Donnerstag, 30. April 2009

Ich bin verheiratet!

Die männliche Spezies in Sierra Leone ist sehr charmant (nicht nur gegenüber Ausländerinnen). Wenn man sich hier begrüsst, hält man sich lange die Hand, läuft sogar teilweise Händchen haltend irgendwo hin (sowohl Männer mit Männern wie auch Frauen mit Frauen oder aber gemischt). Wenn man sich gut oder besser kennt, wird der Körperkontakt enger, d.h. am Arm halten oder den Arm um die Schulter legen. Das mit dem "lange Hände halten" ist schon ungewohnt, da wir in der Schweiz meist einen kurzen eher stärkeren Händedruck ausüben (ja nicht zu lange, grins!). 
Für mich als Frau ist es angenehmer hier in Sierra Leone zu sein als in Marokko. Ich fühle mich sicher und auch die Männer sind nicht allzu offensiv. Wenn klar ist, dass Philipp mein Mann (und nicht mein Bruder:-)!!!) ist, sind die Fronten geklärt (ich hoffe es auf alle Fälle). 
In Bo lief ich alleine durch die Strasse, als mir einer beim Entgegenkommen sagte: "I love you". Da antwortete ich: "I'm married" und darauf war seine sympathische Antwort: "Oh sorry.". Grins!!! 
Übrigens liebe Freundinnen, ein Junge namens Momo in unserem Hostel sucht eine weisse Frau und freut sich auf Besuch.... ich habe ihn schon vorgewarnt, dass da höchstwahrscheinlich nichts daraus wird...
Take care und seid herzlich gegrüsst!!!

Mittwoch, 29. April 2009




Letzte Woche in Bo schliefen wir in der Biva-Logde und die ist gleich neben einem Waisenhaus, um welches sich Father Peter Konteh, Philipps Chef, kümmert. Die Kinder waren immer wieder bei uns, und diese Fotos entstanden, nachdem wir mit ihnen drei Runden gerannt waren. War ganz lustig und es ist schön zu wissen, dass wir sie in den nächsten drei Jahren immer wieder sehen werden, da dies unsere Übernachtungsmöglichkeit in Bo ist und wir für die Arbeit regelmässig nach Bo gehen werden.

Freitag, 24. April 2009

Schwitzen, Waschen and the daily life

Wir sind seit einer Woche in Bo und was uns ständig begleitet ist.... SCHWITZEN!! Gerade jetzt sitze ich vor dem Computer und bewege nur meine Finger aber der Schweiss (und das ist kein Witz und nicht übertrieben) läuft nur so an mir runter. And now we are running out of clothes! Denn habt ihr schon mal DRECKIGE Kleidung per Hand gewaschen? Mit dem Ziel, dass sie einigermassen wieder sauber wird? No chance.... die Arme werden lahm vom Auswringen und die Hände wund vom Schrubben und die Kleidung bleibt dreckig! Ich verweichlichte Europäerin, grins! 
Auf alle Fälle haben wir seit einer Woche nicht mehr gewaschen und wenn wir morgen nach Freetown zurückfahren, wird der Sonntag wohl unter anderem fürs Waschen (die dreckigen Kleider, die dreckig bleiben aber wenigstens nicht mehr stinken und nach dem bügeln dreckig aber frisch sind, hihi) hinhalten müssen. 
Heute waren wir in Kenema (ca. 1h von Bo mit dem Auto) und haben dort den Father Kombe, der dort für die Justice and Peace Commission arbeitet, getroffen. D.h. wir haben ihn gesucht, da wir ihn vor unserer Abfahrt nicht per Natel erreichen konnten wohl aber erwartet werden sollten. Nach einem Abstecher beim Pastoral Center und einigen Zufällen konnten wir uns schliesslich doch treffen.
Und jetzt gerade noch die brandaktuellsten News aus Bo: Als um 19.30 der Generator angestellt wurde und Licht und Ventilator zu Leben erwachten, freuten sich Philipp und Annick auf einen gemütlichen Abend im Wohnzimmer. Zehn Minuten später wurden sie jedoch von einer wilden Schar fliegender Ameisen (oder sonstige Viecher die fliegen können), die durch das Licht angezogen wurden, in die Flucht geschlagen. Seither sitzen beide im halbdunklen Flur vor ihrem Computer, Annick mit den aktuellsten News aus Bo für den Blog und Philipp voll konzentriert vor einem englischen Mail. 
Ich hoffe, dass Philipp dieses Mail bald fertig hat, dann können wir nämlich hier raus, irgendwo (d.h. es gibt nur eine Wahl, das wir noch nicht viel kennen) etwas trinken gehen, das Licht löschen und hoffen, das die Viecher verschwinden. So, ich glaube es ist soweit!!! Tschüss ihr Lieben! We go see back.

