizieren. Ich bin halt immer noch ein echter Schwitzer. Recht so!
Glücklicherweise hat es noch nicht so viel Stau, also brauche ich nur 15 Autominuten bis ich ankomme. Die Anwaltskammer von Sierra Leone hat dieses Meeting organisiert und es geht um die offizielle Ankündigung eines neues Programmes: Wie in der Verfassung vorgesehen, will die Anwaltskammer - finanziell unterstützt von der UNO - jedem Bürger einen unentgeltlichen Rechtsvertreter zur Verfügung stellen, wenn jemand strafrechtlich verfolgt wird (dies vorallem deshalb, weil Leute teilweise über ein Jahr im Gefängnis sitzen, ohne dass irgend etwas passiert). Obschon ich erst um 0915 ankomme, habe ich genügend Zeit, mich zurecht zu finden, da das Meeting eine Stunde verspätet beginnt. Meine Kollegin kommt noch rechtzeitig an.....
Ich komme gegen 1200 vom Meeting zurück und esse mit Annick im Restaurant, welches zu unserem Hostel gehört. Wir wählen den african dish of the day, was heute Fish stew mit Reis bedeutet. In diesem Stew hat es Fish, gekochte Zwiebelstücke, viel Pfeffer und noch mehr Öl. Danach gehen Annick und ich auf unser kuscheliges Zimmer und spielen Sequence (ein Gesellschaftsspiel). Wer verliert, muss das Geschirr vom Frühstück abwaschen.
Um 1320 gehen wir in unser Office, das sich im gleichen Gebäude befindet. Heute haben wir ein Meeting mit allen Teammitgliedern arrangiert, ausgenommen mein Chef, der in Bo ist. Ziel dieses Meetings ist (Ena, ja auch hier gibt es ein Ziel....) um darüber zu diskutieren, wie wir uns als Team besser organisieren können und ob es ein Bedürfnis nach capacitiy building gibt. Annick leitet unser Brainstorming und wir sind beide über das offene Kommunzieren aller Mitarbeitet erfreut. Und es scheínt so, dass es den anderen auch gut tut, über all die Dinge offen zu sprechen. Danach geht es wieder zurück in unser Zimmer und wir ziehen uns zum Basketball spielen um. Wir treffen uns um ca.!!! 1700 mit anderen Spielern und leiten heute zum ersten Mal ein Training (bisher wurde einfach nur gespielt, der Generalsekretär des Verbandes hat uns nun gebeten, 3 Trainings in dieser Woche zu leiten). Das Training ist ok; die Spieler sind sich nicht gewohnt, die Basics zu trainieren.
Oh ja, was ich vergessen habe: auf dem Weg zum Basketballfeld begegnet uns ein Junge, der mir mitteilt, dass er Annick liebt. Darauf mache ich nur eine Handbewegung im Sinne, dass sie meine Frau ist, worauf er seinem Kollegen aufgeregt erklärt, dass wir verheiratet sind.
Zuhause angekommen, duschen wir uns, indem wir - wie immer - ein Tasse mit Wasser füllen und diese über uns giessen. Jetzt werden wir noch was kleines essen und vielleicht noch einen Film schauen oder lesen. Danach heisst es wieder, Moskitonetz installieren, Räucherstäbchen anzünden (Präventivmassnahme gegen Moskitos) und den Tag Revue passieren lassen. Bis zum nächsten Mal!

Samstag, 9. Mai 2009

und wieder Wohnungssuche

Leider, leider hat es nicht geklappt mit der tollen Wohnung, von welcher wir schon berichtet haben. Unsere Freunde in Sierra Leone hat das gar nicht gewundert, weil solche Absagen zur Tagesordnung gehören. Deshalb hiess es heute wieder von Haus zu Haus fahren, aussteigen, small talk führen, das Haus/Wohnung anschauen und dann wird gehandelt. Das Problem ist, dass es nicht all zu viele Wohnungen, die auch genügend gesichert sind,  in unserem Preissegment gibt. Nachdem wir es in der Vergangenheit mit Agenten versucht hatten, sind wir dieses Mal mit einer Sierra Leonerin herumgefahren, die wir persönlich kennen. Wir sind einfach durch die Gegend gekurvt, um haben geschaut, ob etwas unbewohnt ausschaut oder haben die Leute auf der Strasse gefragt. Hier in Sierra Leone werden gibt es keine Annoncen im Internet oder in den Zeitungen, deshalb muss man es über die Agenten (die erhalten dann 10% der Jahresmiete) oder auf eigene Hand versuchen. Nach 4 Stunden Wohnungssuche sind wir müde in unser kleines Hotelzimmer gekommen. Immerhin haben wir jetzt um 1800 bereits Strom und damit Airconditioning, was das Relaxen ein wenig komfortabler macht. Normalerweise gibt es in unserem Hotel Strom erst um 1900 bis ca. 2400. 

