Montag, 13. April 2009

Wir die Retter

Gestern Abend wollten Annick und ich noch einen kleinen Spaziergang in der Umgebung von unserem Hostel machen. Nach einigen Schritten sind wir einem Sierra Leoner begegnet, der ebenfalls im gleichen Hostel weilt und mir bisher sehr sympathisch war. Er hat uns gefragt, ob er uns auf unserem Spaziergang begleiten darf. Ich habe ihn gefragt, was er beruflich macht, weil er zu einem früheren Zeitpunkt einmal etwas von Zusammenarbeit erzählt hatte. Irgendwie war das die falsche Frage von mir! Denn er begann zu erzählen und zu erzählen, dass er so etwas wie (!!!) eine NGO im Landesinnern leite und wie ich im Bereich Justice und Peace arbeite. Instinktiv habe ich gespürt, dass das Gespräch in die falsche Richtung lief (er wurde auch immer monotoner) und da habe ich ihn nach seiner Familie gefragt, in der Hoffnung, dass das Gespräch ein wenig lebendiger wird. Wieder zurück bei unserem Hostel sagte er dann etwas von „Ich und Du und Zusammenarbeit und Unterstützung und Jesus und Kirche“. Auch wenn mir dann endlich klar wurde, dass er etwas von mir wollte, habe ich kein Wort verstanden, was er gesagt hatte. Dies habe ich ihm dann mit einem Lachen mitgeteilt. Er musste auch schmunzeln und versuchte sein Unternehmen noch einmal, das dann etwa so lautete: Du hast sicher Interesse, mich persönlich kennen zu lernen und damit auch das, was ich mache. Und ich mache etwas Gutes, also bist Du doch sicher interessiert, mich zu unterstützen, weil es den Armen zu Gute kommt und Du Mittelsmänner wie mich brauchst, um den ganz Armen helfen zu können.
Um ehrlich zu sein, ich habe mich dabei recht unwohl gefühlt, wollte ihn aber nicht vor den Kopf stossen und einfach sagen „Du kriegst kein Geld von uns“. Ich habe ihm dann geantwortet, dass wir zuerst einmal das Land und die Menschen kennen lernen wollen, insbesondere mein Arbeitsumfeld, bevor ich ihm ein Feedback auf seine (absolut unkonkrete) Bitte geben könne. So unangenehm die Erfahrung war, so war sie auch notwendig, mir bezüglich solcher Anfragen klarer zu werden, nämlich, dass ich grundsätzlich „Probleme“ nicht mit unserem Geld lösen will und kann und dies in Zukunft auch klar kommunizieren möchte. Doch gerade dies ist nicht so einfach, weil die Bitten so (schlau) vorgetragen werden, dass man sich schnell schlecht fühlen kann, wenn man Nein sagt. Damit ist nun aber endgültig Schluss!!!! Mal abwarten…….

4 Kommentare:

  1. Hoi Zwitschi
    Wir die "Retter" wurde fuer solche Situationen nicht trainiert vorher oder wenigstens diskutiert wie man damit fertig wird? Freue mich sehr ueber all die Berichte von Euch beiden und die Fotos sind auch sehr gut und man kann sich alles besser vorstellen. Alles Liebe Anja

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  2. Hallo Anja, diskutiert schon, aber jede Situation ist wieder anders. Es ist z.B. ganz anders, wenn Dich einfach jemand von der Strasse fragt oder jemanden, mit dem Du näher in Kontakt gekommen bist. Also mehr ein learning by doing wie das Meiste hier. Natürlich war die Vorbereitung hilfreich, doch können viele Dinge erst hier wirklich erlernt werden. Es freut uns, dass Dir die Berichte und die Photos einen kleinen Eindruck von unserem Leben hier geben. Alles Liebe, Zwitschi

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  3. Lieber Zwitschi
    Liebe Annick

    Vielen Dank für die interessanten Texte und Fotos. Es macht Spass, Euch auf diese Weise zu begleiten.

    Liebe Grüsse
    Yves

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