Samstag, 27. Juni 2009

Malaria und Taxi-Streik

Hallo ihr Lieben!
Es ist doch schon einige Zeit her, dass ich im Blog geschrieben habe. War ziemlich beschäftigt mit dem GTZ-Job, der Musikschule, Basketball und alltäglichen Kleinigkeiten, sodass ich am Wochenende grad mal ein paar Mails beantworten konnte und sonst mich mit Film, Sequence-Spielen mit Zwitschi, lesen, gemütlich essen etc... entspannt habe.
Nun ist es leider soweit, dass seit gestern bei Zwitschi die Malaria ausgebrochen ist. Nicht erschrecken, halb so schlimm, die Behandlungsmedikamente sind bei uns, jetzt braucht es einfach Ruhe und aushalten. Die Symptome sind klar: Fieber, Gelenkschmerzen, Kopfweh und Schüttelfrost, und das alles in Schüben. Zwischendurch fühlt Zwitschi sich dann gut, bis der nächste Schub kommt. Doch in drei Tage sollte das Ganze hoffentlich vorbei sein.

Vor einigen Tagen haben die Taxis am Morgen gestreikt. Ich gehe jeweils zweieinhalb Tage pro Woche bei der GTZ arbeiten, wobei ich für die Fahrt zum Büro die öffentlichen Taxis benutze (hab ja schon mal was zum Taxi-Fahren geschrieben:-)). Nun, dieses Mal musste ich mir was einfallen lassen, wie ich zur arbeit komme, denn Zwitschi war schon mit dem Auto zu einem Workshop unterwegs. Hier gibt es verschiedene Transportmöglichkeiten: die Taxis, die Pota-Pota (Kleinbusse, die vollgestopft sind und den Hauptrouten entlang fahren) und Okadas (Motorradfahrer). Einige von Euch wissen ja, wie es mit meinen Erfahrungen mit Motorradfahren steht (hehe, Mallorca mit 16, kleiner Unfall mit Schlüsselbeinbruch). Ich glaube seither war ich nicht mehr auf einem Motorrad. Doch irgendwann darf man wohl seine Erfahrungen bereichern, d.h. ich habe dann ein Motorrad angehalten und der hat mich zur Arbeit gefahren. Ein Erlebnis! Ich habe ich am Anfang ganz ganz klar gesagt, dass ich Zeit habe und möchte, dass er vorsichtig fährt!! (Denn hier gibt es Kamikaze-Motorrad Fahrer. Vielen von den Fahrern sind ehemalige Kämpfer aus dem Krieg, die nach dem Krieg von statt ein Motorrad von Organisationen bekommen haben).  Mein bikerider war dann auch wirklich vorsichtig, dass war gut! Es hat sich dann herausgestellt, dass er nur heute fahren würde (wahrscheinlich wusste er, dass die Taxis streiken und er heute Geld machen kann, grins) und sonst als Bestatter (Begräbnisse) arbeiten würde. Manche Begegnugen sind schon lustig und erstaunlich! Immer wieder entdecke ich ganze Geschichten hinter den einzelnen Menschen, die vielfältig und reich sind!

So, das wars für jetzt, eine kleine Episode aus unserem Leben hier!!
Seid von Herzen gegrüsst, Annick

Samstag, 20. Juni 2009

Father Peter Konteh, mein Chef

Er arbeitet bestimmt 18 Stunden am Tag. Er engagiert sich mit Leib und Seele für die ärmeren Leute in Sierra Leone. Während des Krieges setzte er sich mit allen Mitteln für den Frieden ein und überzeugte - mit anderen Geistlichen (christliche und muslimische) - die UN in New York, Friedenstruppen nach Sierra Leone zu senden. Er wird in weiten Kreisen als integre Persönlichkeit(davon gibt es hier nicht viele) geschätzt, was sich soweit mit unserer Erfahrung und Wahrnehmung deckt. Innerhalb der Kirche nimmt er die Rolle als Präsident aller Priester in Sierra Leone war und ist gleichzeitig der wichtigste Berater der Erzbischofs. Klar, dass ob all diesen Tätigkeiten manchmal die Zeit fehlt, mir in meiner Arbeit als Chef beizustehen.
Stolz präsentiere ich Euch Annick sowie unseren Nissan Patrol. Streng genommen gehört er nicht uns, wir dürfen ihn aber für die Arbeit und auch privat gebrauchen. Da die Strasse in Sierra Leone (teilweise auch in Freetown) sehr schlecht sind, braucht man einen 4WD. Ist schon wahnsinnig: Wir hatten noch nie ein Auto und jetzt steht und dieser Nissan zur Verfügung