Montag, 13. April 2009

Wir die Retter

Gestern Abend wollten Annick und ich noch einen kleinen Spaziergang in der Umgebung von unserem Hostel machen. Nach einigen Schritten sind wir einem Sierra Leoner begegnet, der ebenfalls im gleichen Hostel weilt und mir bisher sehr sympathisch war. Er hat uns gefragt, ob er uns auf unserem Spaziergang begleiten darf. Ich habe ihn gefragt, was er beruflich macht, weil er zu einem früheren Zeitpunkt einmal etwas von Zusammenarbeit erzählt hatte. Irgendwie war das die falsche Frage von mir! Denn er begann zu erzählen und zu erzählen, dass er so etwas wie (!!!) eine NGO im Landesinnern leite und wie ich im Bereich Justice und Peace arbeite. Instinktiv habe ich gespürt, dass das Gespräch in die falsche Richtung lief (er wurde auch immer monotoner) und da habe ich ihn nach seiner Familie gefragt, in der Hoffnung, dass das Gespräch ein wenig lebendiger wird. Wieder zurück bei unserem Hostel sagte er dann etwas von „Ich und Du und Zusammenarbeit und Unterstützung und Jesus und Kirche“. Auch wenn mir dann endlich klar wurde, dass er etwas von mir wollte, habe ich kein Wort verstanden, was er gesagt hatte. Dies habe ich ihm dann mit einem Lachen mitgeteilt. Er musste auch schmunzeln und versuchte sein Unternehmen noch einmal, das dann etwa so lautete: Du hast sicher Interesse, mich persönlich kennen zu lernen und damit auch das, was ich mache. Und ich mache etwas Gutes, also bist Du doch sicher interessiert, mich zu unterstützen, weil es den Armen zu Gute kommt und Du Mittelsmänner wie mich brauchst, um den ganz Armen helfen zu können.
Um ehrlich zu sein, ich habe mich dabei recht unwohl gefühlt, wollte ihn aber nicht vor den Kopf stossen und einfach sagen „Du kriegst kein Geld von uns“. Ich habe ihm dann geantwortet, dass wir zuerst einmal das Land und die Menschen kennen lernen wollen, insbesondere mein Arbeitsumfeld, bevor ich ihm ein Feedback auf seine (absolut unkonkrete) Bitte geben könne. So unangenehm die Erfahrung war, so war sie auch notwendig, mir bezüglich solcher Anfragen klarer zu werden, nämlich, dass ich grundsätzlich „Probleme“ nicht mit unserem Geld lösen will und kann und dies in Zukunft auch klar kommunizieren möchte. Doch gerade dies ist nicht so einfach, weil die Bitten so (schlau) vorgetragen werden, dass man sich schnell schlecht fühlen kann, wenn man Nein sagt. Damit ist nun aber endgültig Schluss!!!! Mal abwarten…….

Samstag, 11. April 2009

Taxi fahren und die Balanta Musicschool

Taxis... gibts hier jede Menge, sie sind durch einen gelben Streifen auf der Seite markiert! Natürlich mit Air-condition, grosses Auto, Kilomenterzähler... I´m joking!! (übringens, gerade haben ein paar Jungs hier vorne ihre Lautsprecher auf der Strasse aufgestellt und erfreuen uns mit lauter Musik!) Zurück zu den Taxis: Es sind Klapperkisten, meistens gucken irgendwo ein paar Kabel raus, der Rückspiegel ist meistens weg oder kaputt und die Pneus und Federung sind irgendwie schräg, ich meine dies im Sinne von: schief.
Wenn man irgendwo hin will, stellt man sich an die Strasse und wenn ein Taxi vorbei kommt, dass nicht voll ist (d.h. drei Personen hinten und eine vorne...normalerweise), dann schreit man seinen Destinationswunsch ins Innere des Vehikels! Wenn man Glück hat und der Fahrer fährt in die Richtung, kann man einsteigen, ansonsten wartet man einfach auf das nächste.
So habe ich schon meine ersten Erfahrungen ganz alleine in Freetown gemacht und bin mit den Taxis schon die Strecke von unserem Hostel zur Balanta Musicschool gefahren, und ich muss sagen, dass ich mich als weisse Frau einigermassen wohl fühle. Es ist zwar schon so, dass wenn ich mit Philipp unterwegs bin (der immer wieder für meinen Bruder gehalten wird, hihi) ich mich noch ein bisschen wohler fühle, und vielleicht ein bisschen weniger angequatscht werde. Wobei sich das Anquatschen in Grenzen hält, es ist nicht so schlimm, wirklich. Nichts im Vergleich z.B. zu Marokko....!

