Samstag, 11. Dezember 2010

Die Nebenfolgen des Strassenbaus

Vor 2 Monaten begannen die Arbeiten, um die Wilkinson Road - das ist die Strasse welche den Westen von Freetown (wir leben dort) mit der Stadtmitte verbindet - vierspurig zu machen. Zuerst wurden alle Compound-Mauern der angrenzenden Häuser sowie die kleinen Blech-Häuser mit einem Bagger niedergefahren. Ein Bild wie nach einem Hurrikan oder Krieg, alles lag in Schutt und Asche, riesige Bäume lagen herausgerissen neben der Strasse. Viele sogenannte Petty-Trader (Klein-Händler) verloren dabei ihre Läden. Ob sie eine Entschädigung erhalten haben, entzieht sich meiner Kenntnis. Es wurde bloss gesagt, dass die Regierung dieses Projekt schon vor über zehn Jahren in Angriff nehmen wollte und damit jedem klar sein musste, dass dies eines Tages geschehen würde. In einem Land, in welchem viele Versprechungen der Regierung nicht eingehalten werden, war dies vermutlich nicht ganz so klar.
Vor über einem Monat spürten auch wir die Nebenauswirkungen des Strassenbaus in Form von Stromausfall über 10 Tage. Ein Bagger hatte anscheinend ein Stromkabel gekappt, kann ja passieren. Nachdem dieser Fehler behoben wurde, ging es einen ganzen Tag, bis das nächste Kabel durchtrennt wurde. Ich hatte dann doch Mühe, dies einzusehen......(Rüdiger Hoffmann lässt grüssen). Vor ca. 2 Wochen wurde nun der Strom für die ganze Gegend abgestellt, da ........niemand weiss jeweils warum......ob wieder ein Kabel durchtrennt wurde .......oder die Kabel neu gelegt wurden.......wie lange??? Da wäre ein Brief des EWZ mit mehr Information ein wahrer Luxus.
Im Gegensatz zu vielen Sierra Leonern verfügen wir über einen Generator, den wir jeweils am Abend benutzen. Das reicht aber nur halbwegs (eher untertrieben), um unseren Kühlschrank kühl zu halten. Das richtig Unangenehme an der ganzen Sache ist der Lärm am Abend und durch die ganze Nacht. Da die Fenster nicht geschlossen werden können, hören wir unseren Generator sowie diejenigen unserer Nachbarn um uns herum sehr gut. Die Schwingung ist ebenfalls spürbar. Also nicht gerade das, um sich nach einem anstrengenden Tag in der lauten Stadt zu erholen.
Vermiesen lassen wir uns das Leben deshalb aber nicht! Unser Humor hat uns schon einige Male durch heikle Situationen gerettet und wenn wir nicht weiter wissen, gehen wir in ein gemütliches Restaurant ausessen. Es hilft jeweils, die Situation zu akzeptieren, wie sie ist, weil sich sonst ein Frust und eine Aggression gegen das Land und die Leute breit machen.

Schwangerschafts-News: Annick geht es nach 3 Wochen Erholungsurlaub in der Schweiz viel besser als zuvor. Die Tests in der Schweiz haben ergeben, dass alles nach Plan verläuft und wir Ende April einen Junior erwarten dürfen. Ende Februar wird es für Annick Zeit, in die Schweiz zu fliegen, ich werde ihr Mitte April folgen. Ganz ehrlich: Wir hätten nicht geglaubt, dass uns die Schwangerschaft in Sierra Leone deart herausfordert. Und dennoch freuen wir uns auf die verbleibenden 15 Monate in Sierra Leone und sind gespannt, was uns hier noch erwartet. Gleichzeitig beschäftigen wir uns manchmal auch schon mit dem Abschluss und dem Neuanfang in der Schweiz?

Wir wünschen Euch allen eine ruhige (ohne Generator) und gemütliche Weihnachtszeit im Kreis Eurer Familie und Freunde. Es ist schön zu wissen, dass ihr uns über die ganze Zeit hinweg abseits der Heimat begleitet, Annick und Philipp

1 Kommentar:

  1. ha ha und wenn ihr denkt, dass die schwangerschaft das anstrengende ist.... ;) jupi see you soon! von ena, wieder mal wach in der nacht.

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