Letzte Woche war es 2-3 Tage hintereinander bewölkt: ein Novum! Ich habe diese Abkühlung sehr genossen. Es ist einfach angenehm, wenn man sich tagsüber draussen bewegt und nicht sofort zu schwitzen beginnt. Es ist merklich, dass die Regenzeit langsam kommt, denn es regnet immer wieder mal für kurze Zeit, dann aber sehr heftig. Als wir vor 2 Wochen in Bo waren, haben wir es richtig gehend genossen, als es zu regnen anfing. Dies deshalb, weil es dort noch heisser als in Freetown ist und zum anderen, weil an diesem Tag das Wasser ausging und wir nicht duschen konnten. Wir gingen deshalb freudig nach draussen, als wir die ersten Regentropfen sahen und nahmen eine Naturdusche. Die Leute in der Nachbarschaft haben natürlich gedacht, dass wir nicht ganz hundert sind. Womit sie wohl nicht mal so falsch liegen...

Anja, ich habe mich riesig über Deinen Anruf gefreut, Danke!

Dienstag, 5. Mai 2009

Kontaktdetails

Wer schon mal mit uns geskypt hat, weiss, dass die Verbindung nicht immer so gut wie in Europa ist. Es besteht aber noch eine andere Möglichkeit neben e-mails und skype mit uns zu kommunizieren, nämlich übers Telefon:
Annick hat folgende Nummern: 0023278481919 oder 0023230650639 und ich habe 0023278331576,
wer es gerne auf skype versucht, kann es mit annicklanglotz und phlanglotz versuchen.
Wir freuen uns auf jede Kontaktaufnahme von Euch, ganz herzliche Grüsse aus dem nahen Westafrika, Philipp

erstes Heimweh!

Heute hat mich ein wenig das Heimweh gepackt! Der Austausch mit Euch Freunden und Familie, die Ruhe und Stille in der Natur, das gemütliche Kafi-Trinken, die Selbstverständlichkeit der Bewegungsfreiheit, das Gefühl der Selbständigkeit, die Aktivität im Job.... ja, ja, hier sehe ich mich mit einigem konfrontiert, was mich in der Schweiz nicht dermassen beschäftigt hat. 
Ich kann an mir beobachten, wie stark der Drang oder das Bedürfnis nach Geltung ist, oder das ich "als eigene Person" wahrgenommen werde und nicht als "Ehefrau von Philipp". Es hemmt mich, keine klar definierte "Arbeitsrolle" zu haben. Wer bin ich denn? Annick. Sängerin. Aber das sagt im Bereich "Entwicklungshilfe" nicht viel. Also was noch? Hmmh, ich habe Erfahrung in Management, Leadership und Team-Work. Ahhhh, das klingt gut, sehr wichtig, bla bla bla...  Aber damit ist das Problem mit der "Arbeitsrolle" noch nicht gelöst, denn ich bin ohne Job. Aber ich soll auch bei ADDO mitarbeiten, dort, wo Philipp angestellt ist. Will ich das? Unter welchen Umständen, Konditionen?

Hat euch in der Schweiz auch schon jemand gesagt: "Ach, du wirst ganz sicher etwas finden was dich beschäftigt, Volontäre werden immer gesucht!!" Wie fühlt man sich da? Sch.... ein wenig auf alle Fälle. Irgendwie fühlt man sich da nicht viel wert, soll ich drei Jahre Freiwilligenarbeit machen?

Ok , genug lamentiert, ich muss ja selber ein wenig über mich grinsen. Ich habe schon einen kleinen Job und ich werde sogar dafür bezahlt (lokaler Lohn, ganz wenig, aber so wie für alle Einheimischen, dass ist auch gut!). Als Gesangs-und Pianolehrerin an der Musikschule. Aber noch suche ich etwas, wo ich mich mit Herz und Seele reinhängen kann. Wird schon kommen.... Gelassenheit und Geduld! Dafür werde ich wohl nächstes Mal in der Kirche beten!

Donnerstag, 30. April 2009

Ich bin verheiratet!