Ich war übrigens in der Balanta Musicschool zu Besuch, wollte mich einfach mal informieren, was es dort so gibt. Unterdessen habe ich schon Klavier- und Gesangsunterricht gegeben und mich mit einer Band unterhalten, die gerne mehr zu Jazz lernen will. Nächste Woche werde ich mich mit der Verantwortlichen, Kitty, über die nächste Zunkunft und eine "Anstellung" bei der Musicschool unterhalten. Wobei man sich das nicht wie in der Schweiz vorstellen muss, mit Vertrag, geregelten Zeiten etc... vieles sind mündliche Vereinbarungen (solange es nicht um viel Geld geht, grins) . Wir werden sehen!! Small, small, langsam, langsam! Könnt ihr euch vorstellen, dass ich schon drei Kilo an Geduld zugenommen habe?? He he, ich?? Ja ja....

Seid allerliebst gegrüsst und es ist schön, dass ihr uns auf der Reise begleitet. Ihr seid jederzeit dazu eingeladen, eure Kommentare zu schreiben (für Bloganfänger: Einfach auf Kommentar drücken und dann schreiben....)
Annick

Donnerstag, 9. April 2009

kleiner Rückblick

Wenn ich dauf die letzten 4 Wochen zurückblicke, staune ich, was wir schon alles erlebt haben und dass bereits eine gewisse Art Alltag einkehrt ist. Insbesondere die Begegnungen mit Menschen waren sehr spannend. Es wird gesagt, dass Sierra Leone ausländische Besucher besonders freundlich aufnehme, so erleben wir das auch. So meinte der Bruder meines Chefs, dass im Falle eines Streites in der Öffentlichkeit zwischen einem Sierra Leoner und einem Ausländer die umstehenden Personen in der Regel Partei für den Ausländer ergreifen würden, um diesen zu beschützen.

Als besonders herzlich haben wir bisher die Begegnungen mit verschiedensten "Schwestern"(katholisch) empfunden. Zum Einen, weil diese sofort auf uns zukamen und sich für uns interessierten, zum Anderen, weil sie einen tollen Humor haben. Sie entsprechen in keiner Weise dem Bild einer alten, ernsten oder verkorksten Nonnen, welches wir manchmal in Europa haben. Was sie daneben noch auszeichnet, ist ihre Hartnäckigkeit in ihrer Arbeit wie z.B. bei der Leitung von Schulen oder Traumaarbeit.

Daneben fühlen wir uns auch von meinem Team sehr aufgenommen. Wir werden in allen Bereichen unterstützt, also nicht nur was die Arbeit betrifft, sondern in Dingen wie Wohnungssuche, wo Kleider kaufen, die Stadt zeigen, etc.
Anhand von den Bildern auf unserer Webseite könnt ihr erkennen, das Basketball eine nicht unwichtige Rolle bei uns spielt. Es hat sich inzwischen schon rumgesprochen, dass eine "weit uman" mit den Männern Basketball spielt. Für mich ist das Basketball spielen deshalb so wertvoll, weil wir so mit anderen Menschen in unserem Alter ganz unmittelbar in Kontakt sein können, ohne viel sprechen zu müssen. Und zudem tut es unendlich gut, sich körperlich zu betätigen, um sich ein wenig von den vielen Eindrücken zu erholen.

Bisher haben wir auch viel Zeit in unserem Hostelzimmer verbracht, da dies unser einziger Rückzugsort ist. Meistens liegen wir auf dem Bett, spielen Sequence, lesen (Annick) oder hören Musik. Natürlich gibt es auch Hausarbeit wie waschen (natürlich Handwäsche), bügeln (ist hier notwendig, weil eine gewisse Tumbu-Fliege gerne ihre Eier in nasse Kleider legt.....) oder organiseren, dass jemand unser Zimmer putzt. Letzteres ist nicht immer eine formelle Sache, da oft ein anderes Zeitverständnis besteht. Wenn ich das erste Mal den Angestellten bat, unser Zimmer in einer halben Stunde zu putzen, hat er auch schon geantwortet "no problem" und ist dann in den nächten 2 Stunden nicht erschienen. Als ich ihn dann aufgesucht habe und ihn gebeten habe, er möge bitte unser Zimmer putzen, hat er mich ungläubig angesehen und gefragt "jetzt gleich". Da habe ich gesagt "Ja" und er wie immer "no problem", ist dann aber tatsächlich gekommen.

