Dienstag, 28. Juli 2009

Endlich........

Nach 4 langen Monaten in einem Zimmer haben wir eine Wohnung gefunden und gestern den Mietvertrag unterzeichnet. Es handelt sich um eine 3-Zimmerwohnung mit Blick auf das Meer! Das grosse offene Wohnzimmer und der Balkon bilden das Prunkstück dieser Wohnung. Die Küche, die Zimmer und die WC´s sind einfach und gemacht. Wir leben zusammen mit dem sierra leonischen Landlord und dessen Familie in einem Compound. Es hat sogar einen kleinen Garten, falls wir etwas anpflanzen wollen. Wir können ab Mitte August in unser neues Heim einziehen, worauf wir uns sehr freuen. Jetzt müssen wir die notwendigen Möbel beschaffen, damit sich unsere ersten Besucher (ab September) auch schön wohl fühlen.
Was lange währt, wird gut; das hoffen wir auf jeden Fall!

Samstag, 25. Juli 2009

"Alles genommen"

Ein Arbeitskollege von mir, unser Fahrer, hatte in der Vergangenheit jeden Penny gespart, um sich mal ein Flecken Land zu kaufen und ein Haus darauf zu bauen. Wenn man bedenkt, dass ein Fahrer so wenig verdient, dass er damit nicht mal seine Familie ernähren kann, ist das ein fast unmögliches Unterfangen. Wie dem auch immer, unser Fahrer sparte so viel Geld, dass er sich vor einigen Jahren ein kleines Stück Land kaufen konnte (am äusseren Ende Freetowns) und ein einfaches Haus darauf baute. Nun ergab es sich, dass irgendein reicher Sierra Leoner Anspruch auf dieses Land erhob. Anstatt das laufende Gerichtsverfahren abzuwarten, welches von diesem eingeleitet worden war, demolierte er nun letzte Woche das Haus und brannte es zum Teil nieder. Die Polizei vor Ort bezahlte er, damit diese den Fahrer (illegal) verhafteteten, was diese auch taten. Leider geschah dies auf ziemlich brutale Art, sodass der Fahrer heute eine grosse Wunde am Unterarm hat. Ich bot ihm an, seinen einfachen Verband durch einen richtigen zu ersetzen und musste mit Erschrecken feststellen, dass man teils den Knochen sehen kann. Er und seine Familie wohnen nun verstreut bei Leuten, die sie aufgenommen haben. Er ist psychisch vollkommen am Boden und weiss nicht weiter. Das Vertrauen in das Gerichtssystem ist alles andere als gross. Mit einem Freund von ihm, ein anderer Arbeitskollege, haben wir Schritte in die Wege geleitet, dass er zusammen mit seiner Frau zu einer Traumaberatung gehen kann. Hoffentlich gibt ihm dies ein wenig vom Vertrauen ins Leben zurück.

Mittwoch, 15. Juli 2009

alter Laptop im Schrank?

Liebe Freunde, dies ist mal ein etwas anderer Beitrag. Ich will Euch anfragen, ob jemand von Euch im Besitze eines Laptops ist, der verstaubt oder seit Monaten/Jahren in der hintersten Ecke eines Schrankes liegt und nur darauf wartet, wieder gebraucht zu werden. Ich kenne da ein paar Leute, die von diesem Laptop Gebrauch machen könnten. Konkret: Mein Team der Justice and Peace Commission, bestehend aus momentan 6 Personen, verfügt über 2 Laptops (darunter einer für mich). Daneben gibt es vereinzelt die Möglichkeit, einen anderen Computer zu benutzen. Diese Arbeitsbedingungen erschweren natürlich ein effizientes Arbeiten, wie ihr Euch vorstellen könnt. Deshalb auch meine Anfrage an Euch. Über Rückmeldungen freue ich mich!

Dienstag, 7. Juli 2009

Beten in Sierra Leone

Der Glaube im alltäglichen Leben spielt in Sierra Leone eine ganz wichtige Rolle, wie auch in anderen afrikanischen Ländern. Ich habe schnell gelernt, dass in meiner Organisation jedes Meeting mit einem Gebet beginnt, in welchem um ein gutes Gelingen des Meetings gebeten wird. Und zum Schluss gibt es ebenfalls ein Gebet, als Dank für das Gelingen des Meetings. Dies gilt aber nicht nur für unsere Organisation, sondern auch für die meisten öffentlichen Events. Nur mit dem Unterschied, dass dann sowohl ein christliches wie auch ein muslimisches Gebet aufgesagt wird. Ich musste dann aber doch ganz schön staunen, als ich ein offzielles Basketballspiel bestritt. Zu Beginn des Spieles kamen die Spieler meines Teams zusammen. Anstatt eines "Schlachtrufes" wie "Team" oder "Defense" (wie in der Schweiz üblich) senkten die Spieler den Kopf und ein Spieler betete für das Team. Es wurde für ein gutes Spiel gebetet und auch dafür, dass mein Team den Sieg davon tragen werde. Über letzteres musste ich schmunzeln.

