Samstag, 11. Dezember 2010

Die Nebenfolgen des Strassenbaus

Vor 2 Monaten begannen die Arbeiten, um die Wilkinson Road - das ist die Strasse welche den Westen von Freetown (wir leben dort) mit der Stadtmitte verbindet - vierspurig zu machen. Zuerst wurden alle Compound-Mauern der angrenzenden Häuser sowie die kleinen Blech-Häuser mit einem Bagger niedergefahren. Ein Bild wie nach einem Hurrikan oder Krieg, alles lag in Schutt und Asche, riesige Bäume lagen herausgerissen neben der Strasse. Viele sogenannte Petty-Trader (Klein-Händler) verloren dabei ihre Läden. Ob sie eine Entschädigung erhalten haben, entzieht sich meiner Kenntnis. Es wurde bloss gesagt, dass die Regierung dieses Projekt schon vor über zehn Jahren in Angriff nehmen wollte und damit jedem klar sein musste, dass dies eines Tages geschehen würde. In einem Land, in welchem viele Versprechungen der Regierung nicht eingehalten werden, war dies vermutlich nicht ganz so klar.
Vor über einem Monat spürten auch wir die Nebenauswirkungen des Strassenbaus in Form von Stromausfall über 10 Tage. Ein Bagger hatte anscheinend ein Stromkabel gekappt, kann ja passieren. Nachdem dieser Fehler behoben wurde, ging es einen ganzen Tag, bis das nächste Kabel durchtrennt wurde. Ich hatte dann doch Mühe, dies einzusehen......(Rüdiger Hoffmann lässt grüssen). Vor ca. 2 Wochen wurde nun der Strom für die ganze Gegend abgestellt, da ........niemand weiss jeweils warum......ob wieder ein Kabel durchtrennt wurde .......oder die Kabel neu gelegt wurden.......wie lange??? Da wäre ein Brief des EWZ mit mehr Information ein wahrer Luxus.
Im Gegensatz zu vielen Sierra Leonern verfügen wir über einen Generator, den wir jeweils am Abend benutzen. Das reicht aber nur halbwegs (eher untertrieben), um unseren Kühlschrank kühl zu halten. Das richtig Unangenehme an der ganzen Sache ist der Lärm am Abend und durch die ganze Nacht. Da die Fenster nicht geschlossen werden können, hören wir unseren Generator sowie diejenigen unserer Nachbarn um uns herum sehr gut. Die Schwingung ist ebenfalls spürbar. Also nicht gerade das, um sich nach einem anstrengenden Tag in der lauten Stadt zu erholen.
Vermiesen lassen wir uns das Leben deshalb aber nicht! Unser Humor hat uns schon einige Male durch heikle Situationen gerettet und wenn wir nicht weiter wissen, gehen wir in ein gemütliches Restaurant ausessen. Es hilft jeweils, die Situation zu akzeptieren, wie sie ist, weil sich sonst ein Frust und eine Aggression gegen das Land und die Leute breit machen.

Schwangerschafts-News: Annick geht es nach 3 Wochen Erholungsurlaub in der Schweiz viel besser als zuvor. Die Tests in der Schweiz haben ergeben, dass alles nach Plan verläuft und wir Ende April einen Junior erwarten dürfen. Ende Februar wird es für Annick Zeit, in die Schweiz zu fliegen, ich werde ihr Mitte April folgen. Ganz ehrlich: Wir hätten nicht geglaubt, dass uns die Schwangerschaft in Sierra Leone deart herausfordert. Und dennoch freuen wir uns auf die verbleibenden 15 Monate in Sierra Leone und sind gespannt, was uns hier noch erwartet. Gleichzeitig beschäftigen wir uns manchmal auch schon mit dem Abschluss und dem Neuanfang in der Schweiz?

Wir wünschen Euch allen eine ruhige (ohne Generator) und gemütliche Weihnachtszeit im Kreis Eurer Familie und Freunde. Es ist schön zu wissen, dass ihr uns über die ganze Zeit hinweg abseits der Heimat begleitet, Annick und Philipp

Montag, 1. November 2010

Alimamy´s Stoffe

Liebe Freunde und Familie, lang ist es her seit unserem letzten Blogeintrag. Bevor ich Euch berichte, was sich in unserem Leben so ereignet hat, möchte ich Euch zeigen, welche tollen Stoffe unser Chief-Guard (22 Jahre) herstellt. Er wurde früh von seiner Grosstante in das Färben von Stoffen nach der Garra-Methode (stammt aus Sierra Leone, Farbe wird von Pflanzen entnommen) sowie die Batik-Methode eingeführt. Wir versuchen ihn beim Verkauf seiner Stoffe zu unterstützen, da er darauf angewiesen sein wird, wenn wir Sierra Leone verlassen. Unglücklicherweise für ihn, werden viele Stoffe inzwischen massenweise hergestellt und günstig verkauft. Nach ein bis zwei mal waschen stellt sich bei dieser Massenware aber heraus, dass die Farben immer schwächer werden, da die meisten Färber bei den Zutaten sparen.

Die Stoffe können verwendet werden für Tischtücher, Vorhänge, Bettlaken, Kleider oder anderes und sind erhältlich in verschiedenen Grössen. Die Preise variieren je nach Grösse des Stoffes und bewegen sich zwischen CHF 25 und CHF 60. Wer Interesse an solchen Stoffen hat, kann sich gerne bei uns melden. Alimamy wird Purzelbäume schlagen......






Annick wird einige Stoffe mit sich nehmen, wenn sie diesen Mittwoch für einige Wochen in die Schweiz fliegen wird. Wie einige von Euch schon wissen, ist Annick schwanger!!! Es scheint fast, dass uns die Herausforderungen in Sierra Leone gefehlt haben? Bisher ist alles gut gelaufen und Annick hatte keine Komplikation. Da aber auch nach dem 3. Monat die Müdigkeit und das Übel-sein nicht nachgelassen haben, freut sich Annick nun auf 3 relaxte Wochen in der Schweiz mit gesundem, variantenreichen Essen, kein Stress mit Verkehr, funktionierenden Kühlschrank und 100 % Elektrizität. Wir erleben es derzeit beide, dass die täglichen Herausforderungen sehr nervenaufreiben sein können, wenn wir müde und erschöpft sind. So geschehen gestern, als einer unserer Guards innerhalb von 2 Tagen dreimal nicht anwesend war. Ich war erstaunt, wie wütend mich das machte und wie gering meine Toleranz war. Es endete schliesslich mit einer formalen Warnung........Nicht nur die Guards werden sich freuen, wenn wir beide wieder bei Kräften sind.
Wir grüssen Euch alle ganz herzlich, bis bald

Sonntag, 26. September 2010

Katimu

Katimu ist eine Frau, die bei uns im Compound(d.h. sie schläft nicht im Haus sondern innerhalb der Mauern hat sie und ihr kleiner Sohn Paul, 9 Jahre, ein kleines gedecktes Zimmer) wohnt. Sie arbeitet als Wäscherin, Putzfee, Kochhilfe etc.. für unsere Landlords, die einen Stockwerk oberhalb von uns wohnen. Diejenigen, die uns besucht haben, haben sie alle kennengelernt, es ist wie ein bisschen grössere Familie, da man sich täglich sieht und den Wohnraum miteinander teilt.
Seit einigen Monaten war sie immer wieder sehr krank, einmal war es starker Husten, dann wieder Malaria, dann Thyphus und manchmal vielleicht auch eine Kombination von Krankheiten. Seit zwei Wochen geht es ihr wieder sehr schlecht, und der Landlord (ihr Boss), der selber Arzt ist (was hier aber nicht das gleiche bedeutet wie in der Schweiz), ging mit ihr zum Spital. Und dann kam heraus, dass sie Aids hat. Der Landlord war damit eher überfordert und hat auch mit uns darüber geredet.
Bevor wir diese Nachricht erhielten und ich Katimu wieder einmal so schwach und voller Schmerzen sah, sagte ich Philipp, dass es einfach sein könnte, dass sie sterben wird und wir nichts machen können. Hier ist es so anders als in der Schweiz: Der Tod, das Sterben ist ein Teil vom Leben, es ist für mich so stark spürbar und ich hatte mich schon immer gefragt, wann wir hier in Sierra Leone persönlich damit konfrontiert werden würden. Es lässt mich sprachlos, denn es gibt irgendwie nichts dazu zu sagen..

Doch Katimu lebt, sie kämpft und wir versuchen sie und Paul, ihren Sohn, zu unterstützen. Er hätte schon vor zwei Wochen die Schule anfangen sollen, doch durch ihre Krankheit und Geldprobleme wurde die Uniform nicht gemacht und jetzt haben wir ihr Geld gegben, damit Paul bald wieder in die Schule kann. Es ist nicht einfach zu wissen, wie man unterstützen kann.. ist es ein bisschen Geld, damit Katimus Sohn in die Schule kann, ist es eine Wasserflasche, damit sie viel sauberes Wasser trinkt oder ist es der tägliche kleine Schwatz, wo man sich nach dem gegenseitigen Befinden fragt und sich Gottes Segen wünscht? Ich weiss es nicht, und ich fühle mich auch immer wieder ganz klein auf dieser Erde... aber auch voller Liebe für die Menschen um mich herum, weil ich sehe wie sie kämpfen und aushalten, und ihnen ihr Glaube den Mut zum Leben und Sterben schenkt.

Samstag, 11. September 2010

Wieder zurück!