Die männliche Spezies in Sierra Leone ist sehr charmant (nicht nur gegenüber Ausländerinnen). Wenn man sich hier begrüsst, hält man sich lange die Hand, läuft sogar teilweise Händchen haltend irgendwo hin (sowohl Männer mit Männern wie auch Frauen mit Frauen oder aber gemischt). Wenn man sich gut oder besser kennt, wird der Körperkontakt enger, d.h. am Arm halten oder den Arm um die Schulter legen. Das mit dem "lange Hände halten" ist schon ungewohnt, da wir in der Schweiz meist einen kurzen eher stärkeren Händedruck ausüben (ja nicht zu lange, grins!). 
Für mich als Frau ist es angenehmer hier in Sierra Leone zu sein als in Marokko. Ich fühle mich sicher und auch die Männer sind nicht allzu offensiv. Wenn klar ist, dass Philipp mein Mann (und nicht mein Bruder:-)!!!) ist, sind die Fronten geklärt (ich hoffe es auf alle Fälle). 
In Bo lief ich alleine durch die Strasse, als mir einer beim Entgegenkommen sagte: "I love you". Da antwortete ich: "I'm married" und darauf war seine sympathische Antwort: "Oh sorry.". Grins!!! 
Übrigens liebe Freundinnen, ein Junge namens Momo in unserem Hostel sucht eine weisse Frau und freut sich auf Besuch.... ich habe ihn schon vorgewarnt, dass da höchstwahrscheinlich nichts daraus wird...
Take care und seid herzlich gegrüsst!!!

Mittwoch, 29. April 2009




Letzte Woche in Bo schliefen wir in der Biva-Logde und die ist gleich neben einem Waisenhaus, um welches sich Father Peter Konteh, Philipps Chef, kümmert. Die Kinder waren immer wieder bei uns, und diese Fotos entstanden, nachdem wir mit ihnen drei Runden gerannt waren. War ganz lustig und es ist schön zu wissen, dass wir sie in den nächsten drei Jahren immer wieder sehen werden, da dies unsere Übernachtungsmöglichkeit in Bo ist und wir für die Arbeit regelmässig nach Bo gehen werden.

Freitag, 24. April 2009

Schwitzen, Waschen and the daily life

Wir sind seit einer Woche in Bo und was uns ständig begleitet ist.... SCHWITZEN!! Gerade jetzt sitze ich vor dem Computer und bewege nur meine Finger aber der Schweiss (und das ist kein Witz und nicht übertrieben) läuft nur so an mir runter. And now we are running out of clothes! Denn habt ihr schon mal DRECKIGE Kleidung per Hand gewaschen? Mit dem Ziel, dass sie einigermassen wieder sauber wird? No chance.... die Arme werden lahm vom Auswringen und die Hände wund vom Schrubben und die Kleidung bleibt dreckig! Ich verweichlichte Europäerin, grins! 
Auf alle Fälle haben wir seit einer Woche nicht mehr gewaschen und wenn wir morgen nach Freetown zurückfahren, wird der Sonntag wohl unter anderem fürs Waschen (die dreckigen Kleider, die dreckig bleiben aber wenigstens nicht mehr stinken und nach dem bügeln dreckig aber frisch sind, hihi) hinhalten müssen. 
Heute waren wir in Kenema (ca. 1h von Bo mit dem Auto) und haben dort den Father Kombe, der dort für die Justice and Peace Commission arbeitet, getroffen. D.h. wir haben ihn gesucht, da wir ihn vor unserer Abfahrt nicht per Natel erreichen konnten wohl aber erwartet werden sollten. Nach einem Abstecher beim Pastoral Center und einigen Zufällen konnten wir uns schliesslich doch treffen.
Und jetzt gerade noch die brandaktuellsten News aus Bo: Als um 19.30 der Generator angestellt wurde und Licht und Ventilator zu Leben erwachten, freuten sich Philipp und Annick auf einen gemütlichen Abend im Wohnzimmer. Zehn Minuten später wurden sie jedoch von einer wilden Schar fliegender Ameisen (oder sonstige Viecher die fliegen können), die durch das Licht angezogen wurden, in die Flucht geschlagen. Seither sitzen beide im halbdunklen Flur vor ihrem Computer, Annick mit den aktuellsten News aus Bo für den Blog und Philipp voll konzentriert vor einem englischen Mail. 
Ich hoffe, dass Philipp dieses Mail bald fertig hat, dann können wir nämlich hier raus, irgendwo (d.h. es gibt nur eine Wahl, das wir noch nicht viel kennen) etwas trinken gehen, das Licht löschen und hoffen, das die Viecher verschwinden. So, ich glaube es ist soweit!!! Tschüss ihr Lieben! We go see back.

