Vorgestern, am Ende eines erfolgreichen Mediationstrainings mit Offzieren der Sierra Leonischen Armee, erhielt ich die Quittung dafür, dass ich mich aus dem Fenster gelehnt habe. Zur Geschichte:
Normalerweise wird den Teilnehmern von Workshops/Trainings nach dem Training eine Transportentschädigung ausgerichtet, unabhängig davon, ob das Geld effektiv gebraucht wurde. In der Regel stellt diese Entschädigung einen Zusatzverdienst dar, da sie die tatsächlichen Ausgaben übersteigt. Vor dem Training informierten wir das Verteidigungsministerium darüber, dass wir nicht die Ressourcen haben, eine solche Entschädigung auszurichten. Das Ministerium erwiderte, dass sie das intern lösen würden und wir uns darum nicht zu kümmern brauchten. Dennoch kam das Thema bei der Vorbereitung für das Training wieder auf und mein ganzes Team sprach sich dafür aus, den Teilnehmern einen "recht hohen" Betrag pro Tag zu geben. Schiesslich seien dies Offziere und es sei wichtig, dass sie Interesse an unserem Programm hätten (wenn ich das höre, wird mir manchmal ganz schlecht.....). Wir kamen zu keiner Entscheidung über die Entschädigung und vertrauten darauf, dass das Ministerium diesen Punkt selber ansprechen würde. Leider kam das Ministerium aber weder zur Eröffnung noch zum Schluss des Trainings, obschon sie dies versprochen hatten. Dies führte dazu, dass sich mein ganzes Team derart unwohl fühlte, da sie Vorwürfe von den Teilnehmern fürchteten. Als mein Team nach dem Ende des Trainings zusammen kam, um kurz Bilanz zu ziehen, äusserten alle, dass sie total frustriert, wütend und enttäuscht seien. Es sei schlicht undenkbar in ihrer Kultur, den Teilnehmern keine Transportentschädigung auszurichten. Diese Worte - so schien es mir klar und deutlich - waren alleine an mich gerichtet. Dies zog ich daraus, wie sich mich anschauten (wenn Blicke töten könnten......). Als ich ihre Feedbacks hörte, fühlte ich mich demoralisiert, insbesondere nachdem ich so viel Energie in die Koordination des Trainings investiert hatte und es auch so erfolgreich verlief. In der Vergangenheit schwieg ich in solchen Situationen, dieses Mal wollte ich Ihnen aber bewusst zeigen, dass ihre Aussagen mich getroffen hatten. Das hat sie ziemlich erstaunt und ich bin froh, dass ich ihnen gezeigt habe, was wirklich in mir los war.
Es ist für mich klar, dass ich ein Thema tangiert habe, dass ein Tabu darstellt. Wie dem auch sei, ich werde zu diesem Thema auch bei einem anderen Mal nicht schweigen, da ich einen kulturellen Austausch fördern möchte. Das erfordert aber, dass ich den Mut und die Energie für solche Konfliktsituationen aufbringe. Ich bin gespannt, wie sich diese Auseinandersetzung auf die Beziehung mit meinen Kollegen auswirkt: ich werde es am Montag erfahren.
Samstag, 26. März 2011
Abonnieren
Posts (Atom)