Dienstag, 27. Dezember 2011
Eindrücke
Evelyne und Bernhard Teil 2
Micah und das Leben in Afrika
Eindrücklich wie Micah sich in Sierra Leone wohl fühlt. So stösst er Schreie aus wie ein Indianerhäuptling. Mit Vorliebe macht er dies in klimatisierten Restaurants. Dabei sorgt er sich nicht um die NGO Frauen und Männer, welche – gebeugt über den Laptop – intensiv arbeiten. Er freut sich über jede neue Mahlzeit. Er scheint zu ahnen, dass ihm zu diesem Thema eine interessante Zukunft wartet: denn von seinem auf den Tisch gestellten Baby-relax aus studiert er mit seinen lachenden und interessierten Augen was sich in den Tellern der Eltern und Grosseltern befindet..… noch ohne zu wissen, dass es unanständig ist, in die Teller der anderen zu schauen. Ja, Micah hat sehr ausdrucksvolle Augen: einmal lachend, dann charmant, philosophierend, neugierig, beobachtend und manchmal beunruhigt.
Micah wandert von einem Arm in den andern. Trotzdem weiss er den Unterschied, wen er kennt, sehr gut kennt oder gar nicht.
Freetown olé
Heute fährt Bernhard allein zur einzigen Post in Freetown. Wir verschicken 8 Postkarten. Wieviele werden ankommen? Bis jetzt eine! Auf der Rückfahrt ist Bernhard gut beladen mit einer riesigen herrlichen Ananas und eingepfercht in einem Taxi (hinten 4 statt zwei Passagiere). Da meinte der Taxichauffeur, dass er in eine andere Richtung fahren und ich für die kurze Strecke nichts zahlen müsse. Bernhard kontrollierte trotzdem seinen Geldbeutel während des Aussteigens. Trotz Reisverschluss fehlte er! Deshalb meint Bernhard erschrocken: “mein Geldbeutel fehlt mir!” sucht auf dem Sitz und findet nichts. Schliesslich stellt der Sitznachbar fest, dass er auf dem Geldbeutel sitzt. Sehr hilfsbereit zeigt er Bernhard, dass noch alles Geld im Geldbeutel ist. Bernhard sagt danke und alles ist in Ordnung! Zuhause merkt Bernhard, dass er seine drei Zeitungen vergessen hat. Wahrscheinlich im Taxi….
Sabine, welche sich um Strassenkinder kümmert, kehrt an einem Abend nach einem Besuch bei uns mit ihrem Auto nach Hause zurück. Sie nimmt Abschied doch schon 5 Min. später klingelt das Telefon: ihr 4x4 ist in einem Loch auf der Strasse stecken geblieben. Eigentlich sind wir erstaunt, dass sich dies nicht häufiger und vor allem mit gewöhnlichen Autos ereignet. Zwitschi und Alemani gehen ihr helfen (im Dunkeln; es hat keine Strassenlaternen). Am Ort angekommen, war alles in Ordnung, denn beinahe ein Dutzend Sierraleoner haben der armen Sabine geholfen. Ist man in einer Notlage, dann sind immer Leute zur Stelle, um zu helfen. Olé Freetown!
Dritter Teil: Wir gehen für einen kleinen Kaffee ins Bliss Restaurant. Beim Absitzen bemerke ich, dass ich ein Glas meiner Sonnenbrille verloren habe. Ich erinnere mich, dass ich sie vor dem Eintreten abgenommen habe. Ohne grosse Hoffnung gehe ich nochmals hinaus, doch ich finde kein Glas. Ich erkläre auf Englisch meine Situation einem Jungen, der vor der Türe putzt. Ohne ein Wort zu sprechen, führt er mich zum Abfallkübel. Er hatte das Brillenglas sorgfältig ohne es zu beschädigen in den Abfallkübel zuoberst auf den Abfall gelegt. Super Freetown!
