Mittwoch, 31. März 2010

Kanada?

Hier sind DIE News: Eine Frau aus der Promotion Branche in Kanada hat durch ihre Arbeit mit Schweizer Musikern (ist mir noch nicht ganz klar, wer und warum) meine Musik, die ich auf der myspace.com Website draufgeladen habe gehört, und nun lädt sie mich nach Kanada ein um dort meine selbstkomponierte Musik professionell aufzunehmen und sie dort zu promoten. Philipp und ich sind uns ernsthaft am überlegen, ob wir im August nach Kanada gehen wollen, denn die Homepage dieser Frau Danie ist professionell. Sie war vorher auch Sängerin. Sie würde sogar meinen Flug bezahlen (nicht den von Philipp). 
Ja, ja, wie schnell sich immer wieder alles verändert, das Leben ist spannend, die Fortsetzung folgt sehr bald....(wir müssen jetzt mal unsere Köpfe zusammenstecken und entscheiden, was wir machen wollen).
Jetzt werde ich mal bald in Bett gehen und von einer Musikkarriere träumen.... (vielleicht bald etwas mehr Realität??).... wir werden sehen!

Freitag, 19. März 2010

Nene

So heisst unsere "Putzfrau", die uns zwei mal in der Woche mit der Wäsche und der Reinigung hilft. Sie ist eine herzhafte Person, die wir gern gewonnen haben. Nachdem wir von unserer Berlin-Reise im Januar zurückgekehrt waren, hatte ich das Gefühl, dass sie nicht ganz glücklich war. Auf mein Nachfragen hin, erzählte sie, dass ihr Mann sie vor wenigen Tagen mitsamt den 4 Kindern (Alter zwischen 1-8 Jahren) aus dem Haus geworfen hatte. Dem Ganzen sei bloss ein Streit vorausgegangen. Klar, haben wir keinen Einblick, was sich wirklich ereignet hat. Doch haben wir nun schon mehrfach gehört, dass es nicht unüblich ist, wenn Männer ihre Beziehung zu ihren Ehefrauen/und auch Kindern schlagartig aufgeben und sich dann nicht wieder sehen oder miteinander kommunizieren. Dies ist wohl auch nur schon möglich, weil es sich um eine traditionelle Ehe handelt und diese vor dem Gesetz nicht geschützt ist. Also kein Gerichtsverfahren und von Ansprüchen der Frau ganz zu schweigen.

Vor gut zwei Wochen kam Nene zum arbeiten und erzählte uns , dass ihr Mann in der vorherigen Nacht in das Haus ihrer Mutter - wo sie inzwischen mit ihren Kindern wohnt - eingedrungen sei. Er forderte sie auf ein CD Gerät herauszugeben, was sie verweigerte. Daraufhin riss er ihr die Kleider vom Leib und verprügelte sie. Niemand schritt ein, war es doch mitten in der Nacht und hatte es nur Frauen zugegen, die selber Angst hatten. Nene meinte, dass sie sich so schäme und ihr Körper enorm schmerze. Wir sagten ihr, sie solle wieder nach Hause gehen und sich erholen, doch wollte sie ihre Arbeit tun. Einmal mehr haben wir natürlich nicht gewusst was machen und haben darauf vertraut, dass sie das tut, was ihr gerade am besten tut.

Wir haben uns beide ohnmächtig gefühlt, keine Worte oder Erklärungen, die Trost verschaffen können. Da gibt es in meiner Organisation ein Programm, das Opfern von Menschenrechtsverletzungen kostenlose Rechtsvertretung gewährt. Doch was nützt dies, wenn die Opfer Angst haben, irgendwelche Schritte gegen ihren Peiniger zu unternehmen und diese am liebsten einfach nicht mehr sehen wollen. Wenn solche Gewalt zum Alltag gehört und man sich gewöhnt, diese einfach zu ertragen ("you ge for biar" so ein häufig gebraucht Spruch, was heissen soll, "das musst Du halt ertragen"). Frauenhäuser wie in Europa gibt es "etwa ein Halbes" in Sierra Leone doch ist das für die meisten auch keine Alternative, da sie entweder davon nichts wissen oder sich ein Leben fern der Verwandtschaft/Freunde nicht vorstellen können.

