Vor gut 3 Wochen lud ich Nesto, Josephine und deren Kinder zu mir nach Hause ein. Das sind die Freunde, welche uns ihr "village" im Landesinnern gezeigt hatten, was Annick, meine Eltern und mich so beeindruckt hatte. Ich holte sie zu Hause ab, da ich wusste, dass die Benutzung des öffentlichen Verkehrs sie bereits Le 15000 (ca. 5 Mahlzeiten) gekostet hätte. Als ich sie auf mich zukommen sah, musste ich schmunzeln. Meine Mutter hatte ihnen Glarner Stoff (mit dem typischen Muster wie auf den Glarner Tüechli) geschenkt und nun trugen Josephine sowie die Kleinste (Delay, 1 Jahr) Kleider mit diesem Stoff. Es sah einfach bezaubernd und gleichzeitig komisch aus. Hinzu kam, dass Nesto eine Kravatte für sich und die anderen Kinder (5) eine Fliege mit dem roten Stoff angefertigt hatten lassen. Eine afrikanische Familie mit Glarner Touch! Leider hatte ich keinen Fotoapparat......
Bei mir zu Hause angekommen, begann Nesto - der einmal Pastor werden wollte - mit einem Gebet. Wie sich herausstellen sollte, wurde aus einem Gebet ein halber Gottesdienst mit Gesängen und anderen Gebeten. Unsere W0hnung wurde imnu in eine Kirche verwandelt. Ich gab ihnen unsere Trommeln, welche sie zur Begleitung benutzten. Die kleine Delay wippte in unserer Hängematte und klatsche mit ihren Händen im Takt, unglaublich für dieses Alter. Elegant ging ich nach 10 Minuten in die Küche, um das Essen vorzubereiten. Kurz bevor ich die Spagetthi Bolognaise fertig gestellt hatte, beendete die Familie den "worship".
Alle Kinder bedankten sich nach dem Essen mit: Thank you uncle Philipp. Der besondere Wert hieran ist, dass ich so etwas in Sierra Leone noch nicht viel gehört habe (unsere Kultur des Danke und Bitte ist dort nicht ausgeprägt). Nach dem Essen sass ich mit Nesto und Josephine an einem Tisch und Nesto begann auf einmal davon zu erzählen, dass Josephine ihm gedroht hatte, sich von ihm zu scheiden. Es ist schon eigenartig aber nicht unüblich in Sierra Leone, dass Ehepartner und gerade Männer vor ihren Frauen über diese sprechen. Nachdem er sich meiner Ansicht zu sehr in der Vergangenheit ereiferte und ich sah wie betrübt Josephine war, versuchte ich, Nesto in die Gegenwart zurückzuholen, indem ich seine Hand ergriff und ihm zu verstehen gab, dass alles in Ordnung ist mit ihm. Glücklicherweise hatte ich den richtigen Punkt gefunden und sein Gesicht wurde weicher und erhellte sich. Zum Abschluss forderte Nesto seinen jüngsten Sohn Micahel, (16 Jahre) auf, den Besuch mit einer feierlichen Rede abzurunden, was dieser auf bemerkenswerte Art auch tat. Ich ging mit dem Gefühl ins Bett, dass ich wieder einmal ein wenig mehr von Sierra Leone kennen gelernt hatte und dass zur Familie von Nesto und Josephine eine echte Freundschaft entstanden ist.