Der Hahn ist tot ! (“le coq est mort”, ein Lied)
An diesem Tag hat Zwitschi eine Überraschung für Annick: er fährt sie zur Musikschule. Wir hüten Micah (Bad, essen, dodo….). Bernhard sieht einen Sierrleoner (ein anderer Philipp!) im Garten hinter einem Hahn herrennen. Dieser flüchtet sich aufs Dach des Nebengebäudes. Kurz danach ruft uns Micah aus seinem Zimmer und ich sehe durchs Fenster wie der Hahn noch halblebend in ein Erdloch geworfen wird. Noch ein zweites Mal springt Philipp vorbei und wirft einen Haufen Unkraut auf den Hahn. Ja, der Hahn ist tot. Warum wird er nicht gegessen? Was sicher ist: er wird nicht mehr sein morgendliches kikeriki singen. Wir werden nie wissen, warum der Hahn nicht in der Pfanne landete.
“Concerto grosso”
Am Morgen (4 Uhr) sind es die Hähne der ganzen Region. Beim Einnachten sind es die Hunde der Umgebung, welche ihr trauriges Lied beginnen. Und es sind viele. Es ist wie bei einer Kette, der eine schickt die Botschaft zum andern, und dann kommt die Antwort, ein Echo wird geheult. Das erinnert mich an den Film von Walt Disney “Susi und der Landstreicher” (La belle et le clochard). Zur Abwechslung – doch während unserer Ferien selten – summen die Generatoren wegen einer Strompanne! - - - - Und in dieser Umgebung schläft Micah: tief !
So, dies ist der Schluss, hoffentlich haben euch unsere Anektoden nicht zu sehr gelangweilt. Wir haben bei den drei Langlötzli super Ferien verbracht!
Montag, 26. Dezember 2011
Mama und Papa Lerchs Blogeintrag Teil 1
Oh Merry !
Kurz nach unserer Ankunft erklärte Annick, dass trotz unserer Anwesenheit 2x pro Woche am Nachmittag die Nani kommt, um für Mica zu schauen. Evelyn und ich waren etwas verwundert und fragten, ob Annick meine, Micah werde uns überfordern. Wie oft in Afrika kommen wir überein einmal abzuwarten.
Es war Dienstag nachmittag, schön heiss und Micah wollte nur noch in den Armen bleiben. Merry, welche um 15 00 erscheinen sollte, war auch um 15 45 noch nicht sichtbar. Da ertapte ich mich, wie ich mit Micah auf den Armen immer öfters durchs Fenster auf die menschenleere Zufahrt blickte. Als sich dann endlich um 16 Uhr die Gartentüre öffnete, musste ich zum Fenster als Empfang singen: Oh Merry, oh Merry (in der Melodie von Oh Mami, oh Mami blue). Kaum waren Hände und Arme gewaschen, war der verschwitzte Micah in Merys Armen. So tanzten die beiden im Rythmus afrikanischer Musik durch die ganze Wohnung………und Micah entschloss sich endgültig noch lange nicht einzuschlafen….
Stromunterbrüche
Vieles hat sich geändert seit den letzten Ferien hier. Nur noch 2 Stromunterbrüche! Der erste 2-3 Stunden, der zweite 2-3 Tage. Auch der laute Lärm des Generators hinter dem Haus hat sich auf einen normalen Lärmpegel eingespielt. Beim 3-tägigen Unterbruch richtete sich unser Speisezettel nach der Dringlichkeit der Waren im Frigo. Bald hätten auch der Raclettkäse und die Pralinen dran glauben müssen…….
Auch in den Büros musste man sich mit dem Stromunterbruch abfinden. Ein Mitarbeiter von Zwitschi beschrieb dies sehr anschaulich: die Angestellten erscheinen am Morgen, setzen sich vor den PC und nichts passiert bis sie am Abend nach Hause gehen. Richtig afrikanisch? Nicht unbedingt.
Die Musikschule Balanta gab am 1. November ein Konzert im British Council. Über 200 Zuhörer beobachteten den etwa 30-köpfigen Chor und dessen Dirigent, als es für ca. 5 Min. stockfinster wurde: Stromunterbruch! Doch der Chor sang weiter, der Dirigent dirigierte und die Zuhörer hörten mäuschenstill zu! Für einmal mussten sich die Zuhör allein auf die Musik konzentrieren. Als das Licht wieder anging, waren Chor und Dirigent immernoch im Takt. Ist diese Disziplin typisch schweizerisch? Oder hätte in der Schweiz ein Tumult begonnen?
