Samstag, 25. Juli 2009

"Alles genommen"

Ein Arbeitskollege von mir, unser Fahrer, hatte in der Vergangenheit jeden Penny gespart, um sich mal ein Flecken Land zu kaufen und ein Haus darauf zu bauen. Wenn man bedenkt, dass ein Fahrer so wenig verdient, dass er damit nicht mal seine Familie ernähren kann, ist das ein fast unmögliches Unterfangen. Wie dem auch immer, unser Fahrer sparte so viel Geld, dass er sich vor einigen Jahren ein kleines Stück Land kaufen konnte (am äusseren Ende Freetowns) und ein einfaches Haus darauf baute. Nun ergab es sich, dass irgendein reicher Sierra Leoner Anspruch auf dieses Land erhob. Anstatt das laufende Gerichtsverfahren abzuwarten, welches von diesem eingeleitet worden war, demolierte er nun letzte Woche das Haus und brannte es zum Teil nieder. Die Polizei vor Ort bezahlte er, damit diese den Fahrer (illegal) verhafteteten, was diese auch taten. Leider geschah dies auf ziemlich brutale Art, sodass der Fahrer heute eine grosse Wunde am Unterarm hat. Ich bot ihm an, seinen einfachen Verband durch einen richtigen zu ersetzen und musste mit Erschrecken feststellen, dass man teils den Knochen sehen kann. Er und seine Familie wohnen nun verstreut bei Leuten, die sie aufgenommen haben. Er ist psychisch vollkommen am Boden und weiss nicht weiter. Das Vertrauen in das Gerichtssystem ist alles andere als gross. Mit einem Freund von ihm, ein anderer Arbeitskollege, haben wir Schritte in die Wege geleitet, dass er zusammen mit seiner Frau zu einer Traumaberatung gehen kann. Hoffentlich gibt ihm dies ein wenig vom Vertrauen ins Leben zurück.

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