Montag, 26. April 2010

Basketballer Aladjin in Lausanne!!

Hallo liebe Freunde
Unser sierra leonische Basketballfreund Aladjin kann für einen 10-tägigen Kurs heute (Montag, 26.April) nach Lausanne fliegen. Er ist ein ganz lieber Kerl und falls jemand von euch Basketballern oder von uns Freunden Lust hat, ihn kennenzulernen, er würde sich sehr über einen Besuch (Mami, Papi, ihr kennt ihn, das war derjenige, der gesagt hat: Welcome to Freetown. Now you are free!) freuen (oder zusammen Basketball spielen, Kath, Oli L., Oli Str., Pierina....?). 
Er wohnt im Jeune hotel/Youth hostel, Chemin du bois de vaux 36, Lausanne. Die Hostel tel.nr. ist 0041 21 626 02 22. Ich glaube, er hat die nächsten zwei Tage erst mal frei. 
Ich bin gespannt, ob es jemand von euch schafft, ihn zu treffen!! Es wäre schön, denn wir sind in Sierra Leone so warm empfangen worden, es wäte toll wenn es für Aladjin auch so wäre in der Schweiz!

Sonntag, 25. April 2010

Tennis in Salone

In den letzten Monaten habe ich einen Tennisclub mit einigen talentierten Sierra Leonern entdeckt. Wie mit den Leuten beim Basketball ist es erfrischend, mit ihnen zu spielen und einfach mit ihnen zusammen zu sein. Ich wurde vom ersten Moment herzlich aufgenommen und einige sind fasziniert, dass man auch mit beiden Händen die Vorhand spielen kann.......
Es gab dann auch einige Dinge, die mich zu Beginn ein wenig gestört haben: Es ist üblich, dass die jungen Spieler Trinkgeld erhalten, wenn man mit ihnen spielt. Es ist mir schon ein wenig fremd, wenn ich jemandem Geld gebe, damit er mit mir spielt. Besonders dann auch, wenn wir das gleiche Niveau haben. Schliesslich gebe ich den Jungs auf dem Basketballplatz auch kein Geld, damit sie mit mir spielen. Ich habe versucht, dies den Leuten zu erklären, worauf sie in ihrer charmanten Art erwiderten, dass die jungen Spieler auf dieses Geld angewiesen sind. Dennoch habe ich bisher noch keinen Spieler bezahlt und ich denke, dies wird nun auch akzeptiert, da sie mich inzwischen als gleichwertigen Tennispartner ansehen. 
Eine andere Sache ist die, dass die ganz Jungen als Ballboys agieren und auch hier ist es usus, dass sie wie auch der Schiedsrichter am Ende Geld kriegen (ich spreche hier nicht von Turnieren, sondern von Trainings). Und wie am Flughafen mit dem Gepäck wird auch hier nicht gefragt, ob man den Service will, sondern die Ballboys/Schiedsrichter rennen den Bällen hinterher, ohne dass sie hierfür aufgefordert werden. Am Schluss besteht die Erwartungshaltung, dass jeder ca. 1 Euro erhält, was relativ viel ist, wenn man bedenkt, dass der Durchschnitts-Sierra Leoner pro Tag von 1-2 Euros lebt. Als ich dann beim zweiten oder dritten Mal sagte, dass ich keine Ballboys brauche (da ich erstens nie mit Ballboys gespielt habe und dies daher ein wenig befremdlich ist, wenn die Jungs mich bedienen), waren diese recht eingeschnappt und erzählten es weiter. Von Zeit zu Zeit versuche ich sie davon zu überzeugen, dass ich noch jung bin und es mir gut tut, die Bäller selber einzusammeln. Die meisten Sierra Leoner sind daran gewöhnt, dass die Bälle von anderen eingesammelt werden, weshalb ich vor allem bei älteren Tennispartnern darauf Rücksicht nehme und den Ballboys am Schluss etwas gebe. Auch hier hat sich inzwischen die erste Aufregung gelegt und es wird nun akzeptiert, wenn ich ab und zu ohne Ballboys spiele.