Endlich wieder mal ein Lebenszeichen von uns in Sierra Leone. Lang ist es her seit unserem letzten Eintrag. Wo sind da die Neujahrsvorsätze geblieben???
Seit letzter Woche sind wir zurück in Sierra Leone, unserer zweiten Heimat. Die letzte Ferienwoche in Nimes haben wir sehr genossen, wobei wir uns auch schon ein wenig auf die zweite Hälfte (1, 5 Jahre) Sierra Leone eingestimmt haben. Glück war uns beim einchecken im Flughafen beschieden, da wir mehrere Kilos Übergepack mit uns führten. Dieses bestand vor allem in den ca. 20 Tennisrackets, 15 Tennisschuhen und T-Shirts (alles second hand bester Qualität), welches der Tennisclub Mollis für Tennis Sierra Leone innerhalb eines Monats gesammelt hatte. Die Frau am Check-in Schalter machte uns darauf aufmerksam, dass wir für jedes Gepäckstück, welches mehr als 23 kg wiegt, 50 Euro zahlen müssen. Ausnahmen gebe es nicht, auch nicht wenn es sich um eine Spende handle. Das erste Gepäck wog 23,8 kg, was sie durchgehen liess. Beim zweiten blieb die Waage bei 24 kg stehen, worauf wir ihr versicherten, dass das 3 Gepäckstück nur 20 kg wiegen würde. Die Frau ging auch hierauf ein. Nun blieb nur noch das letzte Gepäck mit allem Tennisequipment übrig, welches 27,5 kg wog. Da das Gepäckstück aber so sperrig war, sodass es nicht auf der Waage Platz hatte, blieb der Zeiger bei 23,5 kg stehen. Die Frau, die zu Beginn eigentlich so konsequent erschien, liess sich wohl von Annicks Charme erweichen und unterliess es, uns um 50 Euro zu erleichtern! Puh.
Wir kamen um 04.00 Uhr bei unserem Appartement an, wo alle 3 Guards uns freudig begrüssten. Welch herzlicher Empfang in der Nacht. Kaum waren wir zu Hause angekommen, begann es zu regnen. Totmüde und dankbar sanken wir auf unser Bett und befestigten das Moskitonetz.
Ein gutes Omen für unsere zweite Hälfte Sierra Leone?

Gestern war ein öffentlicher Feiertag, ein muslimischer Feiertag nach dem Ende des Ramadans. Wie meistens, wenn ein muslimischer Feiertag bevorsteht, weiss niemand im Vorfeld, wann dieser genau sein wird. Das hat damit zu tun, dass sich die Muslime nach dem Mond und dessen genauer Stellung orientieren (wo wurde uns das zumindest gesagt). In der Schweiz oder auch Europa wäre es unvorstellbar, wenn man erst am Abend zuvor erfahren würde, ob am nächsten Tag ein Feiertag ist. Das würde ja die ganze Planung verunmöglichen. Nicht so in Sierra Leone, wo Flexibilität und Improvisationskunst gefragt ist. Also nichts für Organisations-Hardliner.

Heute bin ich mit meinen Kollegen von der Justice and Peace Commission zu einer Militärbarracke gegangen. Die Barracke ist ein Areal, in welchem ca. 2000 Personen wohnen: Soldaten und ihre Familien. Wir haben mit den Verantwortlichen dieser Barracke ein Projekt ausgearbeitet, wonach wir 30 Personen (Soldaten und Zivilisten, Frauen und Jungendliche) in gewaltfreier Kommunikation und Mediation trainieren. Der heutige Tag sollte dazu dienen, dass die 30 ausgewählten Personen von Tür zu Tür gehen, um die anderen Mitbewohner des Areals über den Inhalt des Projekts zu informieren. Als ich eine kleine Gruppe hierbei begleitete, wurde ich aufgefordert, einen aktuellen Konflikt zwischen 2 jungen Frauen zu mediieren. (Innerlich habe ich zu mir gesagt: darin hast Du Dich selber hineinmanövriert, jetzt musst Du schauen, wie Du da wieder rauskommst!!!). Ich willigte in die Mediation ein und bat eine Kollegin, für mich zu übersetzen, falls ich das Krio der beiden Frauen nicht ganz verstehen sollte. Ich selber fühlte mich zu Beginn unsicher, da dies die erste Situation war, in welcher ich konkret angefragt wurde, zwischen 2 Parteien zu mediieren. Dazu kam die ganz einfache Umgebung, in welcher die Frauen leben und in welcher die Mediation statt finden sollte. Um unsere Stühle herum standen einige Interessierte, in unmittelbarer Nähe kochten andere Frauen und es wurde laut gesprochen, mit anderen Worten nicht die Atomosphäre, wie ich sie mir für eine Mediation gewünscht hätte. Nichts desto trotz begannen wir und langsam langsam kamen wir auf den Grund der Auseinandersetzung. Plötzlich meinte dann die eine Frau, dass sie jetzt Kleider waschen gehen möchte. Meine Kollegen wiesen sie sofort zurecht, dass sie sich nicht so verhalten könne, nachdem wir uns so bemüht hätten und ich extra gekommen sei. Schliesslich gehe es darum, so schnell wie möglich Frieden zu schliessen und wieder als eine Familie zu leben.
Diese Haltung, also, dass Parteien von "Mediatoren" oder aussenstehenden Personen dazu gedrängt werden, Frieden zu schliessen, ist hier vorherrschend. Ich sehe bei dieser Art die grosse Gefahr, dass unter Zwang eine Vereinbarung getroffen wird, die am nächsten Tag - wenn der Mediator nicht mehr anwesend ist - keine Gültigkeit mehr hat, da Wut, Frustration oder Traurigkeit zurückbleiben und sich bei einer anderen Gelegenheit wieder bemerkbar machen. Aus diesem Grund, fragte ich die Frau, ob sie jetzt lieber waschen gehen als über die Angelegenheit sprechen möchte, was sie bejahte. Also beendeten wir die Session und boten den Frauen an, dass wir wieder kommen würden, falls sie weitermachen wollen.
Es gibt noch einiges zu lernen (für mich) und zu tun, bis zum nächsten Eintrag!

Sonntag, 6. Juni 2010

Barbaras Gastbeitrag Teil 2

Ich trage weder eine Sonnenbrille, noch einen Sonnenhut, bin nur mit Sonnencreme und Mückenschutzmittel ausgerüstet, obwohl ich bisher nur wenige Mücken gesehen habe, bzw. von ihnen gestochen worden bin. Ich mache dies aus reiner Vorsicht und weil ich viel schwitze. Am liebsten gehe ich luftig bekleidet mit feuchtigkeitsbeständigen Sandalen nach draussen. Da diese Jahreszeit von einer hohen Luftfeuchtigkeit geprägt ist, reibe ich mich gerne tagsüber mit einem Waschlappen ab, um mich zu erfrischen. Doch das Schwitzen gehört momentan zu meinem täglichen Leben wie das Essen, Trinken und Ruhen. Am Morgen verspeise ich mit Vorliebe die köstlich reifen Früchte wie z.B. Bananen, Ananas, Papayas, Mangos. Da wir häufig auswärts essen, lerne ich die einheimische Küche kennen, die ebenso vielfältig ist wie an vielen Orten der Welt. Das Haushalten mit Wasser und Elektrizität ist ein Thema hier. Ich lerne sparsam mit Wasser umzugehen, indem ich z.B. das gebrauchte Wasser anschliessend zum Spülen des WCs benutze.

Wenn wir mit dem Auto in die Innenstadt fahren, kommen mir die Strassen wie ein riesiger Jahrmarkt vor. Die Verkäufer drängen sich an die langsam fahrenden Autos. Auf diese Weise gestaltet sich das Einkaufen ganz einfach, da die Ware durchs Fenster gereicht wird. Die Mehrzahl der Einheimischen geht zu Fuss, einige mit den klapprigen Minibussen oder mit den teilweise recht lädierten Taxis je nach Einkommen. Mit viel Huperei schlängeln sich die Autos an den Menschenmengen vorbei. Manchmal kommt man zu Fuss ebenso schnell vorwärts, doch die tägliche Distanz wäre für Annick und Philipp jeweils für eine Strecke etwa 1,5 h, wobei der schweisstreibende Aspekt vor Beginn der Arbeit mit einzubeziehen wäre.

Am Strassenrand oder auf den Trottoirs, falls vorhanden, befinden sich die Verkaufsstände in allen Variationen. Hier herrscht ein buntes Treiben. Die Frauen tragen noch vorwiegend ihre wunderschönen Gewänder und sehen hinreissend aus. Faszinierend finde ich ihr Gehen mit den Körben oder Plastikschalen auf dem Kopf. Teilweise schleppen sie rechte Lasten mit sich herum und manche haben noch ein Baby auf dem Rücken umgebunden. Sie transportieren auch Eier und Kohle oder Wasserkanister auf dem Kopf. Es gibt auch Männer, die Waren auf dem Kopf tragen, wahrscheinlich um die Hände frei zu haben. Hinter den Ständen sind teilweise sehr einfache Schutzhütten sichtbar, die nur aus Holzstangen bestehen, die durch Wellblech miteinander verbunden sind. Sie stehen auf der roten Erde und ich wundere mich, wie die meisten Menschen trotz dieser Bedingungen sauber gekleidet sind.

Von meinen Erfahrungen mit Schwester Liz, bei der ich an einem Workshop über Traum-Healing einen Tag lang teilnehmen konnte, der sich eine ganze Woche lang hinzog, möchte ich lieber mündlich erzählen. Zum Ausgleich gab ich den teilnehmenden Personen eine Woche später Atemstunden. Bewundert habe ich das Don Bosco Projekt, welches jedes Jahr Strassenkinder zwischen 5-16 Jahren aufnimmt. Bisher sind es nur Jungens, da sie nur einen Schlafsaal haben. Auch von meinem Besuch im Chimpansenpark, den ich sehr genoss, erzähle ich gerne ausführlicher.

Ich fühle mich sehr verwöhnt durch Annick und Philipp. Sie fahren mich herum, lassen mich an ihren Aktivitäten teilnehmen: Musikstunden, Aufnahme eines Songs im Studio, afrikanischer Tanz, Vorstellung von der Arbeit von Caritas anderen Studenten, Mediation zwischen einer Schule und der Polizei, das Baden im warmen Meer, das Ausführen in feine Restaurants. Ein grosses Dankeschön möchte ich Annick und Philipp für ihre liebevolle Aufnahme sagen und dass sie mir hier den Aufenthalt so vielseitig wie möglich gestaltet haben. Ich habe mich so wohl bei ihnen gefühlt, dass ich nur zu einem Besuch nach Sierra Leone animieren möchte.

