Montag, 30. März 2009

Kurzgeschichten aus Sierra Leone

Hallo ihr alle, nun melde ich mich auch. Die letzten zweieinhalb Wochen sind wie im Flug vergangen und gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass ich schon viel länger hier bin, in Freetown. Es ist echt schwierig, über das zu berichten, was ich bzw. wir hier jeden Tag erleben. Deshalb werde ich Euch heute, ein zwei Kurzgeschichten erzählen:

Ankunft in Freetown, Lungi Ariport. Bevor wir landen, sage ich Annick, dass wir unser Gepäck selber tragen wollen, um nicht Geld an die "Träger" zahlen zu müssen. Annick meint, wir sollen mal abwarten und dann situativ entscheiden, weil wir doch sehr viel Gepäck haben (1 Koffer, 2 grosse Rucksäcke, Handgespäck und ein digital Piano). Am Flughafen angekommen, stellen wir uns an die Menschenschlange vor der Passkontrolle an. Da kommt eine Mitarbeiterin des Flughafens auf uns zu und fragt uns, ob wir Annick und Philipp seien. Unglaublich, wir sind schon bekannt! Mein zukünftiger Chef hatte die Mitarbeiterin angerufen, mit der Bitte, uns durch die Passkontrolle und den Zoll zu schleusen. So konnten wir, ohne anzustehen, direkt zu den Zollbeamten gehen. Diese wollten dann die Quittung für das Piano sehen, um einen Zoll darauf zu erheben. Annick hat dann klar gestellt, dass es ein gebrauchtes, privates Piano ist und sie auch beweisen könne, dass sie spiele. Das und die Unterstützung unserer Begleitung (der Mitarbeiterin) bewahrte uns davor, Zoll für das Piano zu bezahlen. Nun ging es weiter Richtung Helikopter, welcher uns in die Stadt bringen sollte. Schwups, bevor ich mich versehen hatte, sah ich einen "Träger" meinen Koffer und einen Rucksack tragen. Im ersten Augenblick schien mir, dass es sich hierbei um einen offiziellen Mitarbeiter des Flughafens handelte, der uns freundlicherweise helfen wollte. Ich sollte meinen Irrtum schnell bemerken! Nachdem er das Gepäck ca. 100 Meter getragen hatte, zum Helikopterplatz, wollte er dann für seine Dienste bezahlt werden. Glücklicherweise hatte ich einen 5000 Leones-Schein (ca. 2 Franken), dem ich ihm dann gab. Er hat dann gemeint, dass dies nicht genug sei. Annick und ich hatten natürlich keine Ahnung, wie viel normalerweise bezahlt wird, was ein recht unangenehmes Gefühl war. Aber genau darauf wird wohl spekuliert, denn wie wir inzwischen wissen, beträgt ein durchschnittlicher Tageslohn ca. 10000 Leones. Es ging dann wie folgt weiter: Verschiedene Leute kamen auf uns zu und sagten uns, dass sie Tickets für den Helikopter verkaufen. Wir haben dann ein solches Ticket gekauft, wobei wir nie sicher waren, ob wir das Rückgeld auch bekommen. Es war recht hektisch, denn einige haben auf Annick eingeredet und die anderen wollten mich irgendwo hinziehen. Ein wenig später wollten die Leute beim Helikopter dann, dass wir einen Aufpreis zahlen, da das Piano so gross sei. Dagegen haben wir uns dann standhaft gewehrt, was schliesslich mit Hilfe des dortigen Chefs auch gelang. In dieser ersten halben Stunde haben wir schon einen Vorgeschmack erhalten, was in den nächsten 3 Jahren auf uns zukommen wird. Herrlich!

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