Mittwoch, 23. Dezember 2009

Frohe kalte Weihnachten!


Liebe Freunde und Familie, das Jahr neigt sich langsam dem Ende. Wir wünschen Euch allen frohe Weihnachten und gemütliche Tage mit Euren Nächsten.

Das Jahr 2009 war sehr ereignisreich und spannend für uns. Den Entschluss, nach Sierra Leone zu gehen, dort zu leben und zu arbeiten, haben wir bislang keine Sekunde bereut. Es ist diese Unmittelbarkeit mit den Mitmenschen, welche wir hier so schätzen. Grüsst man beispielsweise jemandem vom Auto aus mit der Hand, dann erhält man ein herzhaftes Lächeln zurück. Wo auch immer Menschen sind, ob in einem Geschäft, in einem Restaurant, auf dem Basketballplatz: sie freuen sich, wenn man sie anspricht, mit ihnen spricht, so belanglos es auch sein mag. Es sind diese kurzen Begegnungen, die uns bereichern und erfreuen.
Gleichzeitig erfahren wir auch die andere Kehrseite der Medaillie, so z.B. dass eine gewisse Zielstrebigkeit - wie wir sie kennen - wenig vorhanden ist. Dies ist eine riesige Herausforderung für uns, da wir beide gerne dynamisch arbeiten. Wie reagieren, wenn Mitarbeiter bzw. Bandmitglieder nicht wie vereinbart zu Meetings kommen, sich nicht abmelden obschon dies vereinbart wurde. Was unternehmen, wenn die Arbeit so vor sich hin "dümpelt"? Wenn gehandelt wird, als ob es nur ein Heute und nicht ein Morgen oder ein Übermorgen gebe? Das ist manchmal zum Haare raufen (da muss ich aufpassen, damit ich nicht ohne Haare zurück komme). Eine Pauschallösung gibt es nicht und diejenigen, die es behaupten, sind jenseits der Realität.
Bei mir ist es ein Pendeln zwischen laufen lassen und strikt sein. Jetzt, nach 4 "gemütlichen" Monaten bei der Arbeit, habe ich mich entschieden, gewisse Unzulänglichkeiten meinem Chef und meinen Mitarbeitgern gegenüber zu kommunzieren (so diplomatisch wie es natürlich ging), was mit einer Mitarbeiterin sofort zu Spannungen führte. Wenn auch mein Chef mich darin bestärkt, Mechanismen und Strukturen in meinem Team zu verändern, so stosse ich dabei relativ rasch an Widerstand. Es wird mir dann bewusst, dass gewisse Verhaltensmuster so tief in den Menschen und der ganzen Kultur verwurzelt sind. Ich bin darin vollkommen gefordert, was mich befriedigt, auch wenn es sehr nervenzehrend ist. Aber das Pendel wird ja wieder mal auf die andere Seite schlagen, wenn es Zeit dafür ist....
Jetzt geniessen wir zuerst einmal die Ferien mit Annicks Eltern, die 3 Wochen mit uns verbringen. Wir senden Euch aus dem warmen Sierra Leone ganz herzliche Grüsse und freuen uns auf weiteren Austausch mit Euch auch im nächsten Jahr!
Annick und Philipp (oder Ann and Philu, wie wir hier manchmal genannt werden)

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