Dienstag, 1. Juni 2010

Und wieder mal ein Gasteintrag, Barbara Teil 1

Meine ersten Eindrücke

Gleich bei der Landung kam mir feucht-warme Luft entgegen. Beim Einstieg in den Helikopter, der mich vom Flughafen Lungi zur Innenstadt brachte, goss es aus Kübeln. So gewann ich den Eindruck, dass ich nicht nur durch die Übertragung der Wärme auf den Körper von innen her aufgeweicht wurde, sondern dass von aussen noch nachgedoppelt wurde. Bei der zweiten Landung bereiteten mir Annick und Philipp ein herzliches Willkommen. Ich brauchte mich nicht einmal mehr um mein Gepäck zu kümmern. Ich genoss die ersten Landschaftseindrücke im geräumigen Auto der Caritas bei geöffneten Fenstern, hörte das Rauschen des Meeres und lernte die holprigen Strassen von Freetown kennen. Ich war glücklich, heil angekommen zu sein und gleichzeitig müde, nachdem ich um 5 Uhr morgens bei Verena, die mich zum Flughafen in Zürich brachte, aufgebrochen war und gegen Mitternacht in der nahe liegenden Wohnung am Westrand von Freetown eintrudelte.

Die drei jungen Guards, die besorgt sind um das Wohlergehen der Bewohner im „compound“, fragen bei jeder Begegnung, wie es mir geht und sind neugierig zu hören, welche Erfahrungen ich hier mache. Auch die anderen Menschen, die ich durch Annick und Philipp kennen lerne, fragen als erstes ausführlich nach dem Ergehen. Dabei findet eine auf mich berührend wirkende Geste statt. Nach dem bei uns üblichen Händeschütteln wird die Hand im Handgelenk nach oben gekippt, sodass die Handflächen neu aufeinander treffen. Dann schliesst sich die erste Handstellung nochmals an und am Schluss geht die eigene Hand zum Brustbein. Dieser Abschluss verdeutlicht mir durch die Andersartigkeit und Intensivität, dass ich nach dem gegenseitigen Austausch wieder bei mir ankomme und den anderen Menschen wie zu mir nehme.

Ich bin erstaunt über die direkte und natürliche Offenheit der Menschen, die ich durch Annick und Philipp hier in Sierra Leone kennen gelernt habe. Bei John und Marta, sowie Nestor und Josephine beeindruckte mich ausserdem ihre gelebte Religiosität. Vor und nach jeder grösseren Aktion wird ein kurzes Gebet gesprochen, d.h. vor und nach dem Essen, den Autofahrten, den Meetings.... Für mich ist dieses Innehalten wesentlich, nicht die gesprochenen Worte.

Die herzliche Begegnung mit den Bewohnern eines Eingeborenen-Dorfes, aus dem Nestor und Josephine stammen, ist schier unbeschreiblich. Da für mich die Sprache unverständlich war, lief die Kommunikation nur über Gesten oder das Dolmetschen von Nestor. Schon weit vor dem Dorf fuhren wir auf engen Wegen und hielten jeweils bei jedem Verwandten an, die Nestor nur kurz begrüsste, da es schon dunkel geworden war. Zuerst wurden wir dem Chief vorgestellt. Derweil drängten sich die Bewohner dicht an uns heran, besonders die Kinder wollten uns berühren. Der Empfang gestaltete sich bei Trommelmusik, Gesang und Tanz festlich. Am nächsten Morgen versammelten sich alle bei den Ältesten des Dorfes, wir wurden nochmals vorgestellt und tauschten Geschenke aus. Zu unserer Überraschung erhielten Annick und Philipp eine lebendige Ziege. Diese haben wir mit allen im compound eine Woche später zusammen verspeist. Die Vermieter hatten sie köstlich zubereitet.

Von Annicks und Philipps am Hang gelegener Wohnung geniesse ich immer wieder auf der Terrasse sitzend den Blick aufs Meer bei unterschiedlichen Wetterstimmungen: am Morgen ist häufig eine leicht verschwommene Aussicht durch die feuchte Luft zu beobachten, die sich mit der Zeit auflöst und die Sonne durchstösst. Ein völlig blauer, wolkenloser Himmel ist eher selten. Ich erlebe hier eher einen wolkigen, verhangenen Himmel, der sich häufig verändert, manchmal scheinen dunkle Wolken einen Regenguss vermuten, doch plötzlich sind diese Wolken auch wieder verschwunden. Heftige Regenfälle sind kurz und ergiebig und eher unvorhersehbar. Häufig erlebe ich Wetterleuchten und Gewitter, vornehmlich am Abend oder in der Nacht. Wenn die Sonne untergeht, beobachte ich gerne den sich färbenden Himmel.

Montag, 24. Mai 2010

Eindrücke von unserem Dorfbesuch im Landesinnere





Ballanta Outing am Strand, Independance Day

















So in etwa sieht es aus, wenn sierra leonische Gruppen an den Strand fahren um zu feiern. Es wird getanzt, gegessen, gelacht, z.T. geschwommen (vielen können nicht schwimmen) und einfach genossen. Outing nennt man das. Ballanta hat eins organisiert für die Schule, und hier tanzten wir gleich mal unsere kleine Choreographie, die wir beim afrikanischen Tanz gelernt hatten. Liebe Grüsse aus dem Nacht-Leben in Freetown,
Annick

Montag, 17. Mai 2010

Wink, wink

Hallo ihr Lieben,
Ich bin im Verzug, sehr sogar, mit Mails und Blogeinträge schreiben, mit Haushalt zuhause, mit Aufmerksamkeit für meinen Schatz hier in Sierra Leone und mit noch ein paar Punkten mehr. Ja, ja, habs nicht so im Griff mit Zeiteinteilung und Balance, meine Freunde und Familie kommen zu kurz und ich merke, wie mich das belastet. Vor allem weiss ich, wie wichtig es mir ist und wie gut es mir  tut, mich auszutauschen. Aber gelegentlich macht man nicht das, was einem guttut. Ich bin sicher, das wird sich bald ändern, ich werde mir meinen Weg bahnen, nur braucht es ein wenig Zeit und ich bitte um Geduld von Euch. Ich denke so viel an euch in der Schweiz oder Freunde sonstwo, nur kommen diese Gedanken wohl eher wortlos über die Luftpost und nicht in geschriebener Form.
Diese Woche will ich mir etwas Zeit alleine nehmen, reflektieren, und wirken lassen. Es ist so viel los hier, so viele Eindrücke (immer noch) und ich brauche Zeit, dies zu verdauen. Vielleicht mache ich das auch Stück für Stück mit Mails schreiben, ich weiss nicht, es wird sich zeigen. Ich hoffe, ihr vergesst mich nicht, auch wenn ich im Moment vielen nicht zurückgeschrieben oder mich gemeldet habe! Ich muss lernen, mich von der Arbeit und von den Möglichkeiten, den Erwartungen und Hoffnungen ein wenig abzugrenzen... ihr kennt meine Begeisterungsfähigkeit!! Ich springe sofort auf eine Idee, die mich interessiert und motiviert, und etwas später finde ich mich mit einem Arbeitspensum wieder, dass der Realität nicht wirklich gewachsen ist!! Hehe, es ist das gleiche, wie in der Schweiz, Annick macht tausend Dinge!! Wird wieder Zeit, mich ein wenig zu besinnen!
Seid von Herzen gegrüsst aus Sierra Leone, es wird Zeit, dass ich mich ins Arbeitsgetummel stürzen,
Annick

Samstag, 8. Mai 2010

3 Auftritte in einer Woche


Neue Musik in Sierra Leone..........Vor gut 2 Wochen hatte Annick beim Bliss-Restaurant (das wohl gemütlichste Cafe in Freetown, bei welchem es guten Cafe, Fruchtsäfte und Gipfeli gibt) ihren ersten Solo-Auftritt. Was heisst Gesang und eigene Begleitung auf dem Digitalpiano, welches wir nach Sierra Leone mitgenommen haben. Die Atmosphäre zum Sonnenuntergang, draussen unter Palmen und Mangobäumen war toll und vielen hat die Musik von Annick sehr gefallen, kein Wunder.....
Einen Tag zuvor wurde von der Balanta Academy die Bafa-Night organisiert: ein Abend, an welchem verschiedene Künstler performen, von afrikanischer bis zu moderner Musik. Annick sang dort, spielte Saxaphon und wie ihr sehen könnt, tanzte sie auch (und wie!!!, sie kann schon richtig gut mit dem Po wackeln. Das süsse Kostüm erwies sich aber nach einigen Minuten Tanz als nicht für Annick geeignet und rutschte etwas.....keine Sorge Evelyne und Bernhard es war nicht zu schlimm.

Montag, 26. April 2010

Basketballer Aladjin in Lausanne!!

Hallo liebe Freunde
Unser sierra leonische Basketballfreund Aladjin kann für einen 10-tägigen Kurs heute (Montag, 26.April) nach Lausanne fliegen. Er ist ein ganz lieber Kerl und falls jemand von euch Basketballern oder von uns Freunden Lust hat, ihn kennenzulernen, er würde sich sehr über einen Besuch (Mami, Papi, ihr kennt ihn, das war derjenige, der gesagt hat: Welcome to Freetown. Now you are free!) freuen (oder zusammen Basketball spielen, Kath, Oli L., Oli Str., Pierina....?). 
Er wohnt im Jeune hotel/Youth hostel, Chemin du bois de vaux 36, Lausanne. Die Hostel tel.nr. ist 0041 21 626 02 22. Ich glaube, er hat die nächsten zwei Tage erst mal frei. 
Ich bin gespannt, ob es jemand von euch schafft, ihn zu treffen!! Es wäre schön, denn wir sind in Sierra Leone so warm empfangen worden, es wäte toll wenn es für Aladjin auch so wäre in der Schweiz!