Montag, 13. April 2009

Wir die Retter

Gestern Abend wollten Annick und ich noch einen kleinen Spaziergang in der Umgebung von unserem Hostel machen. Nach einigen Schritten sind wir einem Sierra Leoner begegnet, der ebenfalls im gleichen Hostel weilt und mir bisher sehr sympathisch war. Er hat uns gefragt, ob er uns auf unserem Spaziergang begleiten darf. Ich habe ihn gefragt, was er beruflich macht, weil er zu einem früheren Zeitpunkt einmal etwas von Zusammenarbeit erzählt hatte. Irgendwie war das die falsche Frage von mir! Denn er begann zu erzählen und zu erzählen, dass er so etwas wie (!!!) eine NGO im Landesinnern leite und wie ich im Bereich Justice und Peace arbeite. Instinktiv habe ich gespürt, dass das Gespräch in die falsche Richtung lief (er wurde auch immer monotoner) und da habe ich ihn nach seiner Familie gefragt, in der Hoffnung, dass das Gespräch ein wenig lebendiger wird. Wieder zurück bei unserem Hostel sagte er dann etwas von „Ich und Du und Zusammenarbeit und Unterstützung und Jesus und Kirche“. Auch wenn mir dann endlich klar wurde, dass er etwas von mir wollte, habe ich kein Wort verstanden, was er gesagt hatte. Dies habe ich ihm dann mit einem Lachen mitgeteilt. Er musste auch schmunzeln und versuchte sein Unternehmen noch einmal, das dann etwa so lautete: Du hast sicher Interesse, mich persönlich kennen zu lernen und damit auch das, was ich mache. Und ich mache etwas Gutes, also bist Du doch sicher interessiert, mich zu unterstützen, weil es den Armen zu Gute kommt und Du Mittelsmänner wie mich brauchst, um den ganz Armen helfen zu können.
Um ehrlich zu sein, ich habe mich dabei recht unwohl gefühlt, wollte ihn aber nicht vor den Kopf stossen und einfach sagen „Du kriegst kein Geld von uns“. Ich habe ihm dann geantwortet, dass wir zuerst einmal das Land und die Menschen kennen lernen wollen, insbesondere mein Arbeitsumfeld, bevor ich ihm ein Feedback auf seine (absolut unkonkrete) Bitte geben könne. So unangenehm die Erfahrung war, so war sie auch notwendig, mir bezüglich solcher Anfragen klarer zu werden, nämlich, dass ich grundsätzlich „Probleme“ nicht mit unserem Geld lösen will und kann und dies in Zukunft auch klar kommunizieren möchte. Doch gerade dies ist nicht so einfach, weil die Bitten so (schlau) vorgetragen werden, dass man sich schnell schlecht fühlen kann, wenn man Nein sagt. Damit ist nun aber endgültig Schluss!!!! Mal abwarten…….

Samstag, 11. April 2009

Taxi fahren und die Balanta Musicschool

Taxis... gibts hier jede Menge, sie sind durch einen gelben Streifen auf der Seite markiert! Natürlich mit Air-condition, grosses Auto, Kilomenterzähler... I´m joking!! (übringens, gerade haben ein paar Jungs hier vorne ihre Lautsprecher auf der Strasse aufgestellt und erfreuen uns mit lauter Musik!) Zurück zu den Taxis: Es sind Klapperkisten, meistens gucken irgendwo ein paar Kabel raus, der Rückspiegel ist meistens weg oder kaputt und die Pneus und Federung sind irgendwie schräg, ich meine dies im Sinne von: schief.
Wenn man irgendwo hin will, stellt man sich an die Strasse und wenn ein Taxi vorbei kommt, dass nicht voll ist (d.h. drei Personen hinten und eine vorne...normalerweise), dann schreit man seinen Destinationswunsch ins Innere des Vehikels! Wenn man Glück hat und der Fahrer fährt in die Richtung, kann man einsteigen, ansonsten wartet man einfach auf das nächste.
So habe ich schon meine ersten Erfahrungen ganz alleine in Freetown gemacht und bin mit den Taxis schon die Strecke von unserem Hostel zur Balanta Musicschool gefahren, und ich muss sagen, dass ich mich als weisse Frau einigermassen wohl fühle. Es ist zwar schon so, dass wenn ich mit Philipp unterwegs bin (der immer wieder für meinen Bruder gehalten wird, hihi) ich mich noch ein bisschen wohler fühle, und vielleicht ein bisschen weniger angequatscht werde. Wobei sich das Anquatschen in Grenzen hält, es ist nicht so schlimm, wirklich. Nichts im Vergleich z.B. zu Marokko....!