Vieles läuft hier in einem langsamerem Tempo als gewohnt ab: der Verkehr rollt bei ca. 20km/h, die Leute laufen ob der Hitze langsamer; der Arbeitsrhythmus ist ebenfalls langsamer, da z.B. zuerst der Generator angeschaltet werden muss, nur ein Computer da ist für das ganze Team und und und.

Ein echtes Higlight ist jeweils der Ausflug zum Meer. Das Wasser ist herrlich warm und wir geniesssen es im Wasser zu plantschen und auf dem weichen Sand zu sitzen und das Meer zu beobachten. Eine echte Erholung. Leider nicht immer, wie z.B. letzten Sonntag, als eine Frau mit einer Schale vor uns stehen blieb und uns um Geld bat. Als wir ihr sagten, dass wir kein Geld geben, blieb sie einfach vor uns stehen und streckte die Schale praktisch Annick ins Gesicht. Auch nachdem wir mit Vehemenz wiederholten, dass wir nichts geben, rührte sie sich nicht. Wir haben beide gemerkt, dass wir wütend wurden, da wir einfach nur Ruhe wollten. Nach einigen Minuten ist sie schliesslich mit einem Murren von dannen gezogen.

Diese Situation gibt Euch vielleicht einen Eindruck, dass nicht alles so "easy" abläuft. Häufig merke ich, dass meine Nerven beansprucht sind und ich nur selten ganz abschalten kann. Dies ist für Schweizer wie uns sehr ungewohnt, wir sind ja gewohnt, dass wir sogar an öffentlichen Orten wie z.B. im Zug unsere Ruhe haben. Umso wichtiger ist, dass wir nun einen Vorvertrag für die bereits beschriebene Wohnung in der Tasche haben. Und in rund 2 Wochen können wir dort einziehen und unser Reich einrichten.

Meine liebe Frau liegt neben mir auf dem Bett. Sie liest mal wieder und ist ganz friedlich. Sie scheint mir ohnehin viel ausgeglichener als ich zu sein. In wenigen Minuten geht sie in die Stadt und gibt ihren bereits 2. Singunterricht in der Balanta Music School. Sie wird Euch bald mehr darüber berichten........(in der nächsten Folge.....wie bei einer Fersehserie endet es immer, wenn es gerade spannend wird....)

Liebe Grüsse, wo auch immer ihr seid

Samstag, 4. April 2009

Unsere Wohnsituation

Wir wohnen immer noch in einem einfachen Hostel, welches sich im gleichen Gebäude wie mein Office befindet. Grundsätzlich ist das Zimmer in Ordnung, wobei wir uns schon freuen, wenn wir ein eigenes Heim haben. Wir haben deshalb in den ersten 2 Wochen viele Wohnungen angesehen, wobei die Agenten (man muss über Agenten gehen, da es keine Internet- oder Zeitungsannoncen gibt) uns entweder besonders grosse Häuser, die entsprechend teuer waren oder Wohnungen gezeigt haben, in denen wir nicht freiwillig wohnen würden. Glücklicherweise gab es eine Ausnahme. Dies ist eine noch fertigzustellende Wohnung mit 3 Schlafzimmern, einem grossen Wohnzimmer mit anschliessendem Esszimmer, Küche und 2 Badezimmern. Wenn wir Glück haben, können wir Ende April einziehen. Zuerst müssen wir uns aber noch mit dem Eigentümer über den Preis und die Bedingungen des Mietvertrages einigen. Wie wir von anderen Europäern gehört haben, ist das Verhandeln mit den Eigentümern (diese sind meistens Libanesen) nicht ganz einfach. Vielen wurden Versprechungen gemacht, die nachher nicht eingelöst wurden. Als Anwalt bin ich natürlich auf der Hut. So wird von uns als Mietern verlangt, dass wir Vertrauen haben sollen, dass die Wohnung bis Ende April fertig gestellt wird, wir hingegen sollen schon mal eine Anzahlung machen, damit die Arbeiter bezahlt werden können. Gut, dass mein Chef Erfahrung im Abschluss von Mietverträgen hat und mit uns zum Verhandlungsgespräch am nächsten Dienstag kommt. Wenngleich mir das Mietrecht als Rechtsgebiet am nächsten steht, so gibt es hier doch ganz andere Dinge zu beachten als in der Schweiz. Hier ist z.B. die Frage nach genügend Wasser oder Strom sehr zentral.
Wir hoffen sehr, dass es mit der Wohnung klappt, dann hätten wir nämlich auch genügend Platz für Besucher aus Europa! Wir können dann endlich auch mal etwas kochen oder backen und haben ein wenig mehr Privatsphäre, was wichtig ist in diesem intensiven Umfeld. Wir wollen uns schliesslich nicht ewig gegenseitig in unserem kleinen Zimmer auf den Wecker gehen...Aber noch gehts ganz ordentlich!!!