Sonntag, 25. April 2010

Tennis in Salone

In den letzten Monaten habe ich einen Tennisclub mit einigen talentierten Sierra Leonern entdeckt. Wie mit den Leuten beim Basketball ist es erfrischend, mit ihnen zu spielen und einfach mit ihnen zusammen zu sein. Ich wurde vom ersten Moment herzlich aufgenommen und einige sind fasziniert, dass man auch mit beiden Händen die Vorhand spielen kann.......
Es gab dann auch einige Dinge, die mich zu Beginn ein wenig gestört haben: Es ist üblich, dass die jungen Spieler Trinkgeld erhalten, wenn man mit ihnen spielt. Es ist mir schon ein wenig fremd, wenn ich jemandem Geld gebe, damit er mit mir spielt. Besonders dann auch, wenn wir das gleiche Niveau haben. Schliesslich gebe ich den Jungs auf dem Basketballplatz auch kein Geld, damit sie mit mir spielen. Ich habe versucht, dies den Leuten zu erklären, worauf sie in ihrer charmanten Art erwiderten, dass die jungen Spieler auf dieses Geld angewiesen sind. Dennoch habe ich bisher noch keinen Spieler bezahlt und ich denke, dies wird nun auch akzeptiert, da sie mich inzwischen als gleichwertigen Tennispartner ansehen. 
Eine andere Sache ist die, dass die ganz Jungen als Ballboys agieren und auch hier ist es usus, dass sie wie auch der Schiedsrichter am Ende Geld kriegen (ich spreche hier nicht von Turnieren, sondern von Trainings). Und wie am Flughafen mit dem Gepäck wird auch hier nicht gefragt, ob man den Service will, sondern die Ballboys/Schiedsrichter rennen den Bällen hinterher, ohne dass sie hierfür aufgefordert werden. Am Schluss besteht die Erwartungshaltung, dass jeder ca. 1 Euro erhält, was relativ viel ist, wenn man bedenkt, dass der Durchschnitts-Sierra Leoner pro Tag von 1-2 Euros lebt. Als ich dann beim zweiten oder dritten Mal sagte, dass ich keine Ballboys brauche (da ich erstens nie mit Ballboys gespielt habe und dies daher ein wenig befremdlich ist, wenn die Jungs mich bedienen), waren diese recht eingeschnappt und erzählten es weiter. Von Zeit zu Zeit versuche ich sie davon zu überzeugen, dass ich noch jung bin und es mir gut tut, die Bäller selber einzusammeln. Die meisten Sierra Leoner sind daran gewöhnt, dass die Bälle von anderen eingesammelt werden, weshalb ich vor allem bei älteren Tennispartnern darauf Rücksicht nehme und den Ballboys am Schluss etwas gebe. Auch hier hat sich inzwischen die erste Aufregung gelegt und es wird nun akzeptiert, wenn ich ab und zu ohne Ballboys spiele.

Wie bei vielem hier in Sierra Leone können sich für mich durch Gespräche mit den Leuten neue Einblicke oder Erkenntnisse ergeben. So erzählte mir beispielsweise ein junger talentierter Spieler - einer der besten Spieler im Lande - wie schwierig es für ihn sei, im Sport Erfolg zu haben. Zeitweise steht ihm kein Tennsiracket zur Verfügung, da das Ersetzen einer gerissenen Seite ca. 6 Euros kostet. Er wohnt ca. 5 Kilometer vom Tennisclub entfernt, welcher auf einem Hügel liegt und muss aufgrund fehlender finanzieller Mittel die Distanz oft zu Fuss zurück legen. Die Schuhe der meisten Tennisspieler sind häufig ziemlich lädiert, besser gesagt, sie fallen fast auseinander. Er wie auch die anderen ambitionierten Spieler, die im Herbst an den Commonwealth Games teilnehmen werden, sind recht frustriert, dass sie kaum Unterstützung erhalten. Nicht ganz einfach.....Auch wenn ich nach wie vor den Spielern nichts gebe, wenn sie mit mir spielen, stelle ich jeweils die Bälle zur Verfügung und versuche situativ einzelne Leute zu unterstützen: Einmal gab ich einem Spieler meine alten Schuhe (riesige Freude), ein andermal gab ich mein in einem Doppelturnier erhaltenes Preisgeld den talentierten Spielern, damit sie sich ein paar Saiten leisten können. 
Und zu guter Letzt: In Sierra Leone reift eine neue Martina Hingis heran, ca. 1,76 Meter gross, blonde Haare, hübsch und nicht nur in der Musik ehrgeizig...(sie übt gerade für ihr erstes Solo-Konzert heute Abend im Bliss Restaurant)
Liebe Grüsse aus Westafrika

Donnerstag, 22. April 2010

Mehr Fotos, da Annick Nacht-Arbeits-Sessionen schiebt und Zeit zum Fotos laden hat :-)















Angelina und Florian am Strand, unsere lieben Freunde aus Deutschland, die uns leider verlassen. Florian ist schon wieder in Deutschland und hat einen neuen Job bei der GTZ und Angelina ist noch hier in Freetown bei der GTZ und bleibt ab morgen noch für eine Woche bei uns als Gast in der Wohnung (und arbeitet weiter). 
African Dance in der Ballanta: Diesen Samstag haben wir eine kleine Vorführung, richtig, ich mache auch mit, muss den Afrikaner ja mal zeigen, wie schlecht wir Weissen mit unserm "Füdli wackeln"
Philipp beim Entspannen im Tacuagama Park (bei den Schimpansen).
Annick beim Singen beim School Outreach Programme der Ballanta.



Mittwoch, 14. April 2010

Ballanta School Outreach Programme
















Guten Morgen allerseits! Bei den meisten von Euch ist es 6 Uhr morgens, bei mir immer noch 4 Uhr.... kann nicht schlafen, zu heiss, und bin ein bisschen erkältet (Husten), und habe viele Gedanken im Kopf... diese Kombination ist grad nicht so der Hit. Deshalb: Raus aus dem Bett, Ventilator im Wohnzimmer an und Compi auf..

Die Photos sind von unserem School Outreach Programme, wir waren in drei Schulen und haben kleine Konzerte gegeben und die Instrumente plus Ballanta vorgestellt. Das dürft ihr euch etwa so vorstellen: Ein kleines Auto (zwischen Auto und Mini-Bus) wird mit Intstrumenten vollgeladen, und dann kommen noch sieben Personen zusätzlich hineingequetscht...ohne Air conditioning oder Ventilation im Auto...dann rumpelt wir zu einer Schule, laden alles aus und bauen auf. Die Kinder und Lehrer kommen mit ihr Stühlen aus den Klassenräumen raus und setzen sich hin. Jede Schule ist ein bisschen anders.. Die einen sind laut und fröhlich, die anderen ganz leise und brav. Getanzt haben alle bei gewissen sierra leonischen Songs, das war ein Spass (vor allem die ganz kleinen, Kindergarten Alter, die marschieren wie kleine Soldaten). Der Marsch ist in Sierra Leone ganz wichtig, es gibt immer wieder Thanks Givinig Events in den Schulen, wo diese auf die Strasse gehen mit einer Band und marschieren. 

Im obersten Bild seht ihr Gwyn und mich singen. Gwyn ist Sierra Leoner, hat aber lange in England gewohnt. Dort hat er viel Jazz gesungen, er ist wirklich sehr gut und eine eine tolle Luis Armstrong Stimme. Er ist nun wieder nach Sierra Leone zurückgekommen und hilft seiner Mutter in der Schule beim bauen und organisieren. Seine beiden Söhne sind professionell in der Musik tätig, einer ist Drummer bei Amy Winehouse. Vielleicht kommen die zwei ihren Vater im Mai besuchen, dass wäre spannend, ich würde doch gerne mit ihnen Musik machen... We will see!

Euch einen guten schwungvollen Start in den Tag und ich werde wohl nochmals versuchen zu schlafen!!

Freitag, 9. April 2010

afrikanisch kommunizieren

Ich arbeite nun mit der Justice and Peace Commission seit einem 3/4 Jahr mit verschiedenen communities zusammen. Wir haben in dieser Zeit in 4 Gemeinden bzw. Kirchgemeinden 4 Justice und Peace Committees aufgebaut. Die Committees haben in einer ersten Phase jeweils ein Thema gewählt, das nach ihrer Meinung sofortiger Aufmerksamkeit und Interventionen bedarf. Hier ein paar Beispiele: a) häusliche Gewalt und Mangel an Vertrauen/Respekt innerhalb der Familien, b) ein andauernder gewalttätiger Konflikt zwischen einer Schule (Lehrer, Schüler) und der benachbarten Polizeistation, c) illegales Fischen mit Dynamit, welches zu grösseren Konflikten mit der Polizei geführt hat (weil diese von Zeit zu Zeit als Gegenmassnahme die Boote der Fischer zerstören).

Es macht mir immer Spass, an den Treffen mit den Committees teilzunehmen, die jeweils Samstags statt finden. Die Mitglieder der Committees sind ausschliesslich Freiwillige, die sich darum bemühen, mehr Frieden in ihrer Gemeinde zu haben. Hier liegt meiner Meinung nach einer der Schwachpunkte dieses Programms. Für die Mitglieder ist jedes Treffen oder Training mit einem Effort verbunden. So steht beispielsweise bei Frauen am Samstagmorgen viel häusliche Arbeit, kochen oder einkaufen an. Kein Wunder also, dass die Frauen untervertreten sind. In Kirchgemeinden, die flächenmässig grösser sind, müssen die Mitglieder für den Transport zum vereinbarten Ort bis zu Leones 10´000 zahlen was dem Äquivalent von 2 Mahlzeiten entspricht. Wenn man bedenkt, dass über die Hälfte aller Sierra Leoner unterernährt sind, ist das nicht wenig.......Samstag ist zudem auch die Zeit, in welcher man mit verschiedensten Jobs etwas Zusätzliches verdienen kann (um für die nächsten Tage das notwendige Geld für Essen oder anderes zusammenzubringen). Es hat bei mir eine Weile gedauert, für diese Dinge ein Verständnis zu entwickeln und das Nicht-Erscheinen von Mitgliedern mit mit fehlender Einsatzbereitschaft gleichzusetzen. Wir haben nämlich wahrnehmen müssen, dass immer weniger Mitglieder zu den Treffen kommen und wir sie vor jedem Treffen mehrere Male erinnern müssen, damit sie kommen.