Ich war übrigens in der Balanta Musicschool zu Besuch, wollte mich einfach mal informieren, was es dort so gibt. Unterdessen habe ich schon Klavier- und Gesangsunterricht gegeben und mich mit einer Band unterhalten, die gerne mehr zu Jazz lernen will. Nächste Woche werde ich mich mit der Verantwortlichen, Kitty, über die nächste Zunkunft und eine "Anstellung" bei der Musicschool unterhalten. Wobei man sich das nicht wie in der Schweiz vorstellen muss, mit Vertrag, geregelten Zeiten etc... vieles sind mündliche Vereinbarungen (solange es nicht um viel Geld geht, grins) . Wir werden sehen!! Small, small, langsam, langsam! Könnt ihr euch vorstellen, dass ich schon drei Kilo an Geduld zugenommen habe?? He he, ich?? Ja ja....

Seid allerliebst gegrüsst und es ist schön, dass ihr uns auf der Reise begleitet. Ihr seid jederzeit dazu eingeladen, eure Kommentare zu schreiben (für Bloganfänger: Einfach auf Kommentar drücken und dann schreiben....)
Annick

Donnerstag, 9. April 2009

kleiner Rückblick

Wenn ich dauf die letzten 4 Wochen zurückblicke, staune ich, was wir schon alles erlebt haben und dass bereits eine gewisse Art Alltag einkehrt ist. Insbesondere die Begegnungen mit Menschen waren sehr spannend. Es wird gesagt, dass Sierra Leone ausländische Besucher besonders freundlich aufnehme, so erleben wir das auch. So meinte der Bruder meines Chefs, dass im Falle eines Streites in der Öffentlichkeit zwischen einem Sierra Leoner und einem Ausländer die umstehenden Personen in der Regel Partei für den Ausländer ergreifen würden, um diesen zu beschützen.

Als besonders herzlich haben wir bisher die Begegnungen mit verschiedensten "Schwestern"(katholisch) empfunden. Zum Einen, weil diese sofort auf uns zukamen und sich für uns interessierten, zum Anderen, weil sie einen tollen Humor haben. Sie entsprechen in keiner Weise dem Bild einer alten, ernsten oder verkorksten Nonnen, welches wir manchmal in Europa haben. Was sie daneben noch auszeichnet, ist ihre Hartnäckigkeit in ihrer Arbeit wie z.B. bei der Leitung von Schulen oder Traumaarbeit.

Daneben fühlen wir uns auch von meinem Team sehr aufgenommen. Wir werden in allen Bereichen unterstützt, also nicht nur was die Arbeit betrifft, sondern in Dingen wie Wohnungssuche, wo Kleider kaufen, die Stadt zeigen, etc.
Anhand von den Bildern auf unserer Webseite könnt ihr erkennen, das Basketball eine nicht unwichtige Rolle bei uns spielt. Es hat sich inzwischen schon rumgesprochen, dass eine "weit uman" mit den Männern Basketball spielt. Für mich ist das Basketball spielen deshalb so wertvoll, weil wir so mit anderen Menschen in unserem Alter ganz unmittelbar in Kontakt sein können, ohne viel sprechen zu müssen. Und zudem tut es unendlich gut, sich körperlich zu betätigen, um sich ein wenig von den vielen Eindrücken zu erholen.

Bisher haben wir auch viel Zeit in unserem Hostelzimmer verbracht, da dies unser einziger Rückzugsort ist. Meistens liegen wir auf dem Bett, spielen Sequence, lesen (Annick) oder hören Musik. Natürlich gibt es auch Hausarbeit wie waschen (natürlich Handwäsche), bügeln (ist hier notwendig, weil eine gewisse Tumbu-Fliege gerne ihre Eier in nasse Kleider legt.....) oder organiseren, dass jemand unser Zimmer putzt. Letzteres ist nicht immer eine formelle Sache, da oft ein anderes Zeitverständnis besteht. Wenn ich das erste Mal den Angestellten bat, unser Zimmer in einer halben Stunde zu putzen, hat er auch schon geantwortet "no problem" und ist dann in den nächten 2 Stunden nicht erschienen. Als ich ihn dann aufgesucht habe und ihn gebeten habe, er möge bitte unser Zimmer putzen, hat er mich ungläubig angesehen und gefragt "jetzt gleich". Da habe ich gesagt "Ja" und er wie immer "no problem", ist dann aber tatsächlich gekommen.

Vieles läuft hier in einem langsamerem Tempo als gewohnt ab: der Verkehr rollt bei ca. 20km/h, die Leute laufen ob der Hitze langsamer; der Arbeitsrhythmus ist ebenfalls langsamer, da z.B. zuerst der Generator angeschaltet werden muss, nur ein Computer da ist für das ganze Team und und und.

