Micah und das Leben in Afrika
Eindrücklich wie Micah sich in Sierra Leone wohl fühlt. So stösst er Schreie aus wie ein Indianerhäuptling. Mit Vorliebe macht er dies in klimatisierten Restaurants. Dabei sorgt er sich nicht um die NGO Frauen und Männer, welche – gebeugt über den Laptop – intensiv arbeiten. Er freut sich über jede neue Mahlzeit. Er scheint zu ahnen, dass ihm zu diesem Thema eine interessante Zukunft wartet: denn von seinem auf den Tisch gestellten Baby-relax aus studiert er mit seinen lachenden und interessierten Augen was sich in den Tellern der Eltern und Grosseltern befindet..… noch ohne zu wissen, dass es unanständig ist, in die Teller der anderen zu schauen. Ja, Micah hat sehr ausdrucksvolle Augen: einmal lachend, dann charmant, philosophierend, neugierig, beobachtend und manchmal beunruhigt.
Micah wandert von einem Arm in den andern. Trotzdem weiss er den Unterschied, wen er kennt, sehr gut kennt oder gar nicht.
Freetown olé
Heute fährt Bernhard allein zur einzigen Post in Freetown. Wir verschicken 8 Postkarten. Wieviele werden ankommen? Bis jetzt eine! Auf der Rückfahrt ist Bernhard gut beladen mit einer riesigen herrlichen Ananas und eingepfercht in einem Taxi (hinten 4 statt zwei Passagiere). Da meinte der Taxichauffeur, dass er in eine andere Richtung fahren und ich für die kurze Strecke nichts zahlen müsse. Bernhard kontrollierte trotzdem seinen Geldbeutel während des Aussteigens. Trotz Reisverschluss fehlte er! Deshalb meint Bernhard erschrocken: “mein Geldbeutel fehlt mir!” sucht auf dem Sitz und findet nichts. Schliesslich stellt der Sitznachbar fest, dass er auf dem Geldbeutel sitzt. Sehr hilfsbereit zeigt er Bernhard, dass noch alles Geld im Geldbeutel ist. Bernhard sagt danke und alles ist in Ordnung! Zuhause merkt Bernhard, dass er seine drei Zeitungen vergessen hat. Wahrscheinlich im Taxi….
Sabine, welche sich um Strassenkinder kümmert, kehrt an einem Abend nach einem Besuch bei uns mit ihrem Auto nach Hause zurück. Sie nimmt Abschied doch schon 5 Min. später klingelt das Telefon: ihr 4x4 ist in einem Loch auf der Strasse stecken geblieben. Eigentlich sind wir erstaunt, dass sich dies nicht häufiger und vor allem mit gewöhnlichen Autos ereignet. Zwitschi und Alemani gehen ihr helfen (im Dunkeln; es hat keine Strassenlaternen). Am Ort angekommen, war alles in Ordnung, denn beinahe ein Dutzend Sierraleoner haben der armen Sabine geholfen. Ist man in einer Notlage, dann sind immer Leute zur Stelle, um zu helfen. Olé Freetown!
Dritter Teil: Wir gehen für einen kleinen Kaffee ins Bliss Restaurant. Beim Absitzen bemerke ich, dass ich ein Glas meiner Sonnenbrille verloren habe. Ich erinnere mich, dass ich sie vor dem Eintreten abgenommen habe. Ohne grosse Hoffnung gehe ich nochmals hinaus, doch ich finde kein Glas. Ich erkläre auf Englisch meine Situation einem Jungen, der vor der Türe putzt. Ohne ein Wort zu sprechen, führt er mich zum Abfallkübel. Er hatte das Brillenglas sorgfältig ohne es zu beschädigen in den Abfallkübel zuoberst auf den Abfall gelegt. Super Freetown!
Der Hahn ist tot ! (“le coq est mort”, ein Lied)
An diesem Tag hat Zwitschi eine Überraschung für Annick: er fährt sie zur Musikschule. Wir hüten Micah (Bad, essen, dodo….). Bernhard sieht einen Sierrleoner (ein anderer Philipp!) im Garten hinter einem Hahn herrennen. Dieser flüchtet sich aufs Dach des Nebengebäudes. Kurz danach ruft uns Micah aus seinem Zimmer und ich sehe durchs Fenster wie der Hahn noch halblebend in ein Erdloch geworfen wird. Noch ein zweites Mal springt Philipp vorbei und wirft einen Haufen Unkraut auf den Hahn. Ja, der Hahn ist tot. Warum wird er nicht gegessen? Was sicher ist: er wird nicht mehr sein morgendliches kikeriki singen. Wir werden nie wissen, warum der Hahn nicht in der Pfanne landete.
“Concerto grosso”
Am Morgen (4 Uhr) sind es die Hähne der ganzen Region. Beim Einnachten sind es die Hunde der Umgebung, welche ihr trauriges Lied beginnen. Und es sind viele. Es ist wie bei einer Kette, der eine schickt die Botschaft zum andern, und dann kommt die Antwort, ein Echo wird geheult. Das erinnert mich an den Film von Walt Disney “Susi und der Landstreicher” (La belle et le clochard). Zur Abwechslung – doch während unserer Ferien selten – summen die Generatoren wegen einer Strompanne! - - - - Und in dieser Umgebung schläft Micah: tief !
So, dies ist der Schluss, hoffentlich haben euch unsere Anektoden nicht zu sehr gelangweilt. Wir haben bei den drei Langlötzli super Ferien verbracht!
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