Schlau wie ich bin, habe ich mir gedacht, wir müssen es schaffen all diese Gegebenheiten zu berücksichtigen und unser Programm ein wenig anpassen. Als ich meine Besorgnis von Zeit zu Zeit gegenüber meinem Team äusserte, meinten die meisten, dass die Probleme gelöst werden, wenn anstatt einem Committee pro Kirchgemeinde viele Subcommittees gegründet werden . Ihr könnt Euch das folgendermassen vorstellen: Wenn es ein Committee für das Glarner-Unterland geben würde, sollen nun für jedes Dorf oder gar Dorfviertel ein Subcommittee gebildet werden. Das gute an dieser Idee ist, dass die Mitglieder der Sucommittees sich in ihrem eigenen Dorf treffen können und kein Geld mehr für Transport aufbringen müssen. Aber was die anderen Herausforderungen betrifft, sehe ich nicht, dass sich etwas grundsätzlich ändern wird.

Nun denn, da mein Chef Father Konteh sich zu dieser Sache selber nicht geäussert hatte, sprach ich ihn bei nächster Gelegenheit mal darauf an. Ich teilte ihm meine Meinung und Ideen mit, und fragte ihn nach seiner Meinung, worauf er antwortete: "Philipp, Deine Ideen sind gut und besser als die Strategie, überall Subcommittees zu etablieren, aber die letztere Strategie ist praktischer, deshalb werden wir es so machen." Schluck, Schluck!! Ich wiederholte nochmals was er gesagt hatte, um mich zu vergewissern, ob ich richtig gehört hatte und vielleicht auch in der Hoffnung, dass er noch Ausführungen dazu macht (was natürlich nicht geschah).

Ich hätte ihn nun fragen können, weshalb die andere Strategie praktischer sei und was gegen meine Ideen spreche. Dies hätte ich vermutlich auch noch vor einem halben Jahr gemacht. Doch eine innere Stimme in mir sagte, "lass es für den Moment so sein wie es ist und beobachte einfach, wie es weiter geht". Auch wenn ich zu meinem Chef ein gutes persönliches Verhältnis habe, bewege ich mich bei einem solchen Gespräch auf kulturellem Glateis. Wenn ich ihn nach seiner Meinung frage oder ihn um einen Ratschlag bete und er mir diesen gibt, so kann es heikel sein, dies sofort in Frage zu ziehen. Ich habe gelernt, dass das Alter eine natürliche Hierarchie mit sich bringt. Umso heikler kann es daher sein, wenn ein junger Mann einen erfahrenen Chef durch Fragen "in Frage stellt". Und schliesslich musste ich bei seiner Antwort innerlich schmunzeln. Denn in seiner Antwort war so viel von der afrikanischen Art erhalten, die ich schätzen gelernt habe. Anstatt wie bei uns zu sagen, "Deine Idee weist folgende Schwächen auf", wird mit einem Lächeln mitgeteilt, "Deine Idee ist gut", und erst dann kommt die "richtige" Stellungnahme.

Wie ihr seht, ist in dieser Hinsicht Geduld und Kreativität gefordert, schliesslich gibt es fast täglich/wöchentlich ähnliche Situationen. Diese andere Art, Dinge anzupacken und auch zu kommunizieren ist schlussendlich eine Bereicherung für mich, auch wenn ich manchmal die letzten verbliebenen Haare raufen könnte. Also passt auf, wenn wir zurück kommen, dann werde ich Euch wie mein Chef mich, mit seiner charmanten Art "Schachmatt setzen".........oder eben auch nicht. Viele liebe Grüsse und wir freuen uns immer über Eure Kommentare!

Mittwoch, 7. April 2010

Schmetterling, Paar Langlotz, Groovy Colours (Jazz Band) und Spinne




Aprilscherz....

Ena hat ganz richtig geraten....wir würden doch im August unseren Schweizer-Besuch nicht verpassen wollen!!! Es hat sich tatsächlich eine Frau aus Amerika (ich glaub es war Kanada, habs wieder vergessen..), die eine Promotionsagentur betreibt, bei mir gemeldet. Wir waren in Kontakt und dann fragte sie mich nach CD/Single-Aufnahmen und da musste ich zugeben, dass ich nur ein Demotape hatte. Meine nächste Aufgabe ist nun, eine Single zu produzieren, damit unser Kontakt weiterbestehen kann. D.h. ich werde jetzt hier in Sierra Leone in einem Studio einen Song aufnehmen. Morgen solls mal anfangen. Die Ballanta hat ein klitzekleines Studio. Ich werde mal sehen, was wir für einen Qualität hinbringen.
Aber im August kommen wir definitiv in die Schweiz. 
Danke für die lieben Kommentare, es freut mich, dass mir einige das zutrauen...hihi..
Und sorry für die Langsamkeit, den Aprilscherz aufzulösen, hier geht halt alles etwas langsamer (ohoh, was werde ich wohl in der Schweiz für Entschuldigungen brauchen können???)

Seid von Herzen gegrüsst und bald folgen weitere (wahre) Geschichten aus dem tropischen Sierra Leone

Mittwoch, 31. März 2010

Kanada?

Hier sind DIE News: Eine Frau aus der Promotion Branche in Kanada hat durch ihre Arbeit mit Schweizer Musikern (ist mir noch nicht ganz klar, wer und warum) meine Musik, die ich auf der myspace.com Website draufgeladen habe gehört, und nun lädt sie mich nach Kanada ein um dort meine selbstkomponierte Musik professionell aufzunehmen und sie dort zu promoten. Philipp und ich sind uns ernsthaft am überlegen, ob wir im August nach Kanada gehen wollen, denn die Homepage dieser Frau Danie ist professionell. Sie war vorher auch Sängerin. Sie würde sogar meinen Flug bezahlen (nicht den von Philipp). 
Ja, ja, wie schnell sich immer wieder alles verändert, das Leben ist spannend, die Fortsetzung folgt sehr bald....(wir müssen jetzt mal unsere Köpfe zusammenstecken und entscheiden, was wir machen wollen).
Jetzt werde ich mal bald in Bett gehen und von einer Musikkarriere träumen.... (vielleicht bald etwas mehr Realität??).... wir werden sehen!

Freitag, 19. März 2010

Nene

So heisst unsere "Putzfrau", die uns zwei mal in der Woche mit der Wäsche und der Reinigung hilft. Sie ist eine herzhafte Person, die wir gern gewonnen haben. Nachdem wir von unserer Berlin-Reise im Januar zurückgekehrt waren, hatte ich das Gefühl, dass sie nicht ganz glücklich war. Auf mein Nachfragen hin, erzählte sie, dass ihr Mann sie vor wenigen Tagen mitsamt den 4 Kindern (Alter zwischen 1-8 Jahren) aus dem Haus geworfen hatte. Dem Ganzen sei bloss ein Streit vorausgegangen. Klar, haben wir keinen Einblick, was sich wirklich ereignet hat. Doch haben wir nun schon mehrfach gehört, dass es nicht unüblich ist, wenn Männer ihre Beziehung zu ihren Ehefrauen/und auch Kindern schlagartig aufgeben und sich dann nicht wieder sehen oder miteinander kommunizieren. Dies ist wohl auch nur schon möglich, weil es sich um eine traditionelle Ehe handelt und diese vor dem Gesetz nicht geschützt ist. Also kein Gerichtsverfahren und von Ansprüchen der Frau ganz zu schweigen.

Vor gut zwei Wochen kam Nene zum arbeiten und erzählte uns , dass ihr Mann in der vorherigen Nacht in das Haus ihrer Mutter - wo sie inzwischen mit ihren Kindern wohnt - eingedrungen sei. Er forderte sie auf ein CD Gerät herauszugeben, was sie verweigerte. Daraufhin riss er ihr die Kleider vom Leib und verprügelte sie. Niemand schritt ein, war es doch mitten in der Nacht und hatte es nur Frauen zugegen, die selber Angst hatten. Nene meinte, dass sie sich so schäme und ihr Körper enorm schmerze. Wir sagten ihr, sie solle wieder nach Hause gehen und sich erholen, doch wollte sie ihre Arbeit tun. Einmal mehr haben wir natürlich nicht gewusst was machen und haben darauf vertraut, dass sie das tut, was ihr gerade am besten tut.

Wir haben uns beide ohnmächtig gefühlt, keine Worte oder Erklärungen, die Trost verschaffen können. Da gibt es in meiner Organisation ein Programm, das Opfern von Menschenrechtsverletzungen kostenlose Rechtsvertretung gewährt. Doch was nützt dies, wenn die Opfer Angst haben, irgendwelche Schritte gegen ihren Peiniger zu unternehmen und diese am liebsten einfach nicht mehr sehen wollen. Wenn solche Gewalt zum Alltag gehört und man sich gewöhnt, diese einfach zu ertragen ("you ge for biar" so ein häufig gebraucht Spruch, was heissen soll, "das musst Du halt ertragen"). Frauenhäuser wie in Europa gibt es "etwa ein Halbes" in Sierra Leone doch ist das für die meisten auch keine Alternative, da sie entweder davon nichts wissen oder sich ein Leben fern der Verwandtschaft/Freunde nicht vorstellen können.