Ein echtes Higlight ist jeweils der Ausflug zum Meer. Das Wasser ist herrlich warm und wir geniesssen es im Wasser zu plantschen und auf dem weichen Sand zu sitzen und das Meer zu beobachten. Eine echte Erholung. Leider nicht immer, wie z.B. letzten Sonntag, als eine Frau mit einer Schale vor uns stehen blieb und uns um Geld bat. Als wir ihr sagten, dass wir kein Geld geben, blieb sie einfach vor uns stehen und streckte die Schale praktisch Annick ins Gesicht. Auch nachdem wir mit Vehemenz wiederholten, dass wir nichts geben, rührte sie sich nicht. Wir haben beide gemerkt, dass wir wütend wurden, da wir einfach nur Ruhe wollten. Nach einigen Minuten ist sie schliesslich mit einem Murren von dannen gezogen.

Diese Situation gibt Euch vielleicht einen Eindruck, dass nicht alles so "easy" abläuft. Häufig merke ich, dass meine Nerven beansprucht sind und ich nur selten ganz abschalten kann. Dies ist für Schweizer wie uns sehr ungewohnt, wir sind ja gewohnt, dass wir sogar an öffentlichen Orten wie z.B. im Zug unsere Ruhe haben. Umso wichtiger ist, dass wir nun einen Vorvertrag für die bereits beschriebene Wohnung in der Tasche haben. Und in rund 2 Wochen können wir dort einziehen und unser Reich einrichten.

Meine liebe Frau liegt neben mir auf dem Bett. Sie liest mal wieder und ist ganz friedlich. Sie scheint mir ohnehin viel ausgeglichener als ich zu sein. In wenigen Minuten geht sie in die Stadt und gibt ihren bereits 2. Singunterricht in der Balanta Music School. Sie wird Euch bald mehr darüber berichten........(in der nächsten Folge.....wie bei einer Fersehserie endet es immer, wenn es gerade spannend wird....)

Liebe Grüsse, wo auch immer ihr seid

Samstag, 4. April 2009

Unsere Wohnsituation

Wir wohnen immer noch in einem einfachen Hostel, welches sich im gleichen Gebäude wie mein Office befindet. Grundsätzlich ist das Zimmer in Ordnung, wobei wir uns schon freuen, wenn wir ein eigenes Heim haben. Wir haben deshalb in den ersten 2 Wochen viele Wohnungen angesehen, wobei die Agenten (man muss über Agenten gehen, da es keine Internet- oder Zeitungsannoncen gibt) uns entweder besonders grosse Häuser, die entsprechend teuer waren oder Wohnungen gezeigt haben, in denen wir nicht freiwillig wohnen würden. Glücklicherweise gab es eine Ausnahme. Dies ist eine noch fertigzustellende Wohnung mit 3 Schlafzimmern, einem grossen Wohnzimmer mit anschliessendem Esszimmer, Küche und 2 Badezimmern. Wenn wir Glück haben, können wir Ende April einziehen. Zuerst müssen wir uns aber noch mit dem Eigentümer über den Preis und die Bedingungen des Mietvertrages einigen. Wie wir von anderen Europäern gehört haben, ist das Verhandeln mit den Eigentümern (diese sind meistens Libanesen) nicht ganz einfach. Vielen wurden Versprechungen gemacht, die nachher nicht eingelöst wurden. Als Anwalt bin ich natürlich auf der Hut. So wird von uns als Mietern verlangt, dass wir Vertrauen haben sollen, dass die Wohnung bis Ende April fertig gestellt wird, wir hingegen sollen schon mal eine Anzahlung machen, damit die Arbeiter bezahlt werden können. Gut, dass mein Chef Erfahrung im Abschluss von Mietverträgen hat und mit uns zum Verhandlungsgespräch am nächsten Dienstag kommt. Wenngleich mir das Mietrecht als Rechtsgebiet am nächsten steht, so gibt es hier doch ganz andere Dinge zu beachten als in der Schweiz. Hier ist z.B. die Frage nach genügend Wasser oder Strom sehr zentral.
Wir hoffen sehr, dass es mit der Wohnung klappt, dann hätten wir nämlich auch genügend Platz für Besucher aus Europa! Wir können dann endlich auch mal etwas kochen oder backen und haben ein wenig mehr Privatsphäre, was wichtig ist in diesem intensiven Umfeld. Wir wollen uns schliesslich nicht ewig gegenseitig in unserem kleinen Zimmer auf den Wecker gehen...Aber noch gehts ganz ordentlich!!!