Montag, 15. März 2010

Kitty, der Ballanta-Engel/


Das ist Kitty. Sie ist sowas wie das Herz von Ballanta. Vor 25 Jahren hat sie die Ballanta Academy of Music mitbegründet und seither (und wahrscheinlich schon früher) mischt sie kräftig in der kulturellen Szene in Sierra Leone mit. Sie hat eine unermüdliche Energie, Dinge anzupacken und zu erledigen und eine Engelsgeduld.... und natürlich jede Menge Erfahrungen. Sie ist mit einem sierra leonischen Mann verheiratet und hier Hauptintstrument ist Klavier. 
Seit Joseryl (die Acting Principal der Ballanta) für 6 Wochen nach Amerika ist (sie hat dort klassischen Gesang studiert und kann jetzt bei einer Oper dabei sein) teilen Kitty, Leslie und ich uns die Hauptaufgaben in der Ballanta. Theoretisch bin ich jetzt die Stellvertretung des Principals, aber irgendwie machen wir das zu dritt. Wo halt grad jeder ist, Zeit hat oder am meisten weiss. Eigentlich war Kitty seit ein- bis zwei Jahren pensioniert (sie hat immer noch viel nebenher gemacht, aber nicht nur in der Ballanta), doch der Betrieb und die Finanzen sind im letzten Jahr nicht sehr gut gewesen, und deshalb haben der Vorstand mich (als admin consultant) und auch Kitty (als Supervisorin) eingestellt. Die Team- und Admin-struktur wird ein wenig überarbeitet (mit Hilfe von einer englischen Musikschule, Wells Cathedral School), d.h. dieses Jahr wird es wohl ein wenig Änderungen geben. Das kann nicht schaden....
Ich von meiner Seite her, habe kundgetan, dass ich den Admin Job maximal bis Juli dieses Jahres besetzen will, da er mich zu sehr in Anspruch nimmt und ich kaum noch selber Musik machen kann. Ja, es hat mich gepackt hier, ich lerne Saxophon, werde eine Prüfung dazu ablegen, spiele und singe Jazz in unserer Band Groovy Colours, dann möchte ich eine Single aufnehmen mit einer meiner Eigenkompositionen....
Es gibt enorm viel zu tun, und das macht das Leben hier auch so spannend. Kleines Beispiel: Nebenbei spiele ich eine Rolle als Doktor in irgendeinem Film, den sie hier drehen (Lost identiy). Ich konnte wieder mal nicht nein sagen. Ich fühl mich völlig fehl am Platz, bin doch keine Schauspielerin (es ist gott sei dank nur eine ganz kleine Rolle), aber ich muss lachen, wenn ich daran denke, dass ich mich nachher im Film sehen kann (zwischen all den Sierra Leonern..., grins).

So, ich knuddle euch und schicke einen feuchten (weil jetzt die heisseste Zeit angebrochen ist und man immer, auch in der Nacht, einen Schweissfilm auf seiner Haut hat) Schmatz über den Ozean!

Samstag, 6. März 2010

effektives Arbeiten

Vorletzten Freitag ging ich motiviert zur Arbeit, schliesslich wollte ich vor dem Wochenende noch einige Dinge erledigen. Die meisten Organisationen arbeiten am Freitag nur bis ca. 13.00 oder 14.00 Uhr, da um diese Zeit jeweils das wichtigste Gebet der Muslime abgehalten wird. In Sierra Leone leben ca. 40% Muslime und 30% Christen. Bei der Arbeit angekommen, informiert mich mein Kollege Lansana, dass um 10.00 bei einer anderen Mitarbeiterin von Caritas eine Zeremonie statt finde. Mit der Zeremonie wird die Mutter der Kollegin geehrt, welche vor einem Jahr gestorben ist.