Montag, 15. März 2010

Kitty, der Ballanta-Engel/


Das ist Kitty. Sie ist sowas wie das Herz von Ballanta. Vor 25 Jahren hat sie die Ballanta Academy of Music mitbegründet und seither (und wahrscheinlich schon früher) mischt sie kräftig in der kulturellen Szene in Sierra Leone mit. Sie hat eine unermüdliche Energie, Dinge anzupacken und zu erledigen und eine Engelsgeduld.... und natürlich jede Menge Erfahrungen. Sie ist mit einem sierra leonischen Mann verheiratet und hier Hauptintstrument ist Klavier. 
Seit Joseryl (die Acting Principal der Ballanta) für 6 Wochen nach Amerika ist (sie hat dort klassischen Gesang studiert und kann jetzt bei einer Oper dabei sein) teilen Kitty, Leslie und ich uns die Hauptaufgaben in der Ballanta. Theoretisch bin ich jetzt die Stellvertretung des Principals, aber irgendwie machen wir das zu dritt. Wo halt grad jeder ist, Zeit hat oder am meisten weiss. Eigentlich war Kitty seit ein- bis zwei Jahren pensioniert (sie hat immer noch viel nebenher gemacht, aber nicht nur in der Ballanta), doch der Betrieb und die Finanzen sind im letzten Jahr nicht sehr gut gewesen, und deshalb haben der Vorstand mich (als admin consultant) und auch Kitty (als Supervisorin) eingestellt. Die Team- und Admin-struktur wird ein wenig überarbeitet (mit Hilfe von einer englischen Musikschule, Wells Cathedral School), d.h. dieses Jahr wird es wohl ein wenig Änderungen geben. Das kann nicht schaden....
Ich von meiner Seite her, habe kundgetan, dass ich den Admin Job maximal bis Juli dieses Jahres besetzen will, da er mich zu sehr in Anspruch nimmt und ich kaum noch selber Musik machen kann. Ja, es hat mich gepackt hier, ich lerne Saxophon, werde eine Prüfung dazu ablegen, spiele und singe Jazz in unserer Band Groovy Colours, dann möchte ich eine Single aufnehmen mit einer meiner Eigenkompositionen....
Es gibt enorm viel zu tun, und das macht das Leben hier auch so spannend. Kleines Beispiel: Nebenbei spiele ich eine Rolle als Doktor in irgendeinem Film, den sie hier drehen (Lost identiy). Ich konnte wieder mal nicht nein sagen. Ich fühl mich völlig fehl am Platz, bin doch keine Schauspielerin (es ist gott sei dank nur eine ganz kleine Rolle), aber ich muss lachen, wenn ich daran denke, dass ich mich nachher im Film sehen kann (zwischen all den Sierra Leonern..., grins).

So, ich knuddle euch und schicke einen feuchten (weil jetzt die heisseste Zeit angebrochen ist und man immer, auch in der Nacht, einen Schweissfilm auf seiner Haut hat) Schmatz über den Ozean!

Samstag, 6. März 2010

effektives Arbeiten

Vorletzten Freitag ging ich motiviert zur Arbeit, schliesslich wollte ich vor dem Wochenende noch einige Dinge erledigen. Die meisten Organisationen arbeiten am Freitag nur bis ca. 13.00 oder 14.00 Uhr, da um diese Zeit jeweils das wichtigste Gebet der Muslime abgehalten wird. In Sierra Leone leben ca. 40% Muslime und 30% Christen. Bei der Arbeit angekommen, informiert mich mein Kollege Lansana, dass um 10.00 bei einer anderen Mitarbeiterin von Caritas eine Zeremonie statt finde. Mit der Zeremonie wird die Mutter der Kollegin geehrt, welche vor einem Jahr gestorben ist.

Das ist ja wieder einmal in allerletzter Minute kommuniziert, denke ich für mich. Da ich bereits ein Meeting um 10.00 Uhr arrangiert habe, sage ich Lansana, ich sei verhindert. Zehn Minuten später kommt – unabhängig von Lansana - unser neuer Program Manager in mein Büro und teilt mir mit, dass das ganze Team an diese Zeremonie gehe. Langsam dämmert mir, dass ich auch mitkommen sollte, weil diese Zermonie einen dieser Events darstellt, welche einen grossen Stellenwert im Leben der Sierra Leoner haben. Also verschiebe ich mein Meeting und „pünktlich“ um 10.00 verlassen wir unser Büro, um zum Haus unserer Kollegin zu fahren. Wir kommen dort um 10.30 an, und da niemand da ist, fragt ein Mitarbeiter, ob die Zeremonie schon vorüber sei. Keine Hektik oder schlechtes Gewissen, dass wir zu spät sind, nein einfach eine Frage. Natürlich sind wir nicht zu spät und warten nun „ganz afrikanisch“ die nächsten vierzig Minuten unter einem grossen Mangobaum bis etwas passiert.

Dann muss ich über meine Naivität schmunzeln, als ich realisiere, dass die Zeremonie „nur“ aus einem gemeinsamen Reis-Menu besteht, keine traditionelle Anrede oder Zeremonie, wie ich sie mir vorgestellt habe. Den Anderen ist dies natürlich klar und sie langen auch kräftig zu, ich dagegen habe eigentlich noch keinen Hunger, überwinde mich aber, einige Happen zu mir zu nehmen. Interessant ist, dass die Männer je zu zweit einen Teller Reis teilen, während die Frauen alle zusammen aus dem Topf essen. Ein muslimischer Gebrauch.

Um 12.15 verabschieden wir uns und ich gehe zu meinem deutschen Kollegen, um über financial policies zu sprechen. Kaum haben wir begonnen, da schneit mein Chef, Father Konteh herein. Er ist einen Tag zuvor vor seiner 3-wöchigen Deutschlandreise zurückgekommen und will dem deutschen Kollegen einen Besuch abstatten. Klar, wir unterbrechen unser Gespräch und verweilen die nächsten 90 Minuten mit meinem Chef und hören ihn von seinen Erlebnissen erzählen. Spannend ist es alle Male und auch relevant für meine Arbeit. Wie sich später herausstellt ist dies nämlich die einzige Begegnung mit meinem Chef seit seiner Rückkehr vor zwei Wochen.

Ich kämpfe mich durch den Verkehr und erreiche um ca. 14.00 mein Büro. Inzwischen ist mein Elan nicht mehr so gross, es ist heiss im Büro und ich freue mich aufs Wochenende. Dennoch will ich noch etwas erledigen. Da kommt der Coordinator für alle AGEH Stellen in Sierra Leone in mein Büro und wir unterhalten uns über dies und jenes. Nach ca. 45 Minuten teilt er mir mit, was sein Anliegen ist. Das ist eigentlich typisch afrikanisch, wenn man das überhaupt sagen kann. Zuerst wird die Beziehung gepflegt und in den letzten 5 Minuten kommt man zur Essenz. Nachdem er gegangen ist, ist auch der letzte Arbeitselan verschwunden. Niemand ist mehr im Büro, wieso soll ich noch bleiben? Ich gehe nach Hause und frage mich, was ich heute überhaupt zu Stande gebracht habe. Egal, denke ich mir, schliesslich bin ich in Sierra Leone und hier ticken die Uhren halt anders. Am nächsten Montag bin ich überrascht, als sich die Kollegin, die uns zur Zeremonie eingeladen hatte, aufrichtig für mich Kommen bedankt. Einmal mehr bestätigt sich die Erkenntnis, dass die Beziehungen einen extrem hohen Stellenwert haben und ohne diese keine Zusammenarbeit denkbar ist. D.h. wenn ich mit meinen Kollegen kooperieren möchte, muss ich dies immer einbeziehen. Was also ist effektives Arbeiten?

Sonntag, 21. Februar 2010

Sierra leonische Einblicke






Im Moment läuft grad das Internet gut, d.h. ich werde jetzt gleich für euch eine kleine, kunterbuntgemischte Bilderreihe auf den Blog aufzuladen versuchen. Viel Spass!

Donnerstag, 18. Februar 2010

Essen

Was machen, wenn das gekaufte Brot hart ist oder die Bananen so weich, dass sie beinahe schon ein Muus sind? Annick und ich haben uns rasch dazu entschlossen, in Sierra Leone kein Essen wegzuwerfen, weil es zu viele Menschen gibt, die hungern. Der Hunger zeigt sich nicht unbedingt in Form von aufgeplähten Bäuchern von Kindern (wie man es vielleicht von früheren Bildern in Äthiopien kennt), sondern ist häufig auf den ersten Blick nicht sichtbar. Mehr als die Hälfte der Menschen, ich glaube sogar um die 70 % der Menschen sind unterernährt in Sierra Leone. Eine Folge daraus ist, dass ein 14-jähriges Kind wie ein 10-jähriges Kind aussehen kann. 
Also wieder zurück zu unserem Entschluss, essen nicht in den Abfall zu werfen. Gestern beispielsweise gab ich Paul, dem 9-jährigen Sohn der Köchin unserer Vermieter - er wohnt mit seiner Mutter auf dem Compound - ein halbes Brot, das schon ziemlich hart war. Als er es ausgepackt hatte, begannen seine Augen zu leuchten und er strahlte mich an. Was bleibt einem da zu sagen? Eine Durchmischung von Scham, dass ich selber das Brot nicht schätze und Freude, den kleinen Paul so strahlen zu sehen. Ein mal mehr eine Situation, die zu komplex ist, als das mein Verstand eine "Lösung" finden könnte.

Dienstag, 16. Februar 2010

Ethanol Plantagen in Sierra Leone (SCHWEIZER FIRMA!!)

Hallo ihr Lieben,
Zur Zeit gibt es grad einen grossen Protestschrei:
Theresa hat uns aus Deutschland ein Mail weitergeleitet, in dem folgendes steht:
"Die staatliche deutsche Entwicklungsbank DEG will in Sierra Leone ein 240 Millionen Euro-Projekt zur Produktion von Ethanol für den Export nach Europa finanzieren. Damit bei uns die Autos mit Agrosprit fahren können, droht den Menschen in Sierra Leone noch mehr Hunger. Auf ihrem Land will die schweizer Firma Addax Bioenergy riesige 
Zuckerrohrplantagen und eine Ethanolfabrik errichten."
Naja, ich bin grad nicht so stolz auf die Schweiz!! Falls ihr Interesse habt, ich habe ein Mail, wo man für den Protest "unterschreiben" kann (oj oj, mein Deutsch wird schlechter, sorry, aber ich bin grad nicht so auf Grammatik und Wortschatz -Kurs) oder ich habe längere Berichte mit mehr Infos. Werde mal schauen, ob ich sie irgendwie auf den Blog laden kann (ein Bericht ist von Jean-Claude Pecelet, Le Temps, Addax Bioenergy Sierra Leone). 
Es würde mich freuen, wenn Ihr euch dafür interessiert und allenfalls auch in der Schweiz schlaumacht, wenn ihr mehr Infos kriegt, könnt ihr uns gerne was weiterschicken. Ich werde mal die Ohren offen halten, wie es hier weitergeht!!

