Sonntag, 25. April 2010

Tennis in Salone

In den letzten Monaten habe ich einen Tennisclub mit einigen talentierten Sierra Leonern entdeckt. Wie mit den Leuten beim Basketball ist es erfrischend, mit ihnen zu spielen und einfach mit ihnen zusammen zu sein. Ich wurde vom ersten Moment herzlich aufgenommen und einige sind fasziniert, dass man auch mit beiden Händen die Vorhand spielen kann.......
Es gab dann auch einige Dinge, die mich zu Beginn ein wenig gestört haben: Es ist üblich, dass die jungen Spieler Trinkgeld erhalten, wenn man mit ihnen spielt. Es ist mir schon ein wenig fremd, wenn ich jemandem Geld gebe, damit er mit mir spielt. Besonders dann auch, wenn wir das gleiche Niveau haben. Schliesslich gebe ich den Jungs auf dem Basketballplatz auch kein Geld, damit sie mit mir spielen. Ich habe versucht, dies den Leuten zu erklären, worauf sie in ihrer charmanten Art erwiderten, dass die jungen Spieler auf dieses Geld angewiesen sind. Dennoch habe ich bisher noch keinen Spieler bezahlt und ich denke, dies wird nun auch akzeptiert, da sie mich inzwischen als gleichwertigen Tennispartner ansehen. 
Eine andere Sache ist die, dass die ganz Jungen als Ballboys agieren und auch hier ist es usus, dass sie wie auch der Schiedsrichter am Ende Geld kriegen (ich spreche hier nicht von Turnieren, sondern von Trainings). Und wie am Flughafen mit dem Gepäck wird auch hier nicht gefragt, ob man den Service will, sondern die Ballboys/Schiedsrichter rennen den Bällen hinterher, ohne dass sie hierfür aufgefordert werden. Am Schluss besteht die Erwartungshaltung, dass jeder ca. 1 Euro erhält, was relativ viel ist, wenn man bedenkt, dass der Durchschnitts-Sierra Leoner pro Tag von 1-2 Euros lebt. Als ich dann beim zweiten oder dritten Mal sagte, dass ich keine Ballboys brauche (da ich erstens nie mit Ballboys gespielt habe und dies daher ein wenig befremdlich ist, wenn die Jungs mich bedienen), waren diese recht eingeschnappt und erzählten es weiter. Von Zeit zu Zeit versuche ich sie davon zu überzeugen, dass ich noch jung bin und es mir gut tut, die Bäller selber einzusammeln. Die meisten Sierra Leoner sind daran gewöhnt, dass die Bälle von anderen eingesammelt werden, weshalb ich vor allem bei älteren Tennispartnern darauf Rücksicht nehme und den Ballboys am Schluss etwas gebe. Auch hier hat sich inzwischen die erste Aufregung gelegt und es wird nun akzeptiert, wenn ich ab und zu ohne Ballboys spiele.

Wie bei vielem hier in Sierra Leone können sich für mich durch Gespräche mit den Leuten neue Einblicke oder Erkenntnisse ergeben. So erzählte mir beispielsweise ein junger talentierter Spieler - einer der besten Spieler im Lande - wie schwierig es für ihn sei, im Sport Erfolg zu haben. Zeitweise steht ihm kein Tennsiracket zur Verfügung, da das Ersetzen einer gerissenen Seite ca. 6 Euros kostet. Er wohnt ca. 5 Kilometer vom Tennisclub entfernt, welcher auf einem Hügel liegt und muss aufgrund fehlender finanzieller Mittel die Distanz oft zu Fuss zurück legen. Die Schuhe der meisten Tennisspieler sind häufig ziemlich lädiert, besser gesagt, sie fallen fast auseinander. Er wie auch die anderen ambitionierten Spieler, die im Herbst an den Commonwealth Games teilnehmen werden, sind recht frustriert, dass sie kaum Unterstützung erhalten. Nicht ganz einfach.....Auch wenn ich nach wie vor den Spielern nichts gebe, wenn sie mit mir spielen, stelle ich jeweils die Bälle zur Verfügung und versuche situativ einzelne Leute zu unterstützen: Einmal gab ich einem Spieler meine alten Schuhe (riesige Freude), ein andermal gab ich mein in einem Doppelturnier erhaltenes Preisgeld den talentierten Spielern, damit sie sich ein paar Saiten leisten können. 
Und zu guter Letzt: In Sierra Leone reift eine neue Martina Hingis heran, ca. 1,76 Meter gross, blonde Haare, hübsch und nicht nur in der Musik ehrgeizig...(sie übt gerade für ihr erstes Solo-Konzert heute Abend im Bliss Restaurant)
Liebe Grüsse aus Westafrika

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