Freitag, 19. März 2010

Nene

So heisst unsere "Putzfrau", die uns zwei mal in der Woche mit der Wäsche und der Reinigung hilft. Sie ist eine herzhafte Person, die wir gern gewonnen haben. Nachdem wir von unserer Berlin-Reise im Januar zurückgekehrt waren, hatte ich das Gefühl, dass sie nicht ganz glücklich war. Auf mein Nachfragen hin, erzählte sie, dass ihr Mann sie vor wenigen Tagen mitsamt den 4 Kindern (Alter zwischen 1-8 Jahren) aus dem Haus geworfen hatte. Dem Ganzen sei bloss ein Streit vorausgegangen. Klar, haben wir keinen Einblick, was sich wirklich ereignet hat. Doch haben wir nun schon mehrfach gehört, dass es nicht unüblich ist, wenn Männer ihre Beziehung zu ihren Ehefrauen/und auch Kindern schlagartig aufgeben und sich dann nicht wieder sehen oder miteinander kommunizieren. Dies ist wohl auch nur schon möglich, weil es sich um eine traditionelle Ehe handelt und diese vor dem Gesetz nicht geschützt ist. Also kein Gerichtsverfahren und von Ansprüchen der Frau ganz zu schweigen.

Vor gut zwei Wochen kam Nene zum arbeiten und erzählte uns , dass ihr Mann in der vorherigen Nacht in das Haus ihrer Mutter - wo sie inzwischen mit ihren Kindern wohnt - eingedrungen sei. Er forderte sie auf ein CD Gerät herauszugeben, was sie verweigerte. Daraufhin riss er ihr die Kleider vom Leib und verprügelte sie. Niemand schritt ein, war es doch mitten in der Nacht und hatte es nur Frauen zugegen, die selber Angst hatten. Nene meinte, dass sie sich so schäme und ihr Körper enorm schmerze. Wir sagten ihr, sie solle wieder nach Hause gehen und sich erholen, doch wollte sie ihre Arbeit tun. Einmal mehr haben wir natürlich nicht gewusst was machen und haben darauf vertraut, dass sie das tut, was ihr gerade am besten tut.

Wir haben uns beide ohnmächtig gefühlt, keine Worte oder Erklärungen, die Trost verschaffen können. Da gibt es in meiner Organisation ein Programm, das Opfern von Menschenrechtsverletzungen kostenlose Rechtsvertretung gewährt. Doch was nützt dies, wenn die Opfer Angst haben, irgendwelche Schritte gegen ihren Peiniger zu unternehmen und diese am liebsten einfach nicht mehr sehen wollen. Wenn solche Gewalt zum Alltag gehört und man sich gewöhnt, diese einfach zu ertragen ("you ge for biar" so ein häufig gebraucht Spruch, was heissen soll, "das musst Du halt ertragen"). Frauenhäuser wie in Europa gibt es "etwa ein Halbes" in Sierra Leone doch ist das für die meisten auch keine Alternative, da sie entweder davon nichts wissen oder sich ein Leben fern der Verwandtschaft/Freunde nicht vorstellen können.

1 Kommentar:

  1. danke das ihr das erzählt. unvorstellbar so der willkür eines mannes ausgesetzt zu sein. auch wenn man sofort das bedürfniss hat zu helfen ist das warscheinlich nicht die beste reaktion und stark bevormundend. ich hoffe fest das nene die kraft findet sich und ihre kinder durchzubringen. hmm vielleicht bringt es ja auch ein ganz kleines bischen etwas wenn ihr nene erzählt, dass von weit weg eine mutter am schicksal einer anderen mutter anteil nimmt. gute nacht

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