Das ist ja wieder einmal in allerletzter Minute kommuniziert, denke ich für mich. Da ich bereits ein Meeting um 10.00 Uhr arrangiert habe, sage ich Lansana, ich sei verhindert. Zehn Minuten später kommt – unabhängig von Lansana - unser neuer Program Manager in mein Büro und teilt mir mit, dass das ganze Team an diese Zeremonie gehe. Langsam dämmert mir, dass ich auch mitkommen sollte, weil diese Zermonie einen dieser Events darstellt, welche einen grossen Stellenwert im Leben der Sierra Leoner haben. Also verschiebe ich mein Meeting und „pünktlich“ um 10.00 verlassen wir unser Büro, um zum Haus unserer Kollegin zu fahren. Wir kommen dort um 10.30 an, und da niemand da ist, fragt ein Mitarbeiter, ob die Zeremonie schon vorüber sei. Keine Hektik oder schlechtes Gewissen, dass wir zu spät sind, nein einfach eine Frage. Natürlich sind wir nicht zu spät und warten nun „ganz afrikanisch“ die nächsten vierzig Minuten unter einem grossen Mangobaum bis etwas passiert.

Dann muss ich über meine Naivität schmunzeln, als ich realisiere, dass die Zeremonie „nur“ aus einem gemeinsamen Reis-Menu besteht, keine traditionelle Anrede oder Zeremonie, wie ich sie mir vorgestellt habe. Den Anderen ist dies natürlich klar und sie langen auch kräftig zu, ich dagegen habe eigentlich noch keinen Hunger, überwinde mich aber, einige Happen zu mir zu nehmen. Interessant ist, dass die Männer je zu zweit einen Teller Reis teilen, während die Frauen alle zusammen aus dem Topf essen. Ein muslimischer Gebrauch.

Um 12.15 verabschieden wir uns und ich gehe zu meinem deutschen Kollegen, um über financial policies zu sprechen. Kaum haben wir begonnen, da schneit mein Chef, Father Konteh herein. Er ist einen Tag zuvor vor seiner 3-wöchigen Deutschlandreise zurückgekommen und will dem deutschen Kollegen einen Besuch abstatten. Klar, wir unterbrechen unser Gespräch und verweilen die nächsten 90 Minuten mit meinem Chef und hören ihn von seinen Erlebnissen erzählen. Spannend ist es alle Male und auch relevant für meine Arbeit. Wie sich später herausstellt ist dies nämlich die einzige Begegnung mit meinem Chef seit seiner Rückkehr vor zwei Wochen.

Ich kämpfe mich durch den Verkehr und erreiche um ca. 14.00 mein Büro. Inzwischen ist mein Elan nicht mehr so gross, es ist heiss im Büro und ich freue mich aufs Wochenende. Dennoch will ich noch etwas erledigen. Da kommt der Coordinator für alle AGEH Stellen in Sierra Leone in mein Büro und wir unterhalten uns über dies und jenes. Nach ca. 45 Minuten teilt er mir mit, was sein Anliegen ist. Das ist eigentlich typisch afrikanisch, wenn man das überhaupt sagen kann. Zuerst wird die Beziehung gepflegt und in den letzten 5 Minuten kommt man zur Essenz. Nachdem er gegangen ist, ist auch der letzte Arbeitselan verschwunden. Niemand ist mehr im Büro, wieso soll ich noch bleiben? Ich gehe nach Hause und frage mich, was ich heute überhaupt zu Stande gebracht habe. Egal, denke ich mir, schliesslich bin ich in Sierra Leone und hier ticken die Uhren halt anders. Am nächsten Montag bin ich überrascht, als sich die Kollegin, die uns zur Zeremonie eingeladen hatte, aufrichtig für mich Kommen bedankt. Einmal mehr bestätigt sich die Erkenntnis, dass die Beziehungen einen extrem hohen Stellenwert haben und ohne diese keine Zusammenarbeit denkbar ist. D.h. wenn ich mit meinen Kollegen kooperieren möchte, muss ich dies immer einbeziehen. Was also ist effektives Arbeiten?