Wahlen
Ein Kollege von Zwitschi ist der Sohn eines Dorfchefs von einem Dorf in der Umgebung von Bo. Wir fragten ihn, ob er Nachfolger seines Vaters werden möchte. Da erklärte er uns, dass nicht er oder sein Vater dies bestimmen kann, sondern dass dazu Wahlen notwendig sind. Damit traf er meine schweizerischen Gefühle. Voller Bewunderung fragte ich ihn, ob solche Wahlen ihren Ursprung aus der Kolonialzeit haben oder ob dies einer alten lokalen Tradition entspricht. Meine Begeisterung wurde etwas gedämpft, als er mir erklärte, dass sich die Stimmberechtigten auf einen engen Kreis von Familienangehörigen beschränken. Somit macht uns Sierra Leone nicht streitig, dass die Schweiz eine der ältesten Demokratien ist.
Im Nachhinein kamen mir dazu weitere Gedanken: Bei den Wahlen der eidgenössischen Parlamentarier beteiligten sich ein Drittel der Stimmberechtigten. Resultat: keine Änderung. Wird der Unterschied Sierra Leone zur Schweiz überschätzt?
Greyezer vollreif
Zwitschi erzählte uns, dass eine Europäerin in Freetown Besuch aus der Heimat bekam, welche ihr die europäischen Spezialitäten verschlang. Das sollte mir nicht passieren: So herrliche Früchte, frisches Gemüse und Salate vom Markt oder im Restaurant und wenn nötig europäische Waren aus den Supermärkten von Freetown. Was sollte mich da ein Stück Greyezer interessieren? Doch am drittletzten Abend vor der Heimreise geschah es: Ich schnitt mir eine rechtes Stück Greyezer ab und glaubte eine Reaktion bei Zwitschi und Annick zu verspüren. Danach schnitt auch Zwitschi für Annick und sich je drei feine Tranchen ab. Alles zusammen war kleiner als mein Stück! Zeit für meine Heimreise.
Donnerstag, 1. Dezember 2011
Tropischer Regen
Sonntag, 27. November 2011
Dienstag, 8. November 2011
Micah´s Taufe:zwischen Faux pax und Freude
Jugendarbeitslosigkeit
Samstag, 22. Oktober 2011
Maligba der Priester, Philipp der Retter
Sonntag, 16. Oktober 2011
Cou cou!

Donnerstag, 29. September 2011
Kleine Eindrücke


Mittwoch, 28. September 2011
Micah in Sierra Leone

Dienstag, 30. August 2011
Musikalische Improvisationen in Nimes
Mittwoch, 17. August 2011
Unterwegs
Samstag, 6. August 2011
Besuch von Nesto and family
Bei mir zu Hause angekommen, begann Nesto - der einmal Pastor werden wollte - mit einem Gebet. Wie sich herausstellen sollte, wurde aus einem Gebet ein halber Gottesdienst mit Gesängen und anderen Gebeten. Unsere W0hnung wurde imnu in eine Kirche verwandelt. Ich gab ihnen unsere Trommeln, welche sie zur Begleitung benutzten. Die kleine Delay wippte in unserer Hängematte und klatsche mit ihren Händen im Takt, unglaublich für dieses Alter. Elegant ging ich nach 10 Minuten in die Küche, um das Essen vorzubereiten. Kurz bevor ich die Spagetthi Bolognaise fertig gestellt hatte, beendete die Familie den "worship".
Alle Kinder bedankten sich nach dem Essen mit: Thank you uncle Philipp. Der besondere Wert hieran ist, dass ich so etwas in Sierra Leone noch nicht viel gehört habe (unsere Kultur des Danke und Bitte ist dort nicht ausgeprägt). Nach dem Essen sass ich mit Nesto und Josephine an einem Tisch und Nesto begann auf einmal davon zu erzählen, dass Josephine ihm gedroht hatte, sich von ihm zu scheiden. Es ist schon eigenartig aber nicht unüblich in Sierra Leone, dass Ehepartner und gerade Männer vor ihren Frauen über diese sprechen. Nachdem er sich meiner Ansicht zu sehr in der Vergangenheit ereiferte und ich sah wie betrübt Josephine war, versuchte ich, Nesto in die Gegenwart zurückzuholen, indem ich seine Hand ergriff und ihm zu verstehen gab, dass alles in Ordnung ist mit ihm. Glücklicherweise hatte ich den richtigen Punkt gefunden und sein Gesicht wurde weicher und erhellte sich. Zum Abschluss forderte Nesto seinen jüngsten Sohn Micahel, (16 Jahre) auf, den Besuch mit einer feierlichen Rede abzurunden, was dieser auf bemerkenswerte Art auch tat. Ich ging mit dem Gefühl ins Bett, dass ich wieder einmal ein wenig mehr von Sierra Leone kennen gelernt hatte und dass zur Familie von Nesto und Josephine eine echte Freundschaft entstanden ist.