Sonntag, 14. Juni 2009

Meine Arbeit

Nachdem ich in den ersten Wochen nur sehr sporadisch in unserem Office war - Annick und ich haben diese Zeit genutzt, um uns an all das Neue zu gewöhnen, inklusive Wohnungssuche – hat mich meine Arbeit inzwischen richtig gefangen genommen. Ich arbeite für Caritas Freetown and Bo; das ist die NGO der katholischen Kirche, die sich um Entwicklungsprojekte innerhalb der Diözese Freetown und Bo kümmert. Diese Caritas hat verschiedene Departemente und ich bin Berater der Justice and Peace Commission, welche seit März offiziell besteht. Diese Commission/Departement hat sich zur Aufgabe gesetzt, in allen Kirchgemeinden der Diözese (etwa ¾ der Fläche von der Schweiz) jeweils eine Subcommission einzusetzen. Diese sollen aus wichtigen Personen unterschiedlicher Religionen zusammengesetzt werden (in Sierra Leone leben ca. 50% Muslime, 30% Christen und 20% Andere). So sollen dort z.B. ein local chief, ein Repräsentant der dortigen Frauenorganisation, ein Priester, eine muslimische Autorität etc. präsent sein. Nach der Formation dieser Gruppen, bei welcher die Commission behilflich sein wird, werden wir die Leute fragen, welche Probleme sie in Bezug auf Justice, Peace und Human Rights haben. Meistens sind dies – wie ich bisher wahrgenommen haben – Probleme wie der Umgang mit Konflikten (besonders innerhalb von Familien), häusliche Gewalt, rechtliche Unterstützung bei legalen Konflikten. Es ist der Commission ein Anliegen, dass die Leute vor Ort selber entscheiden, an welchen Problemen sie arbeiten wollen. Denn in der Entwicklungszusammenarbeit ist es leider überwiegend so, dass die Geldgeber in Europa oder Amerika entscheiden, welche Projekte lanciert werden sollen, ohne eine genauere Abklärung vor Ort getätigt zu haben. Da wir bislang über nur wenig Mittel verfügen (die Finanzkrise zeigt sich in diesem Bereich sehr stark) werden wir vor allem die Rolle übernehmen, den ganzen Prozess vor Ort zu facilitaten. Indem wir mit Ihnen Ihren Plan erarbeiten, wie sie Ihre Probleme lösen wollen und indem wir regelmässig vorbei kommen, um zu schauen, wo sie stehen.
Da wir aber nur über ein kleines Budget verfügen, ist es bereits schon schwierig, regelmässig weitere Strecken mit dem Auto zurückzulegen, da die Benzinkosten hoch sind. Dies wiederum hat zur Folge, dass eine ständige Begleitung sehr erschwert wird und dies wiederum den Erfolg des ganzen Projektes gefährdet. Dies ist nur ein Beispiel der schwierigen Arbeitsbedingungen, die hier in Sierra Leone herrschen.

In den letzten Wochen hat sich immer stärker herauskristallisiert, was meine Aufgabe sein wird. Es wird wohl aber noch einige Zeit brauchen, bis wirklich alles geklärt wird (was wohl nie der Fall sein wird, anderes Land, andere Sitten…). Ich werde hauptsächlich mit dem Programm-Manager (dem Hauptverantwortlichen für das tägliche Geschäft) der Justice and Peace zusammen arbeiten und diesen unterstützen. Meinem Chef, der Direktor von Caritas Freetown and Bo und somit auch von dieser Commission ist, habe ich vor 3 Wochen klar gemacht, dass nicht ich die Stelle als Programm-Manager übernehmen werde, auch faktisch nicht, da ich nach 3 Jahren wieder gehe und dann kein Loch entstehen sollte. Ich habe ihm dies so klar sagen müssen, da in den ersten niemand von den bereits angestellten Personen (eine 42-jährige Frau, ein 22-jähriger Uniabsolvent sowie ein engagierter Anwalt, der aber zu 120% anderswo engagiert ist; alle Sierra Leoner) die Hauptverantwortung übernommen hat. Es lag meistens an mir, zu schauen, dass wichtige Dinge erledigt werden. Glücklicherweise ist mein Chef auch der Meinung, dass ich grundsätzlich lediglich als Berater agieren soll und nicht derjenige bin, der die Hauptverantwortung für die Umsetzung trägt. Diese Klärung hat mich sehr erleichtert.

Bis zum jetzigen Zeitpunkt ist immer noch unklar, wer welche Position übernehmen wird und wer noch angestellt werden muss. Auch die Jobbeschreibungen der einzelnen Personen müssen noch erarbeitet werden. Dies liegt sicherlich daran, dass mein Chef meistens in Bo ist und Strukturierung nicht seine Stärke ist. Dafür hat er andere Stärken, besonders im menschlichen Bereich, worüber ich froh bin.