Im Moment bin ich voll mit Arbeit, die Ballanta hat mich als Admin consultant angestellt, die Acting Principal wird für 6 Wochen nach Amerika gehen und Kitty (die Frau, welche die Ballanta aufgebaut hat und lange Principal war) wird gemeinsam mit mir und dem Team die anfallenden Aufgaben übernehmen. Für später steht aber, dass ich, wenn die Principal weg ist, die Stellvertretung übernehme. Soviel zu grossen News!! Hihi! Ausserdem hat unser Accountant gekündigt auf Ende Monat, d.h. jemand neues einarbeiten, und das, obwohl ich selber neu bin (der Accountant steht unter meiner Aufsicht). Ausserdem gibts diesen Samstag ein Benefit Konzert am Strand für Haiti, wo unter anderem Groovy Colours (meine neue Jazz Band) auftreten wird. Im Moment habe ich mich in ein Restaurant zurückgezogen, um in Ruhe zu versuchen, den Arbeitsberg zu verkleinern. Die Ruhe tut gut... smile.. erstes Telefon, süss, der Accountant (der alte) fragt, ob ich ok bin...bin halt spät dran 9.30, aber habs gebraucht..nun werde ich in 20min (afrikanische...hihi) zur Schule runterdüsen (ist 5min zu Fuss entfernt). 

Ganz herzlich warme Grüsse aus Freetown,
Annick

Samstag, 23. Januar 2010

Berlin wir kommen!

Vor zwei Wochen traf ich mich mit einer AGEH Kollegin zum Mittagessen. Dabei fanden wir heraus, dass wir beide Seminare in gewaltfreier Kommunikation nach Marshall Rosenberg besucht hatten. Sie erzählte mir von einem Kurs bei dem es um restorativ circles ging, einen Prozess wie man Konflikte alternativ angehen kann. Diese Methode basiert auf der gewaltfreien Kommunikation und wird mit viel Erfolg seit Jahren in Brasilien und anderen Ländern in Favellas und "einfachen" communities angewendet. Dabei werden nicht nur die unmittelbaren Streitparteien, sondern auch deren Familienmitglieder, Nachbarn und andere relevante Parteien involviert. Diese Vorgehensweise entspricht beispielsweise auch der afrikanischen Kultur, weil dort die Familien- und community-Strukturen eine viel wichtigere Rolle spielen. 

Als meine Kollegin mir von dieser Methode/Prozess erzählte, dachte ich, genau das müssen wir mit den Justice and Peace Committees in unserer Diözese machen. Anstatt irgendwelche neue Projekte anzureissen, ist es viel sinnvoller, gewisse Leute in den communities auszubilden, damit diese als Mediatoren in ihrem Alltag fungieren können. Ich musste also mein Team von dieser Sache überzeugen; sie waren von der Idee schnell angetan (hier kam mir meine subtile Überredungskunst zu Gute...). Am nächsten Tag schaute ich mich sofort um, ob es irgendwelche Kurse zu restorativ circles (für Interessierte: www.restorativecircles.de) gibt und schau, ein Kurs findet Ende Januar Anfang Februar in Berlin statt. Ich machte mich sofort an die Planung und trotz einiger Turbulenz bei meiner Arbeit (Bridget hat ihr Ticket und wird morgen abreisen, mein Chef ist ebenfalls für 3 Wochen in Deutschland) werden Annick und ich nun am nächsten Freitag nach Berlin fliegen. Der Kurs beginnt um 30. und 31. Januar (Einführungswochenende) und wird am 4.-7. Februar weitergeführt. Am 8. Februar gehts wieder zurück nach Hause. Annick wird nicht am Kurs teilnehmen, hat sich aber dennoch für die Reise entschieden, nicht zuletzt, weil es ihr gut tut, die letzten 2 Wochen zu verdauen, in denen sich einiges bei ihr entwickelt hat (nein, sie ist nicht schw.....). Ich lasse sie wohl am besten selber erzählen.

Ca. 30 Grad Temperaturunterschied erwartet uns. Wir haben je eine Jeans, einen Pullover und eine Regenjacke sowie abgelatschte Halbschuhe. Das wird eine kalte Angelegenheit. Wir freuen uns auf dieses Time-out, mal in ein Kino gehen oder in ein gemütliches Cafe sitzen. Natürlich ist jeder/jede willkommen, einen Städtetrip nach Berlin zu machen. Aber keine Panik, keine Verpflichtung, wir kommen ja im August in die Schweiz.

Heute Abend werden Annick und ich uns Sushi gönnen und auf neun spannende, leidenschaftliche und lehrreiche Jahre Partnerschaft anstossen! Prost!


Freitag, 22. Januar 2010

eine turbulente Woche

Am letzten Dienstagnachmittag (14.00 geplant, 15.45 begonnen.......) hatte ich mit meinem Chef ein gutes und spannendes Gespräch über meine Arbeit und die Justice and Peace Commission. Es ist erstaunlich, jedes Mal, wenn ich mit ihm spreche, fühle ich mich vollkommen motiviert für die nächsten Aufgaben. Und dies, nachdem ich mir gesagt hatte, ich werde alles wieder ein wenig ruhiger angehen, weil einige Kommentare/Handlungen von mir zu Spannung zwischen mir und meiner Kollegin Bridget geführt hatten. In diesem Gespräch machte mein Chef deutlich, dass er die Hoffnung habe, ich könne dafür sorgen, dass die Commission nicht den try and error Pfad beschreiten müsse, sondern von der Erfahrung der so gut funktionierenden Schweiz profitieren könne. Konkret meinte er damit unter anderem auch effizientes, effektives und nachhaltiges Arbeiten. Ich antwortete ihm, dass ich das gerne mache, aber dies gar nicht so einfach sei, da meine Mitarbeiter oft ganz andere Ansichten hätten und ich als Consultant gar nicht die Autorität hätte, meine Inputs durchzusetzen. Auf jeden Fall ging ich frohen Mutes nach Hause, auch in der Vorfreude, in den nächsten Wochen neues anzupacken.

In den zwei darauffolgenden Tage war ich als Organisator eines Workshops für unsere Commission tätig, in welchem es darum ging, die Strategie der nächsten 3 Jahre zu planen. Wir liessen das letzte halbe Jahr revue passieren und evaluierten unsere Schwächen und Stärken. Dabei ermunterete ich meine Mitarbeiter, ihre Ansichten ehrlich darzulegen. Ich musste dann ganz schön schlucken, da ich einige Feedback als persönliche Kritik/Angriff interpretierte (selber Schuld). Auf jeden Fall war es mit dem Höhenflug blitzartig wieder zu Ende; im Gegenteil ich hatte Gedanken wie "ihr könnte mir alle in die Schuhe blasen", ich fühlte meine Arbeit nicht geschätzt. Während des Workshops wurde mir auch bewusst, dass die Spannungen zwischen mir und Bridget zunahmen und es teilweise recht frostig wurde.

Während einer Pause (immer noch innerhalb des Workshops) war ich damit beschäftigt, einen gemeinsamen Termin für ein anderes Meeting der Commission zu finden. Als ich auf Bridget zuging und sie fragte, ob er ein bestimmtes Datum ginge, verneinte sie nur, ohne irgendetwas dazu zu sagen. Also bat ich sie, dass wir zusammen mit unserem Chef in der nächsten Pause besprechen, wann wir uns treffen können für das Meeting. In der nächsten Pause also, rief ich die beiden zusammen und erläuterte ihnen, worum es ging. Zunächst einfach schweigen. Mein Chef meinte dann, dass dies das einzige mögliche Datum für sei. Bridget schwieg zuerst eine Weile, meinte dann, dass ihr Sohn einen Schultest hätte. Dann wieder 20 Sekunden Schweigen, innerlich fühlte ich mich wie auf Kohlen. Ich nahm all meine Geduld zusammen, liess weitere Sekunden verstreichen und fragte dann, ob wir uns vielleicht am Nachmittag diesen Tages treffen könnten. Schweigen. Mir war klar, dass etwas nicht in Ordnung sein konnte, irgendetwas war verborgen. Als ich dann Bridget bat, uns darzulegen, was in ihr vorgehe, meinte sie, wir können das Meeting am Nachmittag abhalten, ohne aber darzulegen, weshalb sie so zögerte. Als sich dann später herausstellte, dass dieser Termin für einen anderen Mitarbeiter nicht möglich war und schlussendlich nur noch ein einziger Tag (Sonntagmorgen!!!) für das Meeting in Frage kam, fragte ich formellerweise nochmals Bridget, ob ihr dieser Termin gehe. Sie gab von sich, dass sie leider nicht kommen könne, sie mir dies aber nicht erklären könne, da der Grund vertraulich seie und sie dies mit unserem Chef besprechen würde.

Am nächsten morgen rief ich meinen Chef an, um ihn zu fragen, zu welcher Schlussfolgerung er mit Bridget gekommen sei. Er teilte mir mit, dass er mich hierfür persönlich treffen wolle. Als er dies sagte, wurde mir bange, da ich mir vorstellte, dass Bridget sich bei ihm über mich beklagt hatte. Die Spannung stieg. Und dann die Überraschung. Bridget hatte ihm mitgeteilt, dass sie für 4 Wochen in die USA gehen wolle - bereits nächsten Sonntag - und höchst wahrscheinlich wieder zurück komme. Ich war natürlich froh, dass dies nichts mit mir zu tun hatte. So wie ich es verstanden habe, wollen ihre in den USA lebenden Brüder, sie und vor allem ihre 3 Kinder, in die USA holen. Aufgrund dieser Unklarheit und auch deshalb, weil ich der Ansicht bin, dass sie nicht die ideale Besetzung für die Position als Program Managerin ist, machte ich mich dafür stark, ihren Vertrag zu beenden. Glücklicherweise schwenkte der stellvertretende Chef in meine Richtung ein…….Das Gespräch war sehr nervenaufreibend, da ich Farbe bekannte und ein solches Verhalten nicht gerade an der Tagesordnung in Sierra Leone ist. Hier zählen persönliche Beziehungen mehr als alles und zugegebenermassen fühlte ich mich im Gespräch als derjenige, der Bridget hinauswarf. So froh ich bin, eine neue Person für die Stelle zu suchen, so schade finde ich es auch, Bridget im Team zu verlieren, da wir uns persönlich immer wieder sehr gut verstanden und ich sie als Person schätze.