Montag, 25. Juli 2011
Helm vergessen - Pech gehabt
Das Urteil lautete Le 150´000 Busse für jeden, zahlbar sofort, oder 1 Monat Pademba Road Prison. Zudem noch die Gerichts- und Anwaltsgebühren in der Höhe von ca Le 300´000.-. Nicht schlecht für ein Land, in welchem die meisten Menschen nicht mehr als LE 300´000 pro Monat verdienen. Mit anderen Worten müssen die meisten Menschen wegen der einfachen Verletzung einer Verkehrsregel in das Gefängnis. Und einmal im berüchtigsten Gefängnis von Sierra Leone, dem Pademba Road Prison, angekommen, gibts keine Garantie mehr, wann man rauskommt. Gemäss Angaben von Organisation, sitzen dort Hunderte von Menschen ohne (rechtmässiges) Gerichtsverfahren oder wurden schlicht einfach vergessen, weil niemand die Geldstrafe aufbringen kann. Die Bedingungen im Gefängnis sind katastrophal: Gewalt, kein Essen (Verwandte müssen es jeden Tag mitbringen) und viel zu viele Menschen in einer Zelle.
Da wird es einem mulmig, weil so was jedem passieren kann. Noch die kleinste Verkehrsregelverletzung, wie den Fahrausweis zu Hause vergessen haben, kann zu einer solchen Prozedur führen. Hier bekommt man die Macht des Staates zu spüren. Mein Kollege meinte, dass sogar einige Anwälte mit den Polizisten gemeinsame Sache machen. Die Polizei nimmt Leute fest, die Anwälte kassieren und teilen dies mit den Polizisten. Wir können von Glück sprechen, dass wir ein NGO Nummernschild haben und daher ein wenig geschützt sind. Jetzt wird mir auch klar, weshalb meine Kollegen mich am Anfang mehrmals darauf hingewiesen haben, alle Fahrzeugpapiere immer in Ordnung und ajour zu halten.
Montag, 18. Juli 2011
Sport verbindet
Die Tennisfoundation bedankt sich ganz herzlich bei Anja und Reynolds Sport für deren Engagement, welches gerade zur rechten Zeit kommt. Kürzlich hat die Foundation neue Rackets erhalten, aber ohne Saiten. Die neuen Rackets können nun mit den australischen Saiten bespannt werden und den Kindern (ab 5 Jahren bis zu den stärkeren Junioren, die an internationalen Turnieren teilnehmen) übergeben werden. Wie meist bei solchen Übergaben war ein Journalist dabei, der einen Artikel für die Zeitung verfasste. Bei der Art, wie sich die Foundation bei mir bedankte, kommt einem manchmal das Gefühl auf, ein grosser Wohltäter zu sein, was natürlich gar nicht der Fall ist. Und im nächsten Satz kommt dann auch schon die Frage oder Aussatz, dass man sich über mehr Material freut.........Geschlossen wurde die Übergabe damit, dass Gott meine Schwester, Reynolds Sport und mich "blessen" soll. Dann ist ja alles gut!