Als ich ankam, stand der Commission lediglich 1 Raum zur Verfügung, mit 3 kleinen, klapprigen Tischen! Dies hat sich bis heute kaum verbessert. Wir arbeiten entweder mit meinem Laptop oder einem anderen Computer, der leider aber meist besetzt ist. Ich habe mir das Ziel gesetzt, den Bürobetrieb um einiges effizienter und effektiver zu gestalten. Ich bin mir bewusst, dass dies ist ein ehrgeiziges Ziel in Sierra Leone ist. Und ich kann diesen Prozess nur in dem Tempo meines Teams gehen. Denn sobald ich versuche, meine Ideen auf sie zu übertragen, gibt es klaren Widerstand. Ich werde mich in den nächsten Wochen mit dem Team zusammensetzen und wir werden dann zusammen erarbeiten, unter welchen Umständen sie erfolgreich arbeiten können.

Neben dieser Managementarbeit werde ich viel mit den Subcommissions der Gemeinden arbeiten, sobald diese gebildet sind. Ich werde zusammen mit meinem Team Workshops zu Menschenrechtssensibilisierung, Mediation, Kommunikation und ähnlichem halten. Dies wird wohl erst Ende Jahr beginnen. Bis dahin werden wir uns zum einen mit wichtigen Personen in den Gemeinden bekannt machen und zum anderen werde ich die Zeit nutzen, um mit dem Team die Fähigkeiten zu arbeiten, welche die einzelnen Personen für die kommenden Arbeiten brauchen. Dieses capacity building ist eine weitere Aufgabe von mir. Es reicht von Computergrundkenntnissen, einen Bericht verfassen, Kommunikation und Mediation, ein Interview vorbereiten und führen, sich selber in der täglichen Arbeit organisieren; also von A-Z. Ich beanspruche nicht, dass ich in all diesen Bereichen ein Profi bin. Und doch realisiere ich, dass ich durch die eine oder andere Massnahme die einzelnen Personen unterstütze. Im Grossen und Ganzen ist meine Arbeit sehr abwechslungsreich und ich bin ständig mit Menschen im Kontakt, wie ich mir dies gewünscht habe. Deshalb befriedigt mich diese Stelle sehr. Nur hätte ich nicht gedacht, welche täglichen Herausforderungen damit verbunden sind, dass ich in einer anderen Kultur arbeite. Mehr dazu in einem anderen Beitrag.

Mittwoch, 10. Juni 2009

1. Hochzeitstag in Liberia!

Am letzten Sonntag, den 7. Juni haben wir unseren ersten Hochzeitstag gefeiert. Es kamen schöne Bilder auf; wie wir mit Euch gelacht und getanzt haben. Wir hätten vor gut einem Jahr niemals gedacht, dass wir uns ein Jahr später in Monrovia, der Hauptstadt von Liberia befinden würden. So spannend ist wohl das Leben. Grund für diesen 5-tägigen Trip war, dass wir die dortige Justice and Peace Commission studieren wollten, damit wir von Ihnen lernen können. Da mein Chef den Stellvertreter des Bischofs gut kennt, konnten wir bei diesem übernachten. Wir erwähnten dann am 6. Juni, dass wir am 7. Juni unseren ersten Hochzeitstag feiern werden. Am 7. Juni dann, gingen wir zusammen in die Kirche, da eine Frau von Rwuanda über ihre persönlichen Erfahrungen in Bezug auf den Völkermord in Rwuanda erzählten sollte. Nach Ihren Erzählungen, die Teil der Messe waren, bat der Stellvertreter des Bishofs (der die Messe leitete) ein Paar nach vorne zu kommen, welches in der letzten Woche auch seinen Hochzeitstag feierte. Und dann bat er auch uns, seine Gäste aus Sierra Leone nach vorne zu kommen, weil es ein Brauch sei, dass die Hochzeitspaare jedes Jahr ihren Segen für weitere glückliche Jahre von den Priestern erhalten. Jetzt kann also nichts mehr schief gehen! Es war eine schöne Zeremonie, ganz unerwartet und doch berührend. Ich schätze ich mich sehr glücklich, all die Erfahrungen hier mit meiner geliebten Annick teilen zu können. Ehrlich gesagt, hätte ich es nie gedacht, dass wir es so lange in einem so kleinen Zimmer aushalten können, ohne uns ständig auf den Geist zu gehen.
Danke Euch allen für die Gratulationen und Euer Anteil nehmen!