Was mich an dieser "Kultur des Gebets" besonders anspricht, ist die Tatsache, dass der Lärmpegel gesenkt und der hier vorherrschende Aktionismus für einmal der Ruhe Platz macht. Denn Ruhe oder Reflexion (über das eigene Handeln) stehen hier nicht hoch im Kurs. Ein hoher Würdenträger der Kirche sagte mir kürzlich, dass die Menschen in Sierra Leone die Stille kaum aushalten können und dies doch so wichtig sei, wenn es um Frieden mit sich selbst und damit auch um Frieden in ganz Sierra Leone gehe.

Montag, 6. Juli 2009

Malaria überstanden

Heute habe ich mich zum ersten Mal seit meiner Malaria-Erkrankung wieder richtig fit gefühlt. Sogar so gut, dass ich Basketball spielen gegangen bin und immer noch ganz ok bin. Angefangen hat das Ganze am Freitag vor einer Woche. Auf einmal habe ich gespürt, wie ein Schauer durch meinen Körpern insbesondere unter meine Haut hindurch, ging. Ich habe dann meinen Mitarbeitern mitgeteilt, dass ich mich kurz hinlegen werde (da wir noch immer keine Wohnung haben, konnte ich einfach einen Stock höher gehen und mich aufs Bett legen). Innerhalb einer Stunde stieg das Fieber von 37 auf 39,5. Schüttelfrost überkam mich und danach begann ich ganz schön zu schwitzen. Da auch die anderen Symptome von Malaria wie Kopfschmerzen sowie Gliederschmerzen spürbar waren, entschied ich mich, ohne Malaria-Test mit der Tabletteneinnahme (eine vorgeschriebene Malariabehandlung) zu beginnen. Das Fieber ging dann etwas zurück, meldete sich in der Nacht aber erbarmungslos zurück. Die Nacht war ein einziger Kampf und ich habe wohl nur dank Annicks Unterstützung wenigstens ein oder zwei Stunden geschlafen. Samstags hatte ich dann noch ein wenig Fieber und Sonntag fühlte ich mich schon wieder viel besser. Da habe ich mir natürlich gedacht, wie toll, dass alles so schnell vorüber gegangen ist. Diese Freude hat dann am Dienstag und Mittwoch der Ernüchterung Platz machen müssen, da ich wieder Fieber und Kopfschmerzen bekam. Zu diesem Zeitpunkt wurde es mir zu bunt und ich suchte den Vertrauensarzt der Deutschen Botschaft aus, der mich sehr gut beriet. Er erklärte mir, dass es verschiedene Malariamücken gibt und es sich in den letzten Jahren Resistenzen gegen die Malaria-Tabletten gebildet haben. Deshalb verschrieb er mir nochmals andere Tabletten, um die Malaria vollkommen zu heilen. Dies habe ich dann auch gemacht und freute mich bereits, als es mir besser ging. Nichts da. In der Nacht auf Freitag hatte ich dann ununterbrochen Durchfall, sodass ich mich am darauffolgenden Tag vollkommen kraftlos und müde fühlte. Diese Müdigkeit dauerte bis gestern an. 

Zur Info: Wir haben Malariaprophylaxe eingenommen, doch kann man dadurch eine Malariaerkrankung nicht ausschliessen, wie ich erleben durfte. Sie hat aber den Effekt, dass der ganze Leidensweg ein wenig "angenehmer" gestaltet wird. Ich habe die Malaria an und für sich gar nicht als so schlimm erlebt (wie eine starke Grippe), doch dauert es relativ lange, bis man wieder ganz fit ist. Es wirkt subtil weiter. Wir haben uns nun entschieden, die Prophylaxe auszusetzen, da erstens die Malaria für uns nicht mehr ein ungreifbare Schreckensgespenst ist und zweitens, weil es sich bei dieser Prophylaxe um ein Antibiotika handelt.

Ena, tenke tenke, this was more!