Sonntag, 26. September 2010

Katimu

Katimu ist eine Frau, die bei uns im Compound(d.h. sie schläft nicht im Haus sondern innerhalb der Mauern hat sie und ihr kleiner Sohn Paul, 9 Jahre, ein kleines gedecktes Zimmer) wohnt. Sie arbeitet als Wäscherin, Putzfee, Kochhilfe etc.. für unsere Landlords, die einen Stockwerk oberhalb von uns wohnen. Diejenigen, die uns besucht haben, haben sie alle kennengelernt, es ist wie ein bisschen grössere Familie, da man sich täglich sieht und den Wohnraum miteinander teilt.
Seit einigen Monaten war sie immer wieder sehr krank, einmal war es starker Husten, dann wieder Malaria, dann Thyphus und manchmal vielleicht auch eine Kombination von Krankheiten. Seit zwei Wochen geht es ihr wieder sehr schlecht, und der Landlord (ihr Boss), der selber Arzt ist (was hier aber nicht das gleiche bedeutet wie in der Schweiz), ging mit ihr zum Spital. Und dann kam heraus, dass sie Aids hat. Der Landlord war damit eher überfordert und hat auch mit uns darüber geredet.
Bevor wir diese Nachricht erhielten und ich Katimu wieder einmal so schwach und voller Schmerzen sah, sagte ich Philipp, dass es einfach sein könnte, dass sie sterben wird und wir nichts machen können. Hier ist es so anders als in der Schweiz: Der Tod, das Sterben ist ein Teil vom Leben, es ist für mich so stark spürbar und ich hatte mich schon immer gefragt, wann wir hier in Sierra Leone persönlich damit konfrontiert werden würden. Es lässt mich sprachlos, denn es gibt irgendwie nichts dazu zu sagen..

Doch Katimu lebt, sie kämpft und wir versuchen sie und Paul, ihren Sohn, zu unterstützen. Er hätte schon vor zwei Wochen die Schule anfangen sollen, doch durch ihre Krankheit und Geldprobleme wurde die Uniform nicht gemacht und jetzt haben wir ihr Geld gegben, damit Paul bald wieder in die Schule kann. Es ist nicht einfach zu wissen, wie man unterstützen kann.. ist es ein bisschen Geld, damit Katimus Sohn in die Schule kann, ist es eine Wasserflasche, damit sie viel sauberes Wasser trinkt oder ist es der tägliche kleine Schwatz, wo man sich nach dem gegenseitigen Befinden fragt und sich Gottes Segen wünscht? Ich weiss es nicht, und ich fühle mich auch immer wieder ganz klein auf dieser Erde... aber auch voller Liebe für die Menschen um mich herum, weil ich sehe wie sie kämpfen und aushalten, und ihnen ihr Glaube den Mut zum Leben und Sterben schenkt.

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