Donnerstag, 21. Januar 2010

Gast-Eintrag

Unsere Gast-Einträge häufen sich, toll! Danke Theresa und Ray für euren Besuch im November, unsere gemeinsamen Abenteuer werden uns lange in Erinnerung bleiben!!

Was unsere Gäste zu berichten wissen:

So ganz ohne Vorstellung waren wir, als wir im Sommer unseren Flug nach Freetown buchten. Eine Einschätzung des Landes konnten wir nur auf Basis der teilweise sehr brutalen Biographie des Kindersoldaten Ismahel Beha und dem erstaunten Blick des Tropenarztes in Anbetracht des Reiselandes vornehmen. Annick gab uns noch vorab per Email den Tipp: bei der Ankunft am Flughafen entspannt bleiben, Ruhe bewahren! Dankbar hielten wir uns an diesen Worten fest, als wir im Flughafen-Getümmel schwerste Mühe hatten, die zehn überambitionierten Träger mit unseren Taschen und Fahrrädern im Auge und am gleichen Fleck zu halten. Keine zwei Stunden im Land und schon mittendrin. Drei Stunden und eine Fahrt mit dem Wassertaxi später saßen wir dann mit Philipp und Annick im Restaurant und tranken unser erstes „Star“-Bier, glücklich über das Wiedersehen! Und von da an vergingen nur noch wenige Tage, bis wir uns einig waren: dieses Land ist fantastisch! Jede Minute wurde aufgesogen und genossen (abzüglich der Momente völliger Erschöpfung  am Tag 5 der Bintumani-Tour) und zu keiner Zeit kamen unwohle oder unsichere Gefühle auf, im Gegenteil. Wir waren uns einig: Als Schwarzer in Europa muss man sich um ein vielfaches unwohler fühlen!

Besonders die Gesichter der Menschen in Sierra Leone wirken noch immer in uns nach. „Forgive and forget“, lautete die Losung nach dem Krieg, mit der die Menschen ihr Schicksal hinter sich lassen sollten. Die wenigen Geschichten, die uns Einheimische von ihren tragischen Verlusten im Krieg erzählten, haben für uns immer wieder die Frage aufgeworfen: wie machen diese Leute weiter – und scheinen dabei Frieden im Herzen zu tragen? Das entspricht doch nicht unserer Mentalität, die wir meinen, unsere (Kriegs-)Geschichte immer und immer wieder hervorholen und verarbeiten zu müssen. Am Ende stand der Gedanke: In Sierra Leone kann es sich niemand leisten, sein Schicksal wieder und wieder zu betrauern: Dort geht auch in vermeintlichen Friedenszeiten der Überlebenskampf weiter.

In Sierra Leone kann man in verschiedensten Varianten erfahren was es heißt, nichts zu haben. Das war immer wieder bitter und schmerzhaft anzusehen. Und dann die Fragen: Soll man helfen – oder hilft man letztendlich mit vermeintlicher Hilfe doch nicht, sondern richtet mehr Schaden oder Abhängigkeit an? Regelmäßig haben wir für ein Abendessen mehr ausgegeben als die meisten Einwohner des Landes in einem Monat verdienen. Die vielen Facetten der Ungerechtigkeit sind in diesem Land ein ständiger Begleiter. Und doch haben die Leute dort sehr viel von etwas, das wir wiederum in Europa vermissen. Sie tragen es in ihren Gesichtern. Dieser zwischenmenschliche Reichtum lässt sich für mich nicht beschreiben, er lässt sich nur erfahren.

Erst durch unsere Gastgeber und Reisebegleiter Annick und Philipp wurde diese Reise für uns zu der Besonderheit, die sie war. Es war sehr schön zu sehen, wie ihr euch eine Welt aus Arbeit, Musikschule, Basketball, Freunden, gemütlich zu Hause sein und vielem mehr aufgebaut haben. Und Hut ab vor Eurem Mut! Aber es hat uns auch gezeigt: Egal in welchem Land und auf welchem Kontinent, man kann sich etwas aufbauen, solange man sich selbst keine Grenzen setzt. Lieber Philipp, liebe Annick, Danke für die wunderbare Zeit mit Euch! 

Montag, 11. Januar 2010

Perspektiven-Wechsel!

Hallo ihr Lieben!
Zur Abwechslung gibts einen Blogeintrag meiner Eltern, auf Deutsch und Französisch! Zückt euer Lexikon (falls notwendig) und lasst euch auf neue Erzählungen ein.....

WELCOME TO FREETOWN !

You are now free! Mit diesen Worten (inkl. Überschrift) begrüsste uns ein Basketballspieler am Rande des Spielfeldes. Überall wo wir hinkommen: viel Herzlichkeit und Fröhlichkeit. Einfach so? Oberflächlich? Oder tiefgründig (eine Anspielung auf die Zeit der Sklaven, auf den Bürgerkrieg oder auf die europäische Abhängigkeit vom Materiellen?)? Werden wir hier das Lachen lernen auch wenn der Magen knurrt? Bei soviel Fragen übernehmen wir in der Regel die Ratschläge von Zwitschi und Annick, wie in diesem Fall: Hier gibt es auf viele Fragen keine Antwort.

Nous n’avons jamais mis le pied en Afrique. Alors, un mois au Sierra Leone, là où Z et A travaillent c’est l’occasion ou jamais pour faire de nouvelles découvertes. Un 1er clin d’oeil: la vie est farfelue, les gens joyeux et explosifs; la végétation sur les collines est sauvage est verte, les routes à Freetown, c’est l’horreur totale, trous et bords des routes défoncés. Partout il y a des maisons en construction mais elles ne sont pas prêtes d’être terminées. On voit à chaque instant des lézards âgamas dont les mâles sont très colorés (rouge, bleu-vert, orange). B et E ont décidé de ne pas jouer aux grands touristes mais de comprendre un peu mieux la vie des 2 « Langlötzli », A et Z. Ils nous ont entraînés dans leurs nombreuses activités et lieux de travail et grâce à leur joyeux contact avec les Sierra Léonais(es) nous avons connu de nombreux moments agréables et avons appris beaucoup. L’arrivée à l’aéroport Lunghi de Freetown fut assez rocambolesque car vu que c’est l’époque de Noël, beaucoup rentraient chez eux pour les fêtes. De là, nous avons pris l’hélicoptère pour arriver après une petite ½ h dans les bras de A et Z.

La nourriture du Sierra Léone était pour nous totalement inconnue. Le 1er jour au Bamboo Hut nous avons mangé des bananes préparées de différentes manières et nous apprenons que l’on mange beaucoup de riz ou du couscous et que l’on utilise beaucoup d’huile.

Les restos sont très variés et l'on mange aussi libanais car c’est une communauté très présente à Freetown. Sur la route, nous arrêtons pour acheter des fruits super mûrs et sucrés: papayas, ananas, mangues ou pamplemousses. Nous comprenons mieux ce que A et Z racontent dans leur Blogg car chaque personne et chaque chose prend un visage, une couleur, une anecdote! Avec A nous faisons connaissance de son école de musique et des musiciens. Nous visitons  2 festivals (films, musique) où nous rencontrons leurs collègues et si ce n’est pas là, nous les rencontrons à table au resto autour d’un bon repas. Nous ne nous attendions pas à voir des frites aussi souvent dans nos assiettes. C’est très, très varié et intéressant. A, Z, B et E discutent le plus au café Bliss, tenu par de gentils Libanais, devant un café latte/croissant ou un thé/toasts. Aviez-vous imaginé cela?

Noël et Nouvel An sous les tropiques furent charmants mais tellement différents de l’habituelle atmosphère hivernale. Nous avons passé de joyeuses soirées à jouer: Uno, six qui prend! et séquence n’ont presque plus de secret pour nous !!! Nous avons bien des fous rires.

Mais l’ombre de la guerre existe encore – des handicapés, des maisons démolies, des sous-entendus… En tout cas disons le tout de suite, nous nous sentons en sécurité et les gens vivent vers l’avenir. Nous ne pouvons que souhaiter que cela continue.

La pauvreté et la richesse, cela se mélange et grâce aux chauffeurs habiles que sont Z et A (au millimètre près) nous avons parcouru Freetown dans ses coins et recoins et ses raccourcis pour éviter les grands embouteillages.

A et Z ont demandé si leurs visites écrivent sur leur Blogg na salone. Nous pourrions encore beaucoup raconter : des aventures rigolotes, des quiproquos, des petites histoires tristes, des rencontres fortuites etc. Nous terminerons par les plages près de Freetown et nous choisissons la beach river no 2 comme endroit idyllique et parfait pour se rétablir: une plage au sable fin et doré et un Océan atlantique à perte de vue, des vagues merveilleuses pour amateur de boogie board et ceux qui aiment les sauter. Repos à l’ombre des huttes au toit de chaume, contact avec la population locale qui est discrète et n’insiste pas, ce qui est une grande qualité. Pour atteindre ce splendide endroit il faut le mériter : une route chaotique, poussiéreuse (une affreuse poussière rouge collante), qui deviendra une fois ( !) une grande route… Et espérons que dans 10 ans, cette précieuse côte océanique serait encore aussi spontanée et joyeuse et restera un bijou.   

Tenkiya Annick et Zwitschi. We go see back. C’est du créo !

Samstag, 2. Januar 2010

kleiner vorweihnachtlicher Musikauftritt in einer Bank
















Salutti tutti frutti,
Die Neujahrsvorsätze sollten doch wohl im Janur eingehalten werden, und deshalb gibts gleich einen weiteren Blogeintrag! Hier oben seht ihr einige Jungs aus der Ballanta Academy (die Musikschule, wo ich als Klavier- und Gesangslehrerin arbeite) mit welchen es vor Weihnachten ein kleines Konzert in einer Bank gegeben hat (während der Arbeitszeiten). War eine interessante Erfahrung, die Leute haben es gemocht (ich fand die Qualität mittelmässig aber die Atmosphäre war schön) und wir haben etwas Geld dafür bekommen. Ihr seht, ich trete schon mit Saxophon auf, ja ja, ich bin fleissig am lernen (nicht so strukturiert wie wir es aus der Schweiz kennen, grins).
Warme Grüsse aus Freetown!!