Dienstag, 8. November 2011

Micah´s Taufe:zwischen Faux pax und Freude

Im kleinen Rahmen mit unseren Sierra Leonischen Freunden und Evelyne und Bernhard (Annicks Eltern) haben wir die Taufe von Micah gefeiert. Hier wird dieser Anlass Christening genannt. Begonnen hat es mit einem Knall. Wir haben nämlich als symbolische Taufpaten meine Arbeitskollegin Cecilia und unseren guten Freund Aladjin gewählt. Da Father Konteh, mein Chef, aus Termingründen (besser gesagt chronischer Überarbeitung) die Vorbereitung der Zeremonie auf 15 Minuten vor die Taufe legte, sollten Annick, ich und die Taufpaten kurz die Zeremonie besprechen. Als ich Aladjin bei Namen rief, um zu uns zu kommen, sah mich Father Konteh ungläubig an und meinte sofort, dass könne doch wohl nicht wahr sein. Aladjin, ja ein muslimer Name, impliziert klar, dass er kein Katholik ist. Vor unserem Freund tat er seine Irritation und seinen Ärger kund und belehrte uns, dass es gerade DIE Aufgabe der Taufpaten sei, Micah in seinem Glauben, also katholisch zu stärken und führen. Ich war komplett geschockt vor der Reaktion Father Konteh´s und fühlte mich deart unwohl, dass Aladjin sich das alles anhören musste. Aufgrund meiner Unwissenheit! Ich hatte doch tatsächlich geglaubt, die ursprüngliche Hauptaufgabe eines Paten sei, sich um den Getauften zu kümmern, falls die Eltern sterben. Ich habe nie den katholischen Unterricht geschwänzt, aber offensichtlich doch eine kleine Wichtigkeit nicht mitgekriegt. Oh, wie habe ich mich geschämt! Und dabei habe ich Romantiker gedacht, dass es toll sei, wenn Micah ein christliches und muslimes Erbe erhält und damit die gelebte religiöse Toleranz in Sierra Leone in sich trägt.
Die Atmoshäre im Besprechungszimmer war eisig und ich fühlte mich erstarrt. Wir haben dann kurz entschlossen gehandelt und im Einvernehmen mit Aladjin unseren nigerianischen Freund Philemon angefragt, als Pate zu amten. Immerhin klingt Philemon christlich (auch wenn er kein Katholik ist.....).

Der Gottesdienst begann und ich war völlig angespannt, während Annick das Ganze viel lockerer zu nehmen schien. Die Anspannung legte sich langsam, als ich immer mehr die Anwesenheit unserer Freunde spürte. Und innerlich sagte ich mir: Nun denn, was ich auch immer gemacht habe, ich werde voller Stolz und Freude vor unsere Freunde stehen und Micahs Namen verkünden. Und dann zeigte Father Konteh seine ganze Grösse (die zweifelsfroh in ihm ist), als er spontan über die traditionelle Zeremonie der Namensgebung in Sierra Leone sprach und Aladjin (our special friend Aladjin, so seine Worte) bat, Micah zu nehmen und mit ihm aus der Kirche zu gehen, um ihm symbolisch der Welt und der Gemeinschaft vorzustellen.

Danach sassen wir im Haus von Father Konteh mit unseren Freunden zusammen und erfreuten uns an der Herzlichkeit, die uns umgab. Ein Gefühl von Zusammengehörigkeit machte sich in mir breit und echte Dankbarkeit, dies zu erleben. Den Höhepunkt (klar, nach dem Gottesdienst, um keine weiteren Skandale anzuzetteln....) war ein Kurzauftritt von 3 langjährigen Bandmitglieder von Annicks Grouvy Colours. Sie komponierten einen Song für Micah, einfach umwerfend. Diesen Song werden wir an seiner Hochzeit laufen lassen, by God i´n powa (so Gott will).
Ein unglaublich intensiver Tag, an welchem wir durch die gegensätzlichsten Gefühle gingen. Typisch Sierra Leone!


2 Kommentare:

  1. oh so herzig...bald wieder bist du zu Hause und kannst wieder Deine erfahrenen Geschwister fragen...;-)

    AntwortenLöschen
  2. wo ist der dezember eintrag? alles liebe ena

    AntwortenLöschen