Ein Junge namens Mohammed

Als wir letzte Woche einmal Basketball spielen gegangen sind, haben wir auf einmal am Seitenrand des Spielfeldes einen ca. 10-jährigen Jungen gesehen, der sich am Boden vor Schmerzen gekrümmt hat. Neben ihm sassen andere Spieler (in unserem Alter), die den Jungen aber nicht beachteten. Als ich den Jungen sah, wusste ich im ersten Moment nicht, ob ich etwas tun sollte. Denn als Weissnase empfinde ich es manchmal als sehr delikat, wenn ich in etwas eingreife, was mich vielleicht nichts angeht oder von dem ich nichts verstehe. Ich habe mich dann entschieden, ihn einfach zu fragen, was passiert und ob er ok sei. Habe mich ziemlich hilflos gefühlt, als er nicht geantwortet hat. Ich habe dann einen Spieler daneben gefragt, was passiert sei und er hat mir gesagt, dass ein älterer Spieler dem kleinen Jungen in den Bauch geschlagen habe, weil er von diesem geärgert worden sei. 
Ich habe mich später mit Annick über diese Situation ausgetauscht und wir haben beide für uns festgestellt, dass es nicht einfach ist, wie sich in diesen Situationen zu verhalten. 
Gestern waren wir wieder einmal auf dem Basketballplatz und ich habe für mich ein wenig gedribbelt. Neben mir standen mehrere kleine Jungen und auf einmal kam einer von diesen auf mich zu und sagte: Philipp, willst Du wissen, wie ich heisse? Ich habe geantwortet: klar. Mit strahlenden Augen sagte er darauf, dass er Mohammed heisse und dass er der Junge sei, der letzte Woche auf dem Boden gelegen habe. Die Art und Weise, wie er mir dies sagte, hat mich berührt.

Ruhe??? Lärm!!!

Wenn wir uns in der Innenstadt bewegen, hören wir von allen Seiten immer wieder Musik. Hinzu kommt, dass die Leute meistens mit lauter Stimme sprechen, also nicht so verhalten wie wir Schweizer. Das ist an und für sich kein Problem für uns (Wir haben es denn auch gleich eingesehen.....). Beim Basketball spielen ist es denn auch meistens so, dass alle sich anschreien, wenn es eine Unklarheit in Bezug auf ein Foulspiel gibt. Die können sich so richtig erheitern und zwar ohne dass es zu Handgreiflichkeiten kommt. Manchmal ein echtes Schauspiel. Sitzen wir in einem Restaurant, dann wird ebenfalls häufig laute Musik gehört. Die Leute hören meistens eine Art Reggae, gemischt mit Pop und Hip Hop; auf jeden Fall nicht sehr entspannende Musik für mich. Wenn ihr nun meint, dass es so etwas wie Nachtruhe gibt, dann liegt ihr ganz daneben. Wir wohnen zur Zeit immer noch in einem einfachen Hostel und die Räume sind so konzipiert, dass jeweils die Badezimmer aneinander angrenzen, wobei sie nur durch eine einfach Mauer und oben durch ein Moskitonetz getrennt sind. Wir hören also ständig das Radio unserer Nachbarn. Wir sind schon froh, wenn sie einfach Musik hören und nicht irgendeinen religiösen Sender, weil deren Prediger mit ganz schön auf den "Keks" gehen. Der wirkliche Lärm kommt aber von ausserhalb. Neben unserem Hostel hat es ein zwei Bars, die jeweils am Freitag und Samstag Discomusik in voller Lautstärke hören und dies bis in die frühen Morgenstunden. Dann gibt es manchmal eine Ruhephase bis Sonnenaufgang, denn dann hört man den Muezzin, wobei dessen Stimme im Vergleich zur manchmal penetranten Musik schon angenehm klingt. 
Was gut ist, dass wir uns grundsätzlich nicht über den Lärm aufregen. Wir haben es akzeptiert, dass das zu Freetown gehört. Wir suchen uns aber immer wieder Plätze, wo es ein weniger ruhiger ist, wie z.B. am Strand oder in einzelnen Restaurants. Natürlich gibt es auch Zeiten, in welchen es ruhiger ist in unserem Hostel wie gerade jetzt. Und das geniessen wir dann doppelt!

Dienstag, 31. März 2009

...