Samstag, 2. Juli 2011
der Geburtstag nach dem Geburstag
Ein kleine Episode aus meinem Arbeitsleben: Anfang Juni war ein Teil unseres Team in Liberia um einer Partnerorganisation ein Training in nonviolent communication anzubieten. Eines Abends in Monrovia, der Hauptstadt von Liberia, teilte uns unser Deputy Director mit, dass er einen Freund treffen werde. Wir gingen in der Zwischenzeit auf die Suche nach einer Basketballhalle und trafen zufälligerweise einen Sierra Leonischen Freund beim Basketballtraining. Um ca. 21.30 Uhr, es regnete stark, meldete sich unser Deputy Director, ob ihn nicht jemand abholen könnte, da er sich ein wenig ausserhalb von Monrovia befinde und es stark regne. Da wir ihn nicht gut verstehen konnten, und sein Stimme ein wenig seltsam klang, entschieden wir uns, alle zusammen zu fahren. Er meldete sich dann alle fünf Minuten per Telefon und war erschreckt zu hören, dass wir alle zusammen kamen (besonders meine Anwesenheit....). Es stellte sich nämlich heraus, dass er ganz schön getrunken haben muss. Schliesslich erreichten wir das Lokal und er stieg ins Auto ein. Ich habe selten so viel gelacht, wie auf der Rückfahrt zu unserer Schlafstelle. Der Director lallte vor sich ihn und meine jüngeren Kollegen verwickelten ihn in interessante und "seriöse" Gespräche. Dabei kam unter anderem heraus, dass er sich schon lange reif fühle für ein sabbatical Jahr und und und. Wir mussten uns zusammennehmen, nicht bei jedem Satz laut los zu lachen.
Mittwoch, 27. April 2011
Happy Birthday Sierra Leone
Sonntag, 3. April 2011
Ferienparadies Sierra Leone
Samstag, 26. März 2011
Wenn ein empfindlicher Nerv getroffen wird
Normalerweise wird den Teilnehmern von Workshops/Trainings nach dem Training eine Transportentschädigung ausgerichtet, unabhängig davon, ob das Geld effektiv gebraucht wurde. In der Regel stellt diese Entschädigung einen Zusatzverdienst dar, da sie die tatsächlichen Ausgaben übersteigt. Vor dem Training informierten wir das Verteidigungsministerium darüber, dass wir nicht die Ressourcen haben, eine solche Entschädigung auszurichten. Das Ministerium erwiderte, dass sie das intern lösen würden und wir uns darum nicht zu kümmern brauchten. Dennoch kam das Thema bei der Vorbereitung für das Training wieder auf und mein ganzes Team sprach sich dafür aus, den Teilnehmern einen "recht hohen" Betrag pro Tag zu geben. Schiesslich seien dies Offziere und es sei wichtig, dass sie Interesse an unserem Programm hätten (wenn ich das höre, wird mir manchmal ganz schlecht.....). Wir kamen zu keiner Entscheidung über die Entschädigung und vertrauten darauf, dass das Ministerium diesen Punkt selber ansprechen würde. Leider kam das Ministerium aber weder zur Eröffnung noch zum Schluss des Trainings, obschon sie dies versprochen hatten. Dies führte dazu, dass sich mein ganzes Team derart unwohl fühlte, da sie Vorwürfe von den Teilnehmern fürchteten. Als mein Team nach dem Ende des Trainings zusammen kam, um kurz Bilanz zu ziehen, äusserten alle, dass sie total frustriert, wütend und enttäuscht seien. Es sei schlicht undenkbar in ihrer Kultur, den Teilnehmern keine Transportentschädigung auszurichten. Diese Worte - so schien es mir klar und deutlich - waren alleine an mich gerichtet. Dies zog ich daraus, wie sich mich anschauten (wenn Blicke töten könnten......). Als ich ihre Feedbacks hörte, fühlte ich mich demoralisiert, insbesondere nachdem ich so viel Energie in die Koordination des Trainings investiert hatte und es auch so erfolgreich verlief. In der Vergangenheit schwieg ich in solchen Situationen, dieses Mal wollte ich Ihnen aber bewusst zeigen, dass ihre Aussagen mich getroffen hatten. Das hat sie ziemlich erstaunt und ich bin froh, dass ich ihnen gezeigt habe, was wirklich in mir los war.
Es ist für mich klar, dass ich ein Thema tangiert habe, dass ein Tabu darstellt. Wie dem auch sei, ich werde zu diesem Thema auch bei einem anderen Mal nicht schweigen, da ich einen kulturellen Austausch fördern möchte. Das erfordert aber, dass ich den Mut und die Energie für solche Konfliktsituationen aufbringe. Ich bin gespannt, wie sich diese Auseinandersetzung auf die Beziehung mit meinen Kollegen auswirkt: ich werde es am Montag erfahren.