Ein Junge namens Mohammed

Als wir letzte Woche einmal Basketball spielen gegangen sind, haben wir auf einmal am Seitenrand des Spielfeldes einen ca. 10-jährigen Jungen gesehen, der sich am Boden vor Schmerzen gekrümmt hat. Neben ihm sassen andere Spieler (in unserem Alter), die den Jungen aber nicht beachteten. Als ich den Jungen sah, wusste ich im ersten Moment nicht, ob ich etwas tun sollte. Denn als Weissnase empfinde ich es manchmal als sehr delikat, wenn ich in etwas eingreife, was mich vielleicht nichts angeht oder von dem ich nichts verstehe. Ich habe mich dann entschieden, ihn einfach zu fragen, was passiert und ob er ok sei. Habe mich ziemlich hilflos gefühlt, als er nicht geantwortet hat. Ich habe dann einen Spieler daneben gefragt, was passiert sei und er hat mir gesagt, dass ein älterer Spieler dem kleinen Jungen in den Bauch geschlagen habe, weil er von diesem geärgert worden sei. 
Ich habe mich später mit Annick über diese Situation ausgetauscht und wir haben beide für uns festgestellt, dass es nicht einfach ist, wie sich in diesen Situationen zu verhalten. 
Gestern waren wir wieder einmal auf dem Basketballplatz und ich habe für mich ein wenig gedribbelt. Neben mir standen mehrere kleine Jungen und auf einmal kam einer von diesen auf mich zu und sagte: Philipp, willst Du wissen, wie ich heisse? Ich habe geantwortet: klar. Mit strahlenden Augen sagte er darauf, dass er Mohammed heisse und dass er der Junge sei, der letzte Woche auf dem Boden gelegen habe. Die Art und Weise, wie er mir dies sagte, hat mich berührt.

Ruhe??? Lärm!!!

Wenn wir uns in der Innenstadt bewegen, hören wir von allen Seiten immer wieder Musik. Hinzu kommt, dass die Leute meistens mit lauter Stimme sprechen, also nicht so verhalten wie wir Schweizer. Das ist an und für sich kein Problem für uns (Wir haben es denn auch gleich eingesehen.....). Beim Basketball spielen ist es denn auch meistens so, dass alle sich anschreien, wenn es eine Unklarheit in Bezug auf ein Foulspiel gibt. Die können sich so richtig erheitern und zwar ohne dass es zu Handgreiflichkeiten kommt. Manchmal ein echtes Schauspiel. Sitzen wir in einem Restaurant, dann wird ebenfalls häufig laute Musik gehört. Die Leute hören meistens eine Art Reggae, gemischt mit Pop und Hip Hop; auf jeden Fall nicht sehr entspannende Musik für mich. Wenn ihr nun meint, dass es so etwas wie Nachtruhe gibt, dann liegt ihr ganz daneben. Wir wohnen zur Zeit immer noch in einem einfachen Hostel und die Räume sind so konzipiert, dass jeweils die Badezimmer aneinander angrenzen, wobei sie nur durch eine einfach Mauer und oben durch ein Moskitonetz getrennt sind. Wir hören also ständig das Radio unserer Nachbarn. Wir sind schon froh, wenn sie einfach Musik hören und nicht irgendeinen religiösen Sender, weil deren Prediger mit ganz schön auf den "Keks" gehen. Der wirkliche Lärm kommt aber von ausserhalb. Neben unserem Hostel hat es ein zwei Bars, die jeweils am Freitag und Samstag Discomusik in voller Lautstärke hören und dies bis in die frühen Morgenstunden. Dann gibt es manchmal eine Ruhephase bis Sonnenaufgang, denn dann hört man den Muezzin, wobei dessen Stimme im Vergleich zur manchmal penetranten Musik schon angenehm klingt. 
Was gut ist, dass wir uns grundsätzlich nicht über den Lärm aufregen. Wir haben es akzeptiert, dass das zu Freetown gehört. Wir suchen uns aber immer wieder Plätze, wo es ein weniger ruhiger ist, wie z.B. am Strand oder in einzelnen Restaurants. Natürlich gibt es auch Zeiten, in welchen es ruhiger ist in unserem Hostel wie gerade jetzt. Und das geniessen wir dann doppelt!