Behördengang in Sierra Leone: In den ersten Tagen nach unserer Ankunft baten wir meinen Chef, Father Peter Konteh, uns bei der Erlangung der Aufenthaltsbewilligung zu helfen. Er machte dann kurz einen Telefonanruf und bald sassen wir im Auto Richtung Innenstadt. Vor dem Immigrationsoffice stiegen wir aus und gingen an den Leuten vorbei, die auf der Strasse darauf warteten, an die Reihe zu kommen. Mein Chef sagte dann kurz etwas zu einem Mitarbeiter und schon waren wir im Gebäude. Bald darauf traten wir in ein Büro ein, wo ein guter Freund meines Chefs sass und uns begrüsste. Wir übergaben ihm den Pass, zahlten die Gebühren und waren 5 Minuten später wieder draussen. Wir haben uns dabei schon ein wenig mulmig gefühlt, dass wir eine solche Vorzugsbehandlung erhalten. Mulmig deshalb, weil wir nicht besser behandelt werden wollen, nur weil wir weiss sind. (Die Hierarchie spielt in Sierra Leone eine sehr grosse Rolle und wir hatten den Eindruck, dass Weisse automatisch recht weit oben stehen. Wie schon gesagt, ist dies nicht unbedingt immer angenehm). In Sierra Leone funktioniert sehr viel über persönliche Beziehungen. Wären wir alleine und ohne fremde Hilfe ins Immigrationsoffice gegangen, dann würden wir vielleicht noch heute auf unsere Aufenthaltsbewilligung warten (ist nur eine Vermutung).


Montag, 30. März 2009

Kurzgeschichten aus Sierra Leone

Hallo ihr alle, nun melde ich mich auch. Die letzten zweieinhalb Wochen sind wie im Flug vergangen und gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass ich schon viel länger hier bin, in Freetown. Es ist echt schwierig, über das zu berichten, was ich bzw. wir hier jeden Tag erleben. Deshalb werde ich Euch heute, ein zwei Kurzgeschichten erzählen:

Ankunft in Freetown, Lungi Ariport. Bevor wir landen, sage ich Annick, dass wir unser Gepäck selber tragen wollen, um nicht Geld an die "Träger" zahlen zu müssen. Annick meint, wir sollen mal abwarten und dann situativ entscheiden, weil wir doch sehr viel Gepäck haben (1 Koffer, 2 grosse Rucksäcke, Handgespäck und ein digital Piano). Am Flughafen angekommen, stellen wir uns an die Menschenschlange vor der Passkontrolle an. Da kommt eine Mitarbeiterin des Flughafens auf uns zu und fragt uns, ob wir Annick und Philipp seien. Unglaublich, wir sind schon bekannt! Mein zukünftiger Chef hatte die Mitarbeiterin angerufen, mit der Bitte, uns durch die Passkontrolle und den Zoll zu schleusen. So konnten wir, ohne anzustehen, direkt zu den Zollbeamten gehen. Diese wollten dann die Quittung für das Piano sehen, um einen Zoll darauf zu erheben. Annick hat dann klar gestellt, dass es ein gebrauchtes, privates Piano ist und sie auch beweisen könne, dass sie spiele. Das und die Unterstützung unserer Begleitung (der Mitarbeiterin) bewahrte uns davor, Zoll für das Piano zu bezahlen. Nun ging es weiter Richtung Helikopter, welcher uns in die Stadt bringen sollte. Schwups, bevor ich mich versehen hatte, sah ich einen "Träger" meinen Koffer und einen Rucksack tragen. Im ersten Augenblick schien mir, dass es sich hierbei um einen offiziellen Mitarbeiter des Flughafens handelte, der uns freundlicherweise helfen wollte. Ich sollte meinen Irrtum schnell bemerken! Nachdem er das Gepäck ca. 100 Meter getragen hatte, zum Helikopterplatz, wollte er dann für seine Dienste bezahlt werden. Glücklicherweise hatte ich einen 5000 Leones-Schein (ca. 2 Franken), dem ich ihm dann gab. Er hat dann gemeint, dass dies nicht genug sei. Annick und ich hatten natürlich keine Ahnung, wie viel normalerweise bezahlt wird, was ein recht unangenehmes Gefühl war. Aber genau darauf wird wohl spekuliert, denn wie wir inzwischen wissen, beträgt ein durchschnittlicher Tageslohn ca. 10000 Leones. Es ging dann wie folgt weiter: Verschiedene Leute kamen auf uns zu und sagten uns, dass sie Tickets für den Helikopter verkaufen. Wir haben dann ein solches Ticket gekauft, wobei wir nie sicher waren, ob wir das Rückgeld auch bekommen. Es war recht hektisch, denn einige haben auf Annick eingeredet und die anderen wollten mich irgendwo hinziehen. Ein wenig später wollten die Leute beim Helikopter dann, dass wir einen Aufpreis zahlen, da das Piano so gross sei. Dagegen haben wir uns dann standhaft gewehrt, was schliesslich mit Hilfe des dortigen Chefs auch gelang. In dieser ersten halben Stunde haben wir schon einen Vorgeschmack erhalten, was in den nächsten 3 Jahren auf uns zukommen wird. Herrlich!