Wie bei vielem hier in Sierra Leone können sich für mich durch Gespräche mit den Leuten neue Einblicke oder Erkenntnisse ergeben. So erzählte mir beispielsweise ein junger talentierter Spieler - einer der besten Spieler im Lande - wie schwierig es für ihn sei, im Sport Erfolg zu haben. Zeitweise steht ihm kein Tennsiracket zur Verfügung, da das Ersetzen einer gerissenen Seite ca. 6 Euros kostet. Er wohnt ca. 5 Kilometer vom Tennisclub entfernt, welcher auf einem Hügel liegt und muss aufgrund fehlender finanzieller Mittel die Distanz oft zu Fuss zurück legen. Die Schuhe der meisten Tennisspieler sind häufig ziemlich lädiert, besser gesagt, sie fallen fast auseinander. Er wie auch die anderen ambitionierten Spieler, die im Herbst an den Commonwealth Games teilnehmen werden, sind recht frustriert, dass sie kaum Unterstützung erhalten. Nicht ganz einfach.....Auch wenn ich nach wie vor den Spielern nichts gebe, wenn sie mit mir spielen, stelle ich jeweils die Bälle zur Verfügung und versuche situativ einzelne Leute zu unterstützen: Einmal gab ich einem Spieler meine alten Schuhe (riesige Freude), ein andermal gab ich mein in einem Doppelturnier erhaltenes Preisgeld den talentierten Spielern, damit sie sich ein paar Saiten leisten können. 
Und zu guter Letzt: In Sierra Leone reift eine neue Martina Hingis heran, ca. 1,76 Meter gross, blonde Haare, hübsch und nicht nur in der Musik ehrgeizig...(sie übt gerade für ihr erstes Solo-Konzert heute Abend im Bliss Restaurant)
Liebe Grüsse aus Westafrika

Donnerstag, 22. April 2010

Mehr Fotos, da Annick Nacht-Arbeits-Sessionen schiebt und Zeit zum Fotos laden hat :-)















Angelina und Florian am Strand, unsere lieben Freunde aus Deutschland, die uns leider verlassen. Florian ist schon wieder in Deutschland und hat einen neuen Job bei der GTZ und Angelina ist noch hier in Freetown bei der GTZ und bleibt ab morgen noch für eine Woche bei uns als Gast in der Wohnung (und arbeitet weiter). 
African Dance in der Ballanta: Diesen Samstag haben wir eine kleine Vorführung, richtig, ich mache auch mit, muss den Afrikaner ja mal zeigen, wie schlecht wir Weissen mit unserm "Füdli wackeln"
Philipp beim Entspannen im Tacuagama Park (bei den Schimpansen).
Annick beim Singen beim School Outreach Programme der Ballanta.



Mittwoch, 14. April 2010

Ballanta School Outreach Programme
















Guten Morgen allerseits! Bei den meisten von Euch ist es 6 Uhr morgens, bei mir immer noch 4 Uhr.... kann nicht schlafen, zu heiss, und bin ein bisschen erkältet (Husten), und habe viele Gedanken im Kopf... diese Kombination ist grad nicht so der Hit. Deshalb: Raus aus dem Bett, Ventilator im Wohnzimmer an und Compi auf..

Die Photos sind von unserem School Outreach Programme, wir waren in drei Schulen und haben kleine Konzerte gegeben und die Instrumente plus Ballanta vorgestellt. Das dürft ihr euch etwa so vorstellen: Ein kleines Auto (zwischen Auto und Mini-Bus) wird mit Intstrumenten vollgeladen, und dann kommen noch sieben Personen zusätzlich hineingequetscht...ohne Air conditioning oder Ventilation im Auto...dann rumpelt wir zu einer Schule, laden alles aus und bauen auf. Die Kinder und Lehrer kommen mit ihr Stühlen aus den Klassenräumen raus und setzen sich hin. Jede Schule ist ein bisschen anders.. Die einen sind laut und fröhlich, die anderen ganz leise und brav. Getanzt haben alle bei gewissen sierra leonischen Songs, das war ein Spass (vor allem die ganz kleinen, Kindergarten Alter, die marschieren wie kleine Soldaten). Der Marsch ist in Sierra Leone ganz wichtig, es gibt immer wieder Thanks Givinig Events in den Schulen, wo diese auf die Strasse gehen mit einer Band und marschieren. 

Im obersten Bild seht ihr Gwyn und mich singen. Gwyn ist Sierra Leoner, hat aber lange in England gewohnt. Dort hat er viel Jazz gesungen, er ist wirklich sehr gut und eine eine tolle Luis Armstrong Stimme. Er ist nun wieder nach Sierra Leone zurückgekommen und hilft seiner Mutter in der Schule beim bauen und organisieren. Seine beiden Söhne sind professionell in der Musik tätig, einer ist Drummer bei Amy Winehouse. Vielleicht kommen die zwei ihren Vater im Mai besuchen, dass wäre spannend, ich würde doch gerne mit ihnen Musik machen... We will see!

Euch einen guten schwungvollen Start in den Tag und ich werde wohl nochmals versuchen zu schlafen!!

Freitag, 9. April 2010

afrikanisch kommunizieren

Ich arbeite nun mit der Justice and Peace Commission seit einem 3/4 Jahr mit verschiedenen communities zusammen. Wir haben in dieser Zeit in 4 Gemeinden bzw. Kirchgemeinden 4 Justice und Peace Committees aufgebaut. Die Committees haben in einer ersten Phase jeweils ein Thema gewählt, das nach ihrer Meinung sofortiger Aufmerksamkeit und Interventionen bedarf. Hier ein paar Beispiele: a) häusliche Gewalt und Mangel an Vertrauen/Respekt innerhalb der Familien, b) ein andauernder gewalttätiger Konflikt zwischen einer Schule (Lehrer, Schüler) und der benachbarten Polizeistation, c) illegales Fischen mit Dynamit, welches zu grösseren Konflikten mit der Polizei geführt hat (weil diese von Zeit zu Zeit als Gegenmassnahme die Boote der Fischer zerstören).

Es macht mir immer Spass, an den Treffen mit den Committees teilzunehmen, die jeweils Samstags statt finden. Die Mitglieder der Committees sind ausschliesslich Freiwillige, die sich darum bemühen, mehr Frieden in ihrer Gemeinde zu haben. Hier liegt meiner Meinung nach einer der Schwachpunkte dieses Programms. Für die Mitglieder ist jedes Treffen oder Training mit einem Effort verbunden. So steht beispielsweise bei Frauen am Samstagmorgen viel häusliche Arbeit, kochen oder einkaufen an. Kein Wunder also, dass die Frauen untervertreten sind. In Kirchgemeinden, die flächenmässig grösser sind, müssen die Mitglieder für den Transport zum vereinbarten Ort bis zu Leones 10´000 zahlen was dem Äquivalent von 2 Mahlzeiten entspricht. Wenn man bedenkt, dass über die Hälfte aller Sierra Leoner unterernährt sind, ist das nicht wenig.......Samstag ist zudem auch die Zeit, in welcher man mit verschiedensten Jobs etwas Zusätzliches verdienen kann (um für die nächsten Tage das notwendige Geld für Essen oder anderes zusammenzubringen). Es hat bei mir eine Weile gedauert, für diese Dinge ein Verständnis zu entwickeln und das Nicht-Erscheinen von Mitgliedern mit mit fehlender Einsatzbereitschaft gleichzusetzen. Wir haben nämlich wahrnehmen müssen, dass immer weniger Mitglieder zu den Treffen kommen und wir sie vor jedem Treffen mehrere Male erinnern müssen, damit sie kommen.

Schlau wie ich bin, habe ich mir gedacht, wir müssen es schaffen all diese Gegebenheiten zu berücksichtigen und unser Programm ein wenig anpassen. Als ich meine Besorgnis von Zeit zu Zeit gegenüber meinem Team äusserte, meinten die meisten, dass die Probleme gelöst werden, wenn anstatt einem Committee pro Kirchgemeinde viele Subcommittees gegründet werden . Ihr könnt Euch das folgendermassen vorstellen: Wenn es ein Committee für das Glarner-Unterland geben würde, sollen nun für jedes Dorf oder gar Dorfviertel ein Subcommittee gebildet werden. Das gute an dieser Idee ist, dass die Mitglieder der Sucommittees sich in ihrem eigenen Dorf treffen können und kein Geld mehr für Transport aufbringen müssen. Aber was die anderen Herausforderungen betrifft, sehe ich nicht, dass sich etwas grundsätzlich ändern wird.

Nun denn, da mein Chef Father Konteh sich zu dieser Sache selber nicht geäussert hatte, sprach ich ihn bei nächster Gelegenheit mal darauf an. Ich teilte ihm meine Meinung und Ideen mit, und fragte ihn nach seiner Meinung, worauf er antwortete: "Philipp, Deine Ideen sind gut und besser als die Strategie, überall Subcommittees zu etablieren, aber die letztere Strategie ist praktischer, deshalb werden wir es so machen." Schluck, Schluck!! Ich wiederholte nochmals was er gesagt hatte, um mich zu vergewissern, ob ich richtig gehört hatte und vielleicht auch in der Hoffnung, dass er noch Ausführungen dazu macht (was natürlich nicht geschah).

Ich hätte ihn nun fragen können, weshalb die andere Strategie praktischer sei und was gegen meine Ideen spreche. Dies hätte ich vermutlich auch noch vor einem halben Jahr gemacht. Doch eine innere Stimme in mir sagte, "lass es für den Moment so sein wie es ist und beobachte einfach, wie es weiter geht". Auch wenn ich zu meinem Chef ein gutes persönliches Verhältnis habe, bewege ich mich bei einem solchen Gespräch auf kulturellem Glateis. Wenn ich ihn nach seiner Meinung frage oder ihn um einen Ratschlag bete und er mir diesen gibt, so kann es heikel sein, dies sofort in Frage zu ziehen. Ich habe gelernt, dass das Alter eine natürliche Hierarchie mit sich bringt. Umso heikler kann es daher sein, wenn ein junger Mann einen erfahrenen Chef durch Fragen "in Frage stellt". Und schliesslich musste ich bei seiner Antwort innerlich schmunzeln. Denn in seiner Antwort war so viel von der afrikanischen Art erhalten, die ich schätzen gelernt habe. Anstatt wie bei uns zu sagen, "Deine Idee weist folgende Schwächen auf", wird mit einem Lächeln mitgeteilt, "Deine Idee ist gut", und erst dann kommt die "richtige" Stellungnahme.

Wie ihr seht, ist in dieser Hinsicht Geduld und Kreativität gefordert, schliesslich gibt es fast täglich/wöchentlich ähnliche Situationen. Diese andere Art, Dinge anzupacken und auch zu kommunizieren ist schlussendlich eine Bereicherung für mich, auch wenn ich manchmal die letzten verbliebenen Haare raufen könnte. Also passt auf, wenn wir zurück kommen, dann werde ich Euch wie mein Chef mich, mit seiner charmanten Art "Schachmatt setzen".........oder eben auch nicht. Viele liebe Grüsse und wir freuen uns immer über Eure Kommentare!

Mittwoch, 7. April 2010

Schmetterling, Paar Langlotz, Groovy Colours (Jazz Band) und Spinne




Aprilscherz....

Ena hat ganz richtig geraten....wir würden doch im August unseren Schweizer-Besuch nicht verpassen wollen!!! Es hat sich tatsächlich eine Frau aus Amerika (ich glaub es war Kanada, habs wieder vergessen..), die eine Promotionsagentur betreibt, bei mir gemeldet. Wir waren in Kontakt und dann fragte sie mich nach CD/Single-Aufnahmen und da musste ich zugeben, dass ich nur ein Demotape hatte. Meine nächste Aufgabe ist nun, eine Single zu produzieren, damit unser Kontakt weiterbestehen kann. D.h. ich werde jetzt hier in Sierra Leone in einem Studio einen Song aufnehmen. Morgen solls mal anfangen. Die Ballanta hat ein klitzekleines Studio. Ich werde mal sehen, was wir für einen Qualität hinbringen.
Aber im August kommen wir definitiv in die Schweiz. 
Danke für die lieben Kommentare, es freut mich, dass mir einige das zutrauen...hihi..
Und sorry für die Langsamkeit, den Aprilscherz aufzulösen, hier geht halt alles etwas langsamer (ohoh, was werde ich wohl in der Schweiz für Entschuldigungen brauchen können???)

Seid von Herzen gegrüsst und bald folgen weitere (wahre) Geschichten aus dem